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HomBuch in Homburg – Christian Streich, Alice Schwarzer und Ahmad Mansour kommen zum Lesefest

Christian Streich kehrt in das Stadion zurück, in dem er einst selbst spielte; eine historische Druckerpresse soll nach ihrer Restaurierung wieder anlaufen, und das Kino zeigt Jelinek noch vor dem bundesweiten Filmstart. Bei der HomBuch erzählen die Spielorte an vielen Abenden ihre eigene Geschichte mit.

Als Christian Streich zwischen 1988 und 1990 für den FC 08 Homburg spielte, lag seine spätere Karriere als Trainer des SC Freiburg noch weit vor ihm. 33 Pflichtspiele verzeichnet das DFB-Datencenter für diese beiden Jahre, darunter die Aufstiegssaison 1989. Nun kommt Streich zurück ins Waldstadion. Am 14. Oktober spricht er dort mit Moderator Thomas Wollscheid über die „Bücher meines Lebens“. Die Wahl dieses Ortes folgt einem Prinzip, das sich durch das Festival zieht. Zwischen dem 12. und 18. Oktober wechselt die HomBuch vom Siebenpfeifferhaus ins Stadion, weiter ins Eden Cinehouse und in die Galerie Julia Johannsen; am 21. Oktober schließt sich im Kulturzentrum Saalbau ein musikalischer Rilke-Abend an. „Besondere Begegnungen“ lautet das Motto. Die Orte liefern dafür biografische und historische Bezüge.

Ein Abend für die Bücher, die geblieben sind

Zum Auftakt treffen sich am 12. Oktober drei Menschen, die das Kulturleben der Region aus unterschiedlichen Richtungen kennen: Roland Kunz von SR kultur, Bernhard Leonardy, Intendant der Musikfestspiele Saar, und die Journalistin Susanne Wachs. Beim neuen „HomBuch-Heimspiel“ bringen sie Bücher, Texte und Musik mit, die sie über längere Zeit begleitet haben. Unter dem Titel „Bücher, Worte und Musik“ erzählen die Gäste anhand ihrer Auswahl von den eigenen Lesebiografien.

Bevor einen Tag später Ahmad Mansour auftritt, beginnt das Programm vor dem Siebenpfeifferhaus. Dort soll eine Plakette des Projekts „SR-Beiträge an öffentlichen Orten im Saarland“ enthüllt werden. Ihr QR-Code führt ins Archiv des Saarländischen Rundfunks und zu zwei Männern, deren publizistische Arbeit eng mit Homburg verbunden ist: Philipp Jakob Siebenpfeiffer und Johann Georg August Wirth. Beide arbeiteten hier zu Beginn der 1830er-Jahre, gerieten wegen ihrer Veröffentlichungen mit den Behörden in Konflikt und gehörten später zu den prägenden Stimmen des Hambacher Festes. Wenige Schritte von der Plakette entfernt steht im Foyer eine fast 200 Jahre alte Stanhope-Presse, auf der Wirth zeitweise die liberale „Deutsche Tribüne“ drucken ließ. Inzwischen restauriert, soll die Maschine am 13. Oktober zum ersten Mal wieder in Betrieb gehen. Wie aus politischen Gedanken eine Zeitung wurde, lässt sich dort ganz praktisch nachvollziehen.

Fast zwei Jahrhunderte trennen diese Presse von Mansours neuem Buch, der Übergang ist dennoch erstaunlich direkt. Wirth und Siebenpfeiffer kämpften dafür, öffentlich widersprechen zu dürfen; „Haltung ohne Hass“ fragt, wie solcher Widerspruch heute geführt werden kann, ohne dass das Gespräch zerbricht. Mansour, Psychologe und Präventionsexperte, schreibt über Radikalisierung, Verschwörungserzählungen und Menschen, die einander kaum noch zuhören. Anfang September erscheint das Buch im Berlin Verlag. Sein Plädoyer: klare Grenzen, deutliche Gegenrede und die Bereitschaft, das Gegenüber trotzdem nicht vorschnell aufzugeben.

Bücher auf der Tribüne, Jelinek auf der Leinwand

Im Waldstadion nimmt das Programm zwei Tage später einen persönlicheren Ton an. Christian Streich hat Bücher wiederholt als Ausgleich zum eng getakteten Profifußball beschrieben; mit Thomas Wollscheid will er nun über jene Lektüren sprechen, die ihn geprägt haben. Von dort führt das Gespräch zu Fragen, die im Mannschaftssport täglich auftauchen: Wie viel Eigenständigkeit verträgt eine Gruppe, was hält sie zusammen? Die Veranstaltung ist als Open Air geplant, die Sitzplätze befinden sich auf der Tribüne.

Christian Streich – Foto: © Alexander Dietrich

Am nächsten Abend bleibt die Sitzordnung ähnlich, nur richtet sich der Blick jetzt auf eine Leinwand. Im Eden Cinehouse läuft „Liebhaberinnen“, Caroline Kox’ Verfilmung des gleichnamigen Romans von Elfriede Jelinek. Ihre Weltpremiere hatte die Produktion im Februar im Forum der Berlinale; regulär kommt sie am 20. Oktober in die Kinos. Das Homburger Publikum sieht den Film fünf Tage früher.

Johanna Wokalek und Hannah Schiller spielen zwei Frauen, die sich nach Sicherheit und Anerkennung sehnen und dabei in Erwartungen geraten, die längst für sie bereitstehen. Kox, die als Regisseurin den Namen Koxi verwendet, übersetzt Jelineks Stoff in eine Gegenwart der Selbstvermarktung. Wie sie dabei vorgegangen ist, bespricht sie mit Moderator Peter König. Ausschnitte aus dem Filmscore kommen an diesem Abend nicht vom Band: Musiker der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern spielen sie live.

