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Zwölf Fotografinnen der Agentur Magnum zeigen in der Ludwig Galerie Saarlouis, was zwischen Kamera und Gegenüber im Spiel ist: Vertrauen, Verletzlichkeit, manchmal auch Macht.
„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, bist du nicht nah genug dran.“ Der Satz stammt von Robert Capa und war ursprünglich auf die Kriegsfotografie gemünzt, wo Nähe eine Frage von Metern und Mut ist. In der Ludwig Galerie Saarlouis lesen zwölf Fotografinnen der Agentur Magnum ihn ganz anders. In ihrer Ausstellung „Close Enough“ heißt Nähe Vertrauen, Komplizenschaft und Verbindung zwischen der Person hinter der Kamera und der davor.
Es geht um Zugehörigkeit und Intimität, um Repräsentation, aber auch um Fremdheit, Verletzlichkeit und Machtverhältnisse. Und die Ausstellung stellt die Annahme infrage, dass körperliche Nähe von selbst Transparenz und Unmittelbarkeit schafft, denn wer dicht dran ist, sieht nicht zwangsläufig mehr.
Eine Agentur, die ihren Fotografen gehört
Capa war 1947 einer der Gründer von Magnum, zusammen mit Henri Cartier-Bresson, George Rodger und David „Chim“ Seymour, vier Fotografen, die im Zweiten Weltkrieg als Fotojournalisten gearbeitet hatten und von dem, was sie gesehen hatten, tief geprägt waren. Mit dabei waren auch Maria Eisner und Rita Vandivert. Keiner von ihnen wollte sich den Vorgaben einer einzelnen Publikation und ihrer Redaktion beugen, und deshalb ist Magnum eine Genossenschaft, deren Fotografen die Urheberrechte an ihren Bildern behalten und damit auch Projekte verfolgen können, die niemand bestellt hat.
Zu den prägenden Bildern der Agentur zählen Capas verwischte, eindringliche Aufnahmen vom D-Day, Cartier-Bressons Bilder von der Befreiung von Paris und Susan Meiselas’ Foto eines Straßenkämpfers in Nicaragua von 1979. Die Londoner Tate nennt Magnum die weltweit angesehenste Organisation ihrer Art.
Drei Generationen, zwölf Positionen
Erstmals gezeigt wurde „Close Enough“ 2022 am International Center of Photography in New York, zum 75-jährigen Bestehen der Agentur und kuratiert von Charlotte Cotton. Die Station in Saarlouis ist eine Kooperation mit Magnum Photos Paris; Andréa Holzherr, Kuratorin bei Magnum Photos Paris, führte zur Eröffnung in die Ausstellung ein.
In New York reichte die Spanne von der 1948 geborenen Susan Meiselas bis zu Nanna Heitmann, Jahrgang 1994, und die Projekte gingen ebenso weit auseinander. Cristina de Middel schaltete in Zeitungen in Rio de Janeiro eine Anzeige, mit der sie Kunden von Sexarbeiterinnen Geld für eine Stunde ihrer Zeit bot, und fotografierte und interviewte die Antwortenden anschließend in Hotelzimmern. Viel näher kann man einem Fremden kaum kommen. Newsha Tavakolians Film über das prämenstruelle Syndrom stützt sich auf vier Jahre Recherche und Gespräche mit mehr als 100 Frauen. Susan Meiselas wiederum arbeitete in Schutzeinrichtungen in Großbritannien mit Überlebenden häuslicher Gewalt.
Dass es überhaupt eine eigene Schau mit Fotografinnen gibt, passt zu den Zahlen: Laut dem Magazin Aperture zählte Magnum Ende 2022 98 Mitglieder, darunter 16 Frauen, und Eve Arnold war 1957 die erste Frau, die dort Vollmitglied wurde.
Führung durch die Ausstellung
Erklären lassen kann man sich die Arbeiten bei der öffentlichen, kostenlosen Führung der Ludwig Galerie am Sonntag, 25. Oktober, um 15 Uhr. Die Ausstellung läuft noch bis zum 8. November, bei freiem Eintritt.
„Close Enough“ – Perspectives by Women Photographers of Magnum / Positionen von Fotografinnen der Fotoagentur Magnum
Ort: Ludwig Galerie Saarlouis, Alte-Brauerei-Straße 7, 66740 Saarlouis
Öffentliche Führung: Sonntag, 25. Oktober, 15 Uhr, kostenlos
Kurzführung: Mittwoch, 21. Oktober, 12.30 Uhr (20 Minuten)
Laufzeit: bis 8. November 2026, Eintritt frei
Öffnungszeiten: Di–Fr 10–13 und 14–17 Uhr, Sa, So und feiertags 14–17 Uhr; montags und am 1. November geschlossen





