- Anzeige -

StartKulturHBKsaar-Studierende zeigen in Berlin, was aus anonym verschickten persönlichen...

HBKsaar-Studierende zeigen in Berlin, was aus anonym verschickten persönlichen Objekten entstehen kann

Sie können Artikel des Jetzt. Magazins in der Google-Suche nun bevorzugt anzeigen lassen.

Jetzt aktivieren Mehr erfahren

Zwei Kartons, gepackt mit persönlichen Gegenständen, ohne Namen und ohne Erklärung zwischen den Kunsthochschulen in Saarbrücken und Braunschweig verschickt: Was die Empfänger daraus machten, ist ab September in einer gemeinsamen Ausstellung in Berlin zu sehen.

Wer ein Paket ohne Absender öffnet, tastet sich erst durch die Verpackung, ehe er begreift, was er eigentlich in den Händen hält. Genau dieses Tasten war für Studierende der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Braunschweig und der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) monatelang die einzige Verbindung zueinander. Sie kannten weder Namen noch Absicht der jeweils anderen Gruppe, nur das, was in den verschickten Kartons lag. Von fremder Hand ausgewählt, ohne jede Kennzeichnung.

Was mit diesen Dingen geschah, war völlig offen. Wer ein Paket erhielt, durfte den Inhalt verändern, zerlegen, neu zusammensetzen, weiterverwenden, wegwerfen oder als Ausgangspunkt für eine eigene Arbeit nehmen, auch einfach abwarten war erlaubt, welchen Impuls das fremde Objekt auslöst. Vorgaben, welches Thema oder welche Form daraus entstehen sollte, gab es nicht. Über Wochen entwickelten beide Gruppen unabhängig voneinander ihre Arbeiten weiter, ohne sich je zu begegnen. Kommunikation fand ausschließlich über die Objekte statt, und damit über eine Verbindung, die zugleich von Nähe und Distanz geprägt war: Man wusste von der Existenz des anderen, ohne ihn je gesehen zu haben.

Kuratiert hat das Projekt Leonore Leonardy, die lange Jahre die Galerie der HBKsaar geleitet hat und inzwischen im neuen Masterstudiengang Kuratieren und Ausstellungswesen unterrichtet. In ihrem Seminar „Ausstellungspraxis“ trafen die Saarbrücker Arbeiten auf ihre Braunschweiger Gegenstücke aus der Klasse von Nasan Tur. Der Bildhauer und Professor für Freie Kunst stellte unter anderem auf der documenta 14 und der Istanbul-Biennale aus, erhielt 2014 den Rompreis der Villa Massimo und ist derzeit mit einer Einzelausstellung in der Berlinischen Galerie vertreten. Beide Klassen eint ein Interesse daran, wie sich gesellschaftliche und persönliche Fragen in Objekten und Handlungen niederschlagen – ein Ansatz, der sich in „Das, was drin war…“ unmittelbar fortsetzt.

Erst zur Vernissage treffen die beiden Studierendengruppen und ihre Arbeiten tatsächlich aufeinander. Der Karton selbst, ursprünglich reine Verpackung, tritt dabei in den Hintergrund. Im Zentrum stehen die 26 Positionen, die aus dem Impuls der fremden Objekte entstanden sind: Fotografie, Malerei, Zeichnung, Video- und Soundarbeiten, Skulptur, Installation und Performance. Gezeigt werden sie in der Kommunalen Galerie Berlin, die seit 1974 als Forum für zeitgenössische Kunst im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gilt und bei freiem Eintritt zugänglich ist.

Die leeren Kartons selbst sind in der Ausstellung nirgends mehr zu sehen. Was von ihnen blieb, hängt an den Wänden der Kommunalen Galerie – in Formen, die keine der beiden Gruppen vorhersehen konnte, als sie ihr Paket zur Post brachte.

Vernissage: 17. September 2026, 19:30 Uhr, mit Begrüßung durch Heike Schmitt-Schmelz (Bezirksstadträtin) und Barbara Höffer (Kommunale Galerie Berlin) sowie Einführung durch Leonore Leonardy (HBKsaar) und Prof. Nasan Tur (HBK Braunschweig) Laufzeit: 18. September bis 22. November 2026 Ort: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin Öffnungszeiten: Di–Fr 10–18 Uhr, Mi 10–19 Uhr, Sa–So 11–19 Uhr Eintritt: frei

Daphne Schüttkemper, Adlerhorst, 2026, Stahl und Silikon;
Foto: Daphne Schüttkemper
Lena Reckord, Monstranz, 2026, containerte Salami, Glas, Dosen, Lot, Magnet;
Foto: Lena Reckord
Julius Gödtel, Schrauben und Haken, 2026, Holz, Metall, Expander, Schraubhaken, Schrauben, Winkel, Acryl, Lack und Öl;
Foto: Julius Gödtel
Shaza Mostafa, Membrane 01, 2026, echte Schlangenhaut, Play-Doh, PU-Bauschaum, Reispapier, Spiegel, Metallstange;
Foto: Shaza Mostafa
Werbung

Exklusiv mit Jetzt+ lesen:

Prof. Adrian Müller über den rasanten Fortschritt der KI und warum Deutschland den Anschluss nicht verpassen darf 

Von Daniel von Hofen Was macht eine Maschine eigentlich „intelligent“? Diese Frage beschäftigt nicht nur Fachleute, sondern auch immer mehr Menschen, die im Alltag mit...

Thorsten Havener im Interview über Manipulation: So leicht lassen wir uns im Alltag lenken

Der Mentalist kommt mit seinem neuen Programm „Alles Kopfsache?“ zurück in seine Heimatstadt – genau dorthin, wo er das genaue Hinsehen einst gelernt hat....

Daniel Igel (Next Heroes) über Nerdkultur im Saarland – und wie daraus ein Eventphänomen wurde

Ein ganzes Land im Heldenfieber! Vom einstigen Nischenthema zur festen Größe im Veranstaltungskalender: Die saarländische Nerd-Kultur hat sich längst aus ihren Anfängen herausentwickelt. Maßgeblich...

Kein Bock auf Limits: Bestsellerautor Markus Heitz über Kreativität, KI und Fantasy

Markus Heitz (1971) gehört zu den erfolgreichsten und produktivsten Fantasy-Autoren Deutschlands. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Saga „Die Zwerge“, die auch international...

Gothic-Horror-Roman „Die Villa“: Das neue Buch von „Zwerge“-Erfinder Markus Heitz bringt Gänsehaut

Wer besitzt hier wen? Markus Heitz schickt ein Haus auf Beutezug! Bereit für eine gehörige Portion Gänsehaut? Der saarländische Bestsellerautor kehrt mit seinem neuen Roman...

Steffen Jung aus dem Saarland setzt ganz auf Deutschpop. Ein Interview über seinen Abschied vom Lehrerberuf.

Vor nicht allzu langer Zeit stand Steffen Jung noch als verbeamteter Musiklehrer vor einer Klasse. Acht Jahre lang hat der Saarländer unterrichtet, dann hat...

Klein gedacht war gestern. Die SAAR MUSIC AWARDS 2027 wollen die saarländische Musikszene sichtbar machen

Die saarländische Musikszene bekommt 2027 ein neues Format. Was dahintersteckt — und warum der Ort dafür nicht zufällig gewählt ist. Der Lokschuppen Dillingen hat schon...

Bliesgau-Lammwochen 2026: 7 Spitzenrestaurants im Saarland und Lothringen setzen aufs Lamm aus der Region

Gleich sieben Restaurants zwischen dem Bliesgau und dem lothringischen Sarreguemines stellen in diesem Herbst wieder ein einziges Tier in den Mittelpunkt ihrer Speisekarte: das...

- Anzeige -