Alice Schwarzer bringt 99 Begriffe mit

Alice Schwarzer hat ihr neues Buch wie ein Alphabet angelegt. In „Feminismus pur. 99 Worte“ füllt jeder Begriff eine Seite, die jeweils gegenüberliegende bleibt leer – Platz für eigene Notizen, Ergänzungen oder Widerspruch. Am 16. Oktober stellt Schwarzer diese persönliche Bestandsaufnahme im Siebenpfeifferhaus vor. Dass Michael Thieser, Geschäftsführer des Deutsch-Französischen Journalisten- und Medienpreises, das Gespräch führt, verweist auf einen wichtigen Teil ihrer Biografie. Mitte der 1960er-Jahre zog Schwarzer nach Paris, engagierte sich dort in der Frauenbewegung und führte später Gespräche mit Simone de Beauvoir, die auch im deutschsprachigen Raum viele Leserinnen und Leser fanden. An diesem Abend will die HomBuch sie mit dem Deutsch-Französischen Freundschaftspreis auszeichnen. Seit 2018 würdigt das Festival damit Menschen, die den Austausch zwischen den beiden Ländern fördern.

Alice Schwarzer – Foto: © Bettina Flitner

Für den Samstag verlässt die HomBuch das Siebenpfeifferhaus und zieht in die Galerie Julia Johannsen. Dort erinnert Günter Berg an Siegfried Lenz, der im März 100 Jahre alt geworden wäre. Berg war sein Lektor, wurde über viele Jahre zum engen Wegbegleiter und steht heute der Siegfried Lenz Stiftung vor. „Der Pakt mit dem Leser“ nennt er seine Annäherung an Leben und Werk; einen wichtigen Platz nimmt dabei die „Deutschstunde“ ein, jener Roman über Pflicht, Gehorsam und ein während des Nationalsozialismus verhängtes Malverbot. Berg liest zweimal, begleitet von einer Vernissage. Der Eintritt ist frei.

Vier Jahrzehnte Herzchirurgie, ein Vierteljahrhundert Rilke

Wenn der Saarländische Rundfunk am Sonntagvormittag „Fragen an den Autor“ im Siebenpfeifferhaus aufzeichnet, bringt er ein Format mit, das seit 1969 auf Sendung ist. Zu Gast ist Rüdiger Lange, der bis 2023 die Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am Deutschen Herzzentrum München leitete. In „Herzblut“ blickt er auf vier Jahrzehnte im Operationssaal zurück, auf medizinischen Fortschritt ebenso wie auf Verantwortung und Entscheidungen unter Zeitdruck.

Rüdiger Lange – Foto: © Sebastian Arlt

Mit der Radioaufzeichnung endet die eigentliche Festivalwoche, doch drei Tage später folgt im Saalbau musikalisch noch das Schönherz & Fleer Rilke Projekt. Für „So viel Himmel“ hat Angelica Fleer die dramaturgische Leitung übernommen. Dietmar Bär, Nina Hoger und Pasquale Aleardi sprechen Rilkes Texte, Florian Künstler singt; Richard Schönherz spielt Klavier, begleitet von einer Live-Band. Konzipiert wurde das Programm für die Tour zu Rilkes 150. Geburtstag im Jahr 2025, während der Homburger Auftritt nun in das Jahr seines 100. Todestages fällt. Solche Jubiläen markieren allerdings nur einzelne Stationen einer langen Beschäftigung: Seit über 25 Jahren bringen Schönherz und Fleer die Gedichte des Dichters mit Stimmen und Musik zusammen.

Das Rilke Projekt – Foto: (C) René van der Voorden

Mit Christian Streich, Ahmad Mansour, Alice Schwarzer und allen weiteren Gästen haben die Organisatoren auch für 2026 große Namen nach Homburg geholt. Wer an einem bestimmten Abend dabei sein möchte, sollte aus Erfahrung mit früheren Ausgaben beim Kartenkauf besser nicht bis Oktober warten.

HomBuch 2026 im Überblick

  • Montag, 12. Oktober, 19 Uhr: Roland Kunz, Bernhard Leonardy und Susanne Wachs – „Bücher, Worte und Musik“, Siebenpfeifferhaus, 20 Euro
  • Dienstag, 13. Oktober, 19 Uhr: Ahmad Mansour – „Haltung ohne Hass“, Siebenpfeifferhaus, 20 Euro
  • Mittwoch, 14. Oktober, 19 Uhr: Christian Streich – „Bücher meines Lebens“, Waldstadion, 25 Euro; Open-Air-Veranstaltung, Sitzplätze auf der Tribüne
  • Donnerstag, 15. Oktober, 19 Uhr: Preview „Liebhaberinnen“, Eden Cinehouse, 20 Euro
  • Freitag, 16. Oktober, 19 Uhr: Alice Schwarzer – „Feminismus pur. 99 Worte“, Siebenpfeifferhaus, 20 Euro
  • Samstag, 17. Oktober, 17 und 18.30 Uhr: Günter Berg – „Der Pakt mit dem Leser“, Galerie Julia Johannsen, Eintritt frei
  • Sonntag, 18. Oktober, 11 Uhr: Rüdiger Lange – „Herzblut“ und „Fragen an den Autor“, Siebenpfeifferhaus, Eintritt frei
  • Mittwoch, 21. Oktober, 19.30 Uhr: Schönherz & Fleer Rilke Projekt – „So viel Himmel“, Kulturzentrum Saalbau, 56,40 bis 70,20 Euro, je nach Sitzplatzkategorie

Preise laut Ticket Regional, Stand 29. Juli 2026. Karten gibt es über Ticket Regional, die Buchhandlung Hahn in Limbach und die Tourist-Info Homburg. Weitere Informationen unter hombuch.de.

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