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Prof. Oliver Strauch – Der Mann, der den Jazz ins Saarland holt und größer denkt

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Oliver Strauch weiß genau, wie sich das Unvorhersehbare anfühlt. Als Schlagzeuger und Professor für Jazz-Konstruktionen an der Hochschule für Musik Saar kennt er die Theorie, das Handwerk und die absolute Disziplin, die hinter jeder Improvisation stecken. Doch als Festivalmacher hat er gelernt, dass die beste Planung ohnehin an der Realität zerschellt, sobald sich die Türen öffnen und die Naturgewalten – ob sintflutartiger Regen oder logistische Albträume – das Kommando übernehmen. Mit „fill in“ hat er dem Saarland ein internationales Jazzfestival geschenkt, das angetreten ist, die vermeintlich elitären Mauern des Genres einzureißen. Er bringt Weltstars wie Billy Cobham oder John Scofield in die Region und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Jazz dorthin zurückkehrt, wo er eigentlich hingehört: auf die Straße, mitten unter die Leute. Wir treffen einen unermüdlichen Macher, der uns erklärt, warum Perfektion im Jazz sterbenslangweilig ist, wieso er im Aufsichtsrat des 1. FC Saarbrücken dieselbe gesellschaftliche Kraft spürt wie auf der Bühne – und warum das größte Kapital der Musik am Ende immer das Publikum bleibt.

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Von Stephan Bonaventura

Herr Professor Strauch, was muss eigentlich bei einem Konzert auf der Bühne passieren, damit Sie selbst richtig Gänsehaut bekommen?

Es muss einen mitten ins Herz treffen. Das passiert bei mir immer dann, wenn es echt ist, das spürt man sofort, und sind wir ehrlich: Es sind genau diese seltenen Momente, für die das Publikum brennt und für die ich als Festivalmacher lebe. Die Musikerinnen und Musiker müssen an das glauben, was sie spielen, nur dann packt es auch andere. Wenn ich alles um mich herum ausblenden kann, entsteht eine Einheit zwischen der Bühne, mir und dem Publikum – die Zeit wird sozusagen angehalten.

Welche Rolle spielt das Publikum dabei genau?

Ich würde sagen, das Publikum ist der Katalysator. Auf der Bühne spürt man nicht sofort, mit wem man es zu tun hat. Aber während des Konzerts beginnt eine Reise, die Künstlerinnen und Künstler und das Publikum