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Einsicht – Die Fotografie von Simon Stenger

Der Saarbrücker Fotograf Simon Stenger war Backstage bei Patou in Paris, arbeitet seit Jahren mit der Modedesignerin Laura Theiss zusammen und ist Stammgast auf der Berlin Fashion Week. Er fotografiert am liebsten draußen, mit einer Kamera und einem Blitz — und sagt, dass es bei provokanten, anormalen Motiven keine Grenzen gibt.

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Von Stephan Bonaventura

Simon Stenger
Foto: Joshua Hammer

Seine Kamera, ein Blitz und ein Funksender. Das ist in der Regel alles, was Simon Stenger mit auf ein Shooting nimmt. Kein Lichtkoffer, kein Assistent, kein aufgebautes Studio. Alles darüber hinaus empfindet er als Hindernis – und der Mann fotografiert für internationale Labels in Paris.

Stenger kommt aus dem Saarland, studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar und hat sich als Fotograf auf Mode, Beauty und Interieur spezialisiert. Er war Backstage bei Patou in Paris, ist Stammgast auf der Berlin Fashion Week, und mit der Knitwear-Designerin Laura Theiss – einer der bekanntesten Modedesignerinnen, die das Saarland je hervorgebracht hat – verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit. Was Auftraggeber dieser Größenordnung ihm mitgeben: „Mach das so wie du denkst, dafür haben wir dich ja gebucht.“

Seinen Stil beschreibt er in drei Wörtern: provokant, ehrlich, spontan. Die provokanten, kontroversen, anormalen Motive, das seien die, an denen man hängen bleibt. Die, die einen innehalten lassen. Grenzen? Nennt er keine.

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Model: Scarlette Otto
Styling: Joshua Hammer
Kunde: Personal Project
Foto: Simon Stenger

Was sein Auge sucht: eine besondere Perspektive, starke Kontraste, bei Farben wie bei Licht. Inspiration zieht er aus Bildbänden und Modezeitschriften, besonders aus den Sechzigern und Siebzigern. Er blättert gerne, liest sich in die Bildwelt anderer ein. Sein Partner, der Modedesign studiert hat, Freunde, die gemeinsame Zeit — auch das fließt in die Bilder ein. Und manchmal sitzt er in Paris an einem Café an der Straße, beobachtet die Menschen, lässt die Stadt vorbeiziehen

Das Verhältnis zwischen Planung und dem, was am Set spontan entsteht, beziffert er mit achtzig zu zwanzig, klar zugunsten des Moments. Moodboards gibt es, aber sie dienen als grobe Orientierung für das Gefühl einer Kampagne, mehr nicht. Auf Aufträge wartet er dabei nicht nur. Viele entstehen über Kontakte zu Agenturen, über direkte Anfragen, die ihn online oder über Social Media erreichen – und manchmal auch, weil er Marken und Firmen selbst anschreibt.

Model: Sara Lorena
Styling: Laura Theiss
Kunde: LAURA THEISS
Foto: Simon Stenger

Am Set ist Kommunikation das Entscheidende. Menschen vor der Kamera ohne Rückmeldung sich selbst zu überlassen, ist für ihn das Unbehaglichste, was ein Set produzieren kann. „Selbst Anweisungen wie ,das ist gut, bleib so‘ oder ,mach doch mal das‘ helfen vielen, sich wohler zu fühlen und aufzutauen“, sagt er. Gespräche, Sympathie, das Gefühl, dass alle eine gute Zeit haben – das gilt für jedes Shooting, ob für einen lokalen Kunden im Saarland oder ein internationales Label in Paris. Beim Interieur gibt es deutlich weniger Kommunikation“, sagt er. Was er meint: Räume warten nicht auf Regieanweisungen. Man kann sie nicht aufwärmen, nicht in eine Stimmung führen, nicht bitten, noch einmal anders zu stehen. Hier zählt viel Vorarbeit und auch die Nacharbeit ist hier anders. Auf der Fashion Week gilt dasselbe wie am Set: Die Gespräche sind das Wesentliche. Er fotografiert Shows, war Backstage bei Patou in Paris — aber was bleibt, sind die Verbindungen, die sich über Zeit in Aufträgen niederschlagen. Mit Laura Theiss arbeitet er seit Jahren auf dieser Basis. Briefings braucht es zwischen ihnen schon lange nicht mehr.

