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Popkultur ist kein Freizeitprogramm: Carmelo Lo Porto über die kulturelle Zukunft des Saarlands

Alt-Saarbrücken, ein charmantes Viertel der Landeshauptstadt. In den hellen Räumen eines Bürohauses herrscht konzentrierte Betriebsamkeit; junge Mitarbeiter sitzen an ihren Rechnern, die Energie im Team ist förmlich greifbar. Mittendrin: Carmelo Lo Porto. Wer ihn hier trifft, begegnet keinem distanzierten Funktionär, sondern einem Gastgeber, der seine Begeisterung in jedem Satz mitträgt. Er bietet ein Wasser an, plaudert locker über Gott und die Welt – man merkt sofort: Dieser Mann ist mit echter Freude bei der Sache. Doch hinter der herzlichen Atmosphäre verbirgt sich auch eine klare Vision für seine Heimat. Als neuer Vorsitzender des Poprats Saarland sieht Lo Porto Popkultur nicht als bloßes Freizeitvergnügen, sondern als das Herzstück der regionalen Identität und als entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Er will Brücken bauen – zwischen Kultur und Wirtschaft, zwischen Tradition und Moderne. Sein Ziel ist so simpel wie ambitioniert: Das Saarland wieder zu einem Ort zu machen, an dem junge Talente nicht nur bleiben wollen, sondern sich aktiv entfalten können. Wir sprachen mit einem Optimisten über den „Do-it-yourself-Spirit“ der Neunziger, die Notwendigkeit von Investitionen in kreative Köpfe und die Frage, wie man eine Region nachhaltig transformiert. Ein Gespräch über den Mut, endlich wieder groß zu denken – und über die Überzeugung, dass Popkultur in Wahrheit der schönste Blumenstrauß ist, den das Land zu bieten hat.

PopRat Saarland – Verband für Pop- und Eventkultur e.V.

Der Verband:
Der PopRat Saarland ist der zentrale Zusammenschluss von Akteuren aller Popkulturgenres sowie der Veranstaltungswirtschaft im und für das Saarland. Mit derzeit rund 200 Mitgliedern fungiert er als die maßgebliche Interessenvertretung der Kreativwirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Der Verband zelebriert Popkultur in all ihren Facetten. Zum Netzwerk gehören neben Musikern und Labelchefs auch Verleger, Autoren, Gamer, Filmemacher, Designer, Clubbetreiber sowie Sound- und Lichttechniker. Die Grundlage der Verbandsarbeit bildet das 120-seitige Strategiekonzept „Home of Pop“.

Ziele & Projekte: 
1. Vernetzung & Förderung: Schaffung professioneller Strukturen zur Unterstützung regionaler Künstler auf nationalem und internationalem Niveau.
2. Strukturwandel: Positionierung der Popkultur als entscheidender Transformationsmotor für das Saarland.

Der aktuelle Vorstand:
– 1. Vorsitzender: Carmelo Lo Porto
– Stellvertretende Vorsitzende: Hanna Derber, Sebastian Blum
– Schatzmeister: Kai Jorzyk
– Schriftführer: Markus Brixius (Stv. Hanna Derber)
– Beisitzer und Beisitzerinnen: Christian Jost, Trixi Hussong, Germaine Paulus

Schönen guten Tag Herr Lo Porto, fangen wir bei dem Begriff an, der über allem steht. Was bedeutet das Wort „Popkultur“ für Sie heute eigentlich noch? Und was bedeutet es ganz konkret, wenn wir über den Kontext des Saarlandes hinausgehen? 

Generell ist Popkultur für mich erst einmal alles, was uns umgibt und populär ist. Es ist all das, was viele Menschen bewegt – was sie in ihren Herzen berührt und sie dazu bringt, sich auch kulturell auszudrücken. Das ist für mich Popkultur. Und gerade hier im Saarland bedeutet das: zusammen auf Konzerte zu gehen, zusammen in Diskotheken zu gehen, ins Kino oder zu Lesungen. Popkultur insgesamt ist unheimlich vielfältig. Es ist eben nicht nur Musik, sondern wirklich alles, was wir im täglichen Leben so erleben. Oftmals vergessen wir sogar, dass es das überhaupt gibt. Aber genau das ist das Gute daran.

Wir kommen später noch detaillierter auf diesen kulturellen Aspekt zurück. Aber für den Anfang: Erklären Sie uns doch bitte in einfachen Worten, was der „Poprat“ eigentlich ist, der sich ja so intensiv mit diesem Thema beschäftigt? 

