Vor fünfzig Jahren gründete der Brite seine Band zwischen Hörsaal und Station einer Nervenklinik, heute gilt er als eine der prägenden Stimmen des britischen Post-Punk. Mit der „50th Anniversary Tour“ macht John Watts am 15. Oktober in Neunkirchen Station.
John Watts studierte in den Siebzigerjahren klinische Psychologie an einer britischen Einrichtung, die bewusst auf Medikamente und Fixierungen verzichtete. Tagsüber saß er Patientinnen und Patienten gegenüber, abends stand er vor Publikum, das in jenen Jahren selten sanft war. Diese Erfahrung, erzählte er später, habe ihm geholfen, sich auch von einem aufgebrachten Punk-Saal nicht beeindrucken zu lassen. 1976 gründete Watts an der Brunel University gemeinsam mit seinem Freund und Keyboarder Steve Skolnik die Band Fischer-Z.
Es ging schnell. 1978 nahm United Artists die Band unter Vertrag, im selben Jahr wie The Stranglers und Buzzcocks. Das Debütalbum „Word Salad“ erschien 1979, die Single „The Worker“ lief bei Top Of The Pops, „Remember Russia“ wurde von John Peel im Radio gespielt. 1980 folgte mit „So Long“ einer der ersten Songs überhaupt, dessen Video auf MTV lief – der internationale Durchbruch. Ein Jahr später erschien „Red Skies Over Paradise“, bis heute das erfolgreichste Album der Band, mit den Singles „Marliese“ und „Berlin“, in Deutschland wochenlang zu Zehntausenden verkauft.
Auf dem Höhepunkt hört Watts erst einmal auf
Ausgerechnet auf diesem Höhepunkt löste Watts noch im selben Jahr die ursprüngliche Besetzung auf. Tourdruck und ein unerfahrenes Management hatten ihn erschöpft, erzählte Watts später rückblickend; eine kurze Pause hätte gereicht, stattdessen bremste er sich und die Band komplett aus. Es folgten Soloalben wie „One More Twist“ (1982) und „The Iceberg Model“ (1983), kurzzeitig das Tanzpop-Projekt The Cry. Erst 1987 stellte Watts Fischer-Z neu zusammen und hatte mit den Singles „The Perfect Day“ (1988) und „Say No“ (1989) erneut Charterfolge.
Aus dem Popstar wird ein Multimedia-Künstler
Nach der Rückkehr blieb Watts nicht beim reinen Sänger stehen. Für „Destination Paradise“ (1991), aufgenommen in Peter Gabriels Real-World-Studios mit Beiträgen unter anderem von Steve Cropper und der Bläsersektion von Dexy’s Midnight Runners, begann er zugleich, Musik zunehmend mit Text und Bild zu verbinden, trat als Dichter und Dramatiker auf und brachte mit „Bigbeatpoetry“ (1999) Lyrik, Prosa und Beats zusammen. Auf der Bühne blieb er dabei ein Live-Musiker mit großer Reichweite: Mit James Brown stand er in Ost-Berlin vor rund 167.000 Menschen, tourte mit The Police und Dire Straits und spielte auf Bob Marleys letzter Europatournee. 2025 bündelte er mit dem Projekt „Punkt!“ Musik, Bild und Wort in zehn eigenen Kunstwerken – die vorläufig jüngste Station auf dem Weg vom Popsänger zum Multimedia-Künstler.
Fünfzig Jahre später ist Watts noch nicht fertig
2026 wird die Band fünfzig Jahre alt, und Watts feiert das mit einer Welttournee und einem neuen Album. „50/50″ heißt es, enthält fünf neue Songs, darunter drei Singles, sowie fünf neu interpretierte Fassungen seiner Lieblingsstücke aus den ersten fünf Alben. „Ich kann kaum glauben, dass das schon 50 Jahre sind“, sagte Watts zur Ankündigung der Tour. „Es war eine unglaubliche Reise mit Höhen und Tiefen, aber ich freue mich riesig darauf, mit allen zu feiern – und ich bin bereit! Auf viele weitere Jahre voller neuer Musik, Konzerte und Kunst.“
Auf dem Weg dorthin führt die „50th Anniversary Tour“ Watts und seine Band im Oktober auch ins Saarland: Am Donnerstag, dem 15. Oktober, tritt Fischer-Z um 20 Uhr in der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen auf, veranstaltet von Popp Concerts gemeinsam mit der Neunkircher Kulturgesellschaft.
Neue Gebläsehalle, An den Hochöfen 1, 66538 Neunkirchen, Donnerstag, 15. Oktober 2026, 20 Uhr. Tickets von 54,50 Euro (Preiskategorie 4) bis 83,15 Euro (Preiskategorie 1) bei allen Vorverkaufsstellen von Ticket Regional und CTS Eventim, telefonisch unter 0651-9790777 sowie online unter www.nk-kultur.de.


