Ein ganzes Land im Heldenfieber! Vom einstigen Nischenthema zur festen Größe im Veranstaltungskalender: Die saarländische Nerd-Kultur hat sich längst aus ihren Anfängen herausentwickelt. Maßgeblich daran beteiligt ist Daniel Igel, der mit seiner Agentur „Next Heroes“ die logistischen und kreativen Weichen für diese Entwicklung stellt. Als Organisator hinter Formaten wie der RetroCon oder der HiroCon schafft er Räume, in denen Fans aus der gesamten Region und dem benachbarten Ausland zusammenkommen, um ihre Begeisterung für Popkultur, Kunst und Gaming zu teilen. Dabei geht es um weit mehr als nur den Handel mit Sammelstücken. Es geht um Identität, handwerkliches Geschick beim Cosplay und den Brückenschlag zwischen den Generationen. Wir haben mit dem Kopf hinter den Kulissen darüber gesprochen, wie man eine Subkultur professionell aufstellt und warum die familiäre Atmosphäre des Saarlandes das eigentliche Geheimrezept hinter dem Erfolg ist.
Herr Igel, Hand aufs Herz: Wenn das Saarland eine Map in einem Videospiel wäre – ist die „Nerdkultur“ hier eher ein verstecktes Easter-Egg oder mittlerweile der Hauptschauplatz?
Mittlerweile ist sie definitiv einer der Hauptschauplätze. Früher war die Szene im Saarland vielleicht ein verstecktes Level, das man nur mit einem Cheat-Code gefunden hat. Heute ist sie ein zentraler Hub. „Nerdkultur“ ist für uns kein Nischenthema mehr, sondern gelebte Begeisterung für Popkultur, Kreativität und Community. Es geht um Menschen, die ihre Leidenschaft offen zeigen – egal ob für Gaming, Anime, Kunst oder Cosplay.
Begriffe wie „Nerd“ oder „Geek“ wurden früher oft als Beleidigung genutzt. Wie fühlt es sich an, heute derjenige zu sein, der genau diese Begriffe im Saarland zum Qualitätsmerkmal macht?
Es fühlt sich sehr gut an. Wir haben das Wort „Nerd“ zurückerobert; heute steht es für Leidenschaft, Detailverliebtheit und eine starke Gemeinschaft. Wenn wir Events wie die HiroCon oder die RetroCon organisieren, schaffen wir einen Raum, in dem das, was früher belächelt wurde, die Hauptrolle spielt. Es ist eine Anerkennung für eine ganze Subkultur.
Sie begleiten diese Szene nun schon seit vielen Jahren. Was ist heute an der saarländischen Community grundlegend anders als noch vor einem Jahrzehnt – wo hat sich der „Vibe“ am stärksten gewandelt?
Die Community ist viel offener und diverser geworden. Vor zehn Jahren war die Szene oft noch in kleine Gruppen zersplittert – hier die Sammlerinnen und Sammler, dort die Gamerinnen und Gamer. Heute verschmilzt das zu einem großen Ganzen. Der Vibe ist deutlich inklusiver: Die junge Cosplay-Generation feiert gemeinsam mit den Retro-Fans der ersten Stunde. Das gegenseitige Interesse ist enorm gewachsen.
Wenn man über diese wachsende Community spricht, landet man schnell bei Ihrer Agentur „Next Heroes“. Was genau macht in Ihrem Kosmos eigentlich einen Helden oder eine Heldin aus?
Held oder Heldin ist für uns jede Person, die dazu beiträgt, diese Welten gemeinsam mit uns zu erschaffen und als Besucherin oder Besucher darin einzutauchen. Das betrifft nicht nur unser Team, sondern vor allem die vielen aktiven Mitwirkenden: Fangruppen, Künstlerinnen und Künstler sowie Cosplayerinnen und Cosplayer, die unsere Events in eine Galerie verwandeln, sowie Ausstellerinnen und Aussteller, die tief in der Szene verwurzelt sind. Ein Held ist für uns letztlich jede Person, die ihr Hobby aktiv lebt und so den Vibe des Events mitgestaltet.
Hinter den Kulissen von „Next Heroes“ steht eine Mannschaft, die stetig wächst. Wie muss man sich Ihr Team vorstellen – eher als ein Büro voller Enthusiasten oder als kühle Spezialisten?