Model: Roswitha Völz
Styling: Joshua Hammer
Kunde: Justin Reddig Berlin (Maison Esmé)
Foto: Simon Stenger

Das Saarland ist sein Ausgangspunkt. Seine freien Arbeiten entstehen fast alle hier, weil er in der Region Menschen gefunden hat, mit denen er gut und gerne arbeitet. Bei kommerziellen Aufträgen beobachtet er häufig wenig Risikobereitschaft, da zählt wirtschaftliches Denken, dem kreative Impulse eher untergeordnet werden. Das kennt er aus Berlin und Paris anders. Aber das Saarland gibt ihm dafür etwas anderes mit: eine Gelassenheit, und eine Offenheit, die einem auch in unerwarteten Situationen hilft.

Das Studium an der HBKsaar hat seinen Blick geformt. Frei an Projekte herantreten, experimentieren, Konzepte immer wieder hinterfragen – das war dort normal, und es ist es geblieben. „Es ist für mich normal geworden, auszuprobieren, kritisch auf meine Arbeit zu sehen und für meine Kunden das Beste herauszuholen“, sagt er. Für sein Abschlussprojekt AURUM führte er das konsequent zu Ende: Er versah Fotoabzüge mit Blattgold, Stück für Stück, als Unikate. Bilder, die es genau so kein zweites Mal gibt. Solche Projekte sind ihm generell wichtig, sie lassen ihn experimentieren, anders denken. Und sie funktionieren auch als Gegenpol zu dem, was Social Media mit Bildern macht: Alles wird schneller, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, schwerer. Gleichzeitig, sagt er, sei die Reichweite eine Chance, Menschen zu erreichen, die man sonst nie erreicht hätte.

Besonders stolz auf eine bestimmte Arbeit zu sein, fällt ihm aber schwer. Er sei selbstkritisch, sagt Stenger. Jedes neue Projekt zählt mehr als das Zurückschauen. Wenn man ihn fragt, welche Fotografen ihn am meisten beschäftigen, fallen zwei Namen: Helmut Newton und Jürgen Teller. Teller arbeitet noch. Das, sagt er, wäre eine Zusammenarbeit, die er sich wünscht.

Weitere Einsichten in die Werke von Simon Stenger:

Model: Lutricia Kermani
Styling: Daniela Schön & Joshua Hammer
Kunde: Juwelier Leicht
H&M: La Biosthétique Paris
Foto: Simon Stenger
Model: Jack Haven
Styling: Simon Stenger & Jack Haven for PATOU Paris
Kunde: PATOU Paris
Foto: Simon Stenger
Models: Mira Stahl,
Sara Lorena,
Marie Josefine Urbano
Styling & Fashion Design Joshua Hammer
H&M: Alice Barang
Foto: Simon Stenger

Über Simon Stenger:

Simon Stenger ist Fotograf und hat an der Hochschule der Bildenden Künste Saar seinen Master und sein Diplom abgeschlossen. Schon während seines Studiums spezialisierte er sich besonders auf Fotografie, heute arbeitet er selbstständig. Sein Schwerpunkt liegt in den Bereichen Mode, Beauty und Interior. Neben kommerziellen Aufträgen widmet er sich auch freien fotografischen Projekten. Inspiration findet er in Bildbänden, Mode, Kunst, Einrichtung, Orten und Menschen, die ihn umgeben. Dadurch wirken seine Arbeiten oft sehr nah, atmosphärisch und persönlich – auch dann, wenn sie in einem professionellen oder kommerziellen Kontext entstehen. Über die Jahre hat Simon Stenger eine eigene Bildsprache entwickelt, die auch über das Saarland hinaus wahrgenommen wird. Er ist regelmäßig bei Shows im Rahmen der Berlin Fashion Week vertreten; auch internationale Modelabels wie Patou schätzen seinen Blick durch die Kamera.

Simon Stenger
Foto: Joshua Hammer

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