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Pflege ist Nahrung für die Haut: Kyra Nawrocki und ihre stille Revolte gegen die Beauty-Industrie

Kirkel im Saarland. Kurz vor Mitternacht. Während die Provinz tief schläft, brennt in den Arbeitsräumen von Kyra Nawrocki noch Licht. Es riecht nach feinsten Rohstoffen, weit weg von der klinischen Künstlichkeit großer Parfümerien. Mittendrin: Die Macherin Nawrocki. Sie lacht viel, gestikuliert und redet im Tempo einer Frau, die keine Zeit zu verlieren hat. Wer ihr gegenübersteht, begreift sofort, dass hier keine klassische Beauty-Marke entsteht, sondern eine kleine Revolte gegen die oft betitelte Bequemlichkeit einer ganzen Branche. Kyra Nawrocki hält sich nicht mit PR-Floskeln auf. Sie seziert die nackte Biologie unseres größten Organs. Die 30-Sekunden-Regel steht wie ein unsichtbares Mahnmal im Raum: So schnell rast nämlich die Chemie herkömmlicher Labor-Cocktails durch unsere Poren, bis sie in den Kapillaren der Augen nachweisbar ist. Während die Industrie mit Cent-Beträgen kalkuliert, stehen bei ihr native Öle im Regal, die mehrere hundert Euro pro Liter kosten. Für Nawrocki eine Frage der Logik – und der Erkenntnis, dass die Haut das einzige Organ ist, das wir wirklich „greifen“ können. Dahinter steckt kein Businessplan, sondern Schicksal: Diabetes 2010, die Geburt ihres Sohnes 2013. Nawrocki wurde zur „Löwen-Mama“, die am Strand Biochemie-Wälzer fraß, statt Romane zu lesen. Ihr Befund: Ein Markt voller Greenwashing. Ihre Antwort: Radikal einfach – Pflege ist Nahrung. Dass Kinder ihre Körperbutter schon mal mit Schlagsahne verwechseln, ist für sie kein Versehen, sondern Programm. Hier ist das Protokoll einer Begegnung, die Ihr Badezimmer – und Ihren Blick auf den eigenen Körper – nachhaltig umkrempeln wird.

Frau Nawrocki, wir leben in einer Zeit, in der wir eine regelrechte Wissenschaft aus unserer Ernährung machen. Wir scannen Inhaltsstoffe auf Joghurtbechern, zählen Kalorien und achten peinlich genau darauf, was wir zu uns nehmen. Warum vernachlässigen wir im Vergleich dazu massiv das, was wir uns täglich auf die Haut schmieren?

Die Haut ist für viele ein unterschätztes Organ. Viele Menschen kennen die biologischen Funktionen der Haut nicht – außer, dass sie schön aussehen soll. Begegnen wir einem anderen Menschen, ist die Optik das Erste, was wir entdecken; es geht primär um die Ästhetik. Gerade bei Frauen dient die Haut in erster Linie als eine Art Leinwand für Schönheitsprodukte. Der Fokus liegt rein auf der Schönheit, wohingegen die Gesundheit im Mittelpunkt stehen sollte. Wir wollen beides: eine schöne und eine gesunde Haut. Haben wir diese Gesundheit nicht, neigen wir dazu, die Haut zuzukleistern. Ein großes Thema ist dabei der Duft: Wir wollen gut riechen und tragen unser Parfüm direkt auf die Haut auf. Wir behandeln die Haut als Fläche, nicht als lebendiges System.

Dass wir die Haut primär als ästhetische Leinwand begreifen und bei Problemen zum „Zukleistern“ neigen, statt die biologische Gesundheit in den Fokus zu rücken, ist eine spannende Beobachtung. Wie kommt es zu dieser fast schon automatisierten Nachlässigkeit in unseren täglichen Gewohnheiten?

Das ist oft wie mit einem Bankkonto. War der Papa bei der Sparkasse, übernimmt man das später einfach. Man benutzt unbewusst, was die Mutter benutzt hat – zum Beispiel das Deo, das bei ihr schon immer im Schrank stand. Dieses angelernte Unbewusste hat seinen Zweck, damit wir im Alltag vieles automatisch erledigen können, aber es führt zu festgefahrenen Gewohnheiten nach dem Prinzip: „Never change a running system“. Wenn es funktioniert, warum sollte man etwas ändern? Das Tückische ist, dass die Haut im ersten Moment oft gar nicht reagiert. Die Quittung kommt erst dann, wenn man jahrelang das Falsche benutzt hat. Erst dann meldet sie sich zu Wort: „Ich bin ein Organ. Bitte beschütze mich!“

Das ist ein dramatischer Appell. Wenn wir uns diese Belastung genauer ansehen: In konventionellen Cremes stecken oft hunderte Inhaltsstoffe und komplexe Chemikalien. Wie genau geht die Haut physiologisch mit dieser Masse an Fremdstoffen um?

Dazu gibt es fundierte Untersuchungen. Man rieb einen Arm mit einer konventionellen Creme, etwa einer Sonnencreme, ein. Um eine Kontamination der Ergebnisse zu vermeiden, wurde das Blut am anderen, nicht behandelten Arm abgenommen. Das Ergebnis der Wissenschaftler war verblüffend: Es dauert unter 30 Sekunden, bis die Chemie im Blut nachweisbar ist.

Unter 30 Sekunden? Das ist praktisch unmittelbar. Das revidiert völlig die Vorstellung, die Haut sei eine dichte, schützende Barriere. Wenn der Transfer so schnell geht, wie sicher können wir uns dann bei den Inhaltsstoffen sein, die oft als „geprüft“ gelten?

Das ist der springende Punkt: Viele dieser Chemikalien sind in ihrer Tiefe noch gar nicht erforscht. Sieht man sich die Historie an, stellt man fest, dass Stoffe, die vor fünf Jahren als völlig ungefährlich galten und sogar in Lebensmitteln erlaubt waren, heute verboten sind. Deshalb sollte man mit einem kritischen Auge darauf schauen, was darin steckt. Ein guter Indikator für Laien ist die Frage: Kann ich überhaupt aussprechen, was ich in der Liste der Inhaltsstoffe sehe?

Wenn die Devise also lautet: „Je weniger Chemie, desto besser“, stellt sich die logische Frage nach der Rolle der Industrie. Warum „klatschen“ uns die großen Hersteller weiterhin mit Produkten voll, die so viele bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten, statt auf radikale Minimierung zu setzen?

Ich habe mir diese Frage oft gestellt. Es gibt einen simplen Hauptgrund: das Geld. Stoffe aus dem Labor sind massiv günstiger als ein natives, frisches Öl. Das ist Fakt. Für hochwertige Öle zahlt man teilweise Literpreise von 600, 700 oder 800 Euro. Andere Stoffe sind schlicht billig und haben einen haptisch ähnlichen Effekt. Als Verbraucher kann man beim Aufstreichen nicht erkennen, ob das ein hochwertiger Stoff ist, der wegen eines aufwendigen Herstellungsprozesses oder einer raren Pflanze zu Recht teuer war, oder ob dieses Gefühl von einem Produkt kommt, das in der Herstellung nur wenige Cent kostet.

Wir lassen uns also von einem billig produzierten Hautgefühl täuschen, während die wirkliche Qualität fehlt. Nun gibt es Marken, die seit Jahrzehnten weltweit erfolgreich sind. Warum merkt man oft gar nicht, was da schiefläuft?

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