Simon Ollinger hätte auch etwas anderes machen können. Lange war das offen. Dann entschied er sich kurz vor dem Abitur doch für das Weingut seiner Familie, das seine Eltern einmal als absolute Quereinsteiger übernommen und zu dem gemacht haben, was es heute ist. 2020 hat Ollinger junior die Verantwortung übernommen. Seither denkt er weiter, was sie begonnen haben – konsequenter, detaillierter, mit einem Blick, der weit über die nächste Ernte hinausgeht. Im Weinberg zwischen Reben, Schafen und Muschelkalkboden redet er mit uns über das Erben und das Loslassen, über Böden, die man nicht für sich allein besitzt, sondern für die nächste Generation verwaltet – und darüber, warum guter Wein manchmal vor allem eines braucht: dass man ihn in Ruhe lässt.

Jetzt.+ Inhalt
Von Stephan Bonaventura
Perl ist die einzige Weinbaugemeinde des Saarlandes und liegt dabei gar nicht an der Saar, sondern an der Mosel im Dreiländereck. Wie oft müssen Sie eigentlich erklären, woher Ihr Wein genau kommt?
Ich muss diese besondere Lage wirklich oft erklären. Aber ich mache das wahnsinnig gern, weil es für die meisten Menschen völlig neu und sehr spannend ist. Unser Weingut liegt am südlichsten Zipfel der deutschen Mosel, genau dort, wo Deutschland, Luxemburg und Frankreich aufeinandertreffen. Und im Gegensatz zu den Kollegen an der mittleren und unteren Mosel oder an der Saar wachsen unsere Reben hier auf Muschelkalk.


