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VIVALDI in Merzig: GaS & stage erzählt von den Mädchen hinter den Gittern

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Wem gehört der Applaus, wenn die entscheidenden Ideen von den Mädchen kommen? Im Musical „VIVALDI“ gehen die Schülerinnen des Ospedale della Pietà dieser Frage nach, gespielt vom Ensemble des Gymnasiums am Stefansberg.

Ihre Gesichter sah das Publikum meist nicht. Wer im Venedig des 18. Jahrhunderts die Musikerinnen des Ospedale della Pietà hören wollte, blickte auf Emporen, hinter deren schmiedeeisernen Gittern Mädchen sangen und musizierten, und doch reisten Besucher aus ganz Europa an. Das Ospedale war ein Findel- und Waisenhaus, die besten Musikerinnen des Hauses hießen „figlie di coro“, und zu ihren Lehrern gehörte ab 1703 ein junger Geiger und Priester namens Antonio Vivaldi.

Das Merziger Musicalensemble GaS & stage, die Bühnentruppe des Gymnasiums am Stefansberg, erzählt in „VIVALDI – Die Mädchen hinter den Gittern“ nun von ihnen. Das neue Musical von Paul Graham Brown zeigt das Ensemble am 13. und 14. November in der Stadthalle Merzig. Im Stück sind die Konzerte in Venedig ausverkauft, das Publikum verlangt nach neuen Werken, und mittendrin steht Antonio Vivaldi. Doch hinter seinem Erfolg steckt eine Gruppe junger Musikerinnen. Mit ihrem Lehrer probieren sie aus, was musikalisch in ihnen steckt, sie komponieren, streiten und wachsen über sich hinaus, und ihre Musik begeistert die Stadt. Mit dem Erfolg kommen allerdings die Verwicklungen, denn die entscheidenden Ideen liefern die Mädchen, und plötzlich steht die Frage im Raum, wem dafür der Applaus gebührt.

Ein Orchester im Waisenhaus

Das Ospedale della Pietà war eines der vier großen Ospedali, die in Venedig verlassene und verwaiste Kinder aufnahmen. Jungen lernten ein Handwerk, Mädchen bekamen eine musikalische Ausbildung, und die Begabtesten unter ihnen konnten es zu Berühmtheit bringen. Dass daraus ein Frauenorchester mit weiblichen Solistinnen und Leiterinnen entstand, getragen vom Staat und von privaten Spendern, war für die damalige Zeit ein Ausnahmefall. Vivaldi, der als Violinlehrer begonnen hatte und später zum Musikdirektor aufstieg, schrieb gezielt für einzelne Schülerinnen. Für die Geigerin Anna Maria della Pietà, die bis 1737 zur Violinmeisterin und Chormeisterin des Hauses aufgestiegen war, entstanden mehrere Konzerte. Ob die Mädchen darüber hinaus an den Kompositionen selbst mitwirkten, wird vermutet, belegt ist es nicht. Das Musical nimmt diese Vermutung zum Ausgangspunkt, seine Mädchen komponieren.

Moderne Klänge für eine alte Geschichte

Das Ensemble beschreibt Browns Musik als rhythmisch und teilweise elektronisch geprägt, mit weit gespannten Gesangslinien, dazu kommen humorvolle Dialoge und große Ensemblenummern. Zwischen geschäftstüchtigen Adligen, neugierigen Konzertbesuchern und einfallsreichen Musikerinnen entspinnt sich ein Spiel um Ruhm, Liebe und die Frage, wer den Ton angibt. „Die Musik holt die Geschichte ganz nah an unsere Jugendlichen heran“, sagt Ensembleleiterin Christa Kaspar-Hort. „Da ist Energie, da ist Trotz, aber auch viel Gefühl. Das fordert unsere Darsteller gesanglich und im Spiel.“

Ein Komponist mit roter Perücke

Den temperamentvollen Komponisten Vivaldi spielt Mathis. Vivaldi galt wegen seiner Haare als „roter Priester“, und Mathis trägt Gehrock und eine rote Perücke mit zwei auffälligen, wie Katzenohren geformten Lockenpartien. Beim Europäischen Jugendmusical-Wettbewerb wurde er im vergangenen Jahr als bester Sänger über 14 Jahre ausgezeichnet, damals steckte er für „MOGLI“ noch im schweißtreibenden Balu-Fellkostüm. Nach dem gemütlichen Bären wartet nun ein ehrgeiziger Musiker, auch darstellerisch eine ganz neue Aufgabe.

Sein Bruder Elias spielt Carlo, der der jungen Musikerin Leona den Alltag am Canal Grande schmackhaft machen möchte und dabei nicht immer die richtigen Worte findet. Elias ist jünger als seine Figur, und gemeinsam mit Leona-Darstellerin Mirjam spielt er einen Carlo, der Interesse zeigen möchte und dabei seine Unsicherheit überspielt. Überraschende Antworten und komische Missverständnisse prägen die Begegnungen der beiden. Leona ist eine junge Musikerin, deren Wünsche weit über den nächsten Konzertauftritt hinausreichen, und mit Carlo träumt sie von einem Platz am Canal Grande, muss aber herausfinden, welchen Weg sie selbst gehen möchte. Gespielt wird sie von Mirjam, die in München eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin absolviert und jede Woche für die Proben ins Saarland reist. „Dieser Einsatz ist außergewöhnlich. Aber er steht auch für die Verbundenheit innerhalb der ganzen Gruppe“, sagt Kaspar-Hort. „Die Jugendlichen unterstützen sich, helfen einander über Unsicherheiten hinweg und verbringen einen großen Teil ihrer Freizeit damit, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.“

Prudenza ist die Aufseherin, hinter deren strenger Fassade nach und nach überraschende Seiten sichtbar werden sollen. Gespielt wird sie von Sophia, die in diesem Jahr mehrere Wettbewerbserfolge feiern konnte, unter anderem bei „Jugend musiziert“.

Venedig im Gedränge

Getragen wird die Produktion vom gesamten Ensemble, das in den Gesangs- und Bewegungsszenen aus vielen einzelnen Beiträgen das geschäftige Venedig entstehen lässt. Menschen drängen nach Konzertkarten, Gerüchte machen die Runde, und im Karneval begegnen sich Figuren, die einander sonst lieber aus dem Weg gehen würden, bis hinter den Masken einige sorgfältig gehütete Geheimnisse durcheinandergeraten. „Einige bringen bereits Auszeichnungen mit oder befinden sich in einer beruflichen Ausbildung. Andere entdecken bei uns gerade erst, was in ihnen steckt“, sagt Kaspar-Hort. „Für das Ensemble sind sie alle wichtig. Mich beeindruckt besonders, wie sie füreinander da sind. Diese Gemeinschaft kann man auf der Bühne spüren.“

Auf der Bühne sorgen farbenprächtige Kostüme, venezianische Masken, wechselnde Projektionen und Licht dafür, dass aus wenigen wandelbaren Bühnenelementen unterschiedliche Spielorte entstehen.

VIVALDI – Die Mädchen hinter den Gittern
Musical von Paul Graham Brown, aufgeführt von GaS & stage, dem Musicalensemble des Gymnasiums am Stefansberg
Wann: Freitag, 13. November 2026, 9.30 Uhr, und Samstag, 14. November 2026, 17 Uhr
Wo: Stadthalle Merzig, Zur Stadthalle 4, 66663 Merzig
Karten: über Ticket Regional, Eventim, die Villa Fuchs und das Schulsekretariat

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