Der PopRat ist, ganz kurz auf den Punkt gebracht, der Lobbyverband der Menschen, die im Saarland mit Popkultur arbeiten. Unser Ziel ist es, für die Akteure in diesem Bereich gute Rahmenbedingungen zu schaffen – Bedingungen dafür, dass es Popkultur weiterhin gibt und dass sie ausgebaut wird. Fakt ist: Diese Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Das sieht man ganz klar am Wegfall des „Rocco del Schlacko“ oder an den Problemen, die die „Garage“ in Saarbrücken hat. Wir als PopRat haben uns zum Ziel gesetzt, quasi im letzten Moment noch die Kurve zu kriegen und uns kulturell wieder nach vorne zu spielen.

Da fragt man sich ja natürlich direkt: Wie will man das als PopRat schaffen? Welche Akteure sind da bei Ihnen am Start und welche Mittel haben Sie überhaupt zur Verfügung? 

Unsere Mitglieder sind komplett in allen Bereichen der Popkultur vertreten. Ob das nun ein Buchverlag ist, ein Künstlermanagement, ein Musiklabel oder eben die Veranstalter, die ganz konkret die uns allen bekannten Events hier machen. Das sind unsere Experten für Popkultur im Saarland. Gemeinsam mit ihnen haben wir uns Gedanken gemacht: Wie können wir Popkultur retten? Denn genau darüber reden wir inzwischen. Es geht darum, wie wir dafür sorgen können, dass dieses Land lebenswert bleibt – oder wieder wird, auch für junge Menschen. Dazu gehört eben, das Thema Popkultur endlich in der Wertigkeit und in der kulturellen DNA des Landes zu akzeptieren. Da muss es möglich sein, dass eine „Garage“ in Saarbrücken weiterbesteht oder man zumindest einen neuen Ort dafür findet. Wir brauchen Veranstaltungslocations in verschiedenen Größen, das ist unheimlich wichtig.

Sie fordern in diesem Zusammenhang auch neue Strukturen.

Es braucht ein Popbüro, das all diese Dinge, die die Popkultur im Saarland erschafft, miteinander verbindet und professionalisiert. Das ist ganz wichtig, denn wir sind ein Wirtschaftsfaktor – das wird oftmals vergessen. Wir brauchen einen Popkultur-Wagniskapitalfonds, also wirkliche Investitionen. Und wir müssen endlich dafür sorgen, dass eine Livestätte auch als Kulturstätte anerkannt wird. Es darf nicht mehr passieren, dass sich jemand ein Haus neben eine Konzertlocation baut und diese dann einfach wegklagt. All das sind Punkte, die für uns essenziell sind und kurzfristig einen großen Impact haben können. Aber dazu muss das Land erst einmal verstehen, dass Popkultur zur kulturellen DNA gehört.

Wenn Sie sagen, „das Land“ muss das verstehen – wen meinen Sie damit genau? Und wie lässt sich das in der Praxis umsetzen? 

Wenn ich sage, das Land muss verstehen, dann meine ich damit nicht nur die Politik, sondern auch die Wirtschaft und die Menschen da draußen. Allen muss bewusst sein, was passiert, wenn es in diesem Land keine Popkultur mehr gibt. Wir sind aktuell mit ganz großen Schritten dabei, zum Abwanderungsland zu werden – beziehungsweise sind wir es laut den Zahlen eigentlich schon. Dieses Bewusstsein muss da sein. Popkultur ist einer der Schlüssel, um das umzudrehen. Dafür muss die Politik verstehen, worum es hier geht, und Popkultur nicht mehr als dieses „Enfant terrible“ sehen, das irgendwo zwischen Wirtschafts- und Kulturpolitik hängengelassen wird. Man sieht uns oft nirgendwo zugehörig an und möchte uns am liebsten ausblenden. Wissen Sie, mir hat mal jemand aus der Politik gesagt: „Mit Popkultur ist kein Blumenstrauß zu gewinnen.“ Und ich sage ganz ehrlich: Wir sind der Blumenstrauß.

Könnte man das „Pop“ nicht einfach weglassen? Kritiker könnten sagen: Die Kultur insgesamt hängt hinten rüber, jeder Bereich hat in den letzten Jahren gelitten. Warum ist es so weit gekommen? Das ist ja keine Entwicklung über Nacht, da müssen über Jahre hinweg Fehler gemacht worden sein.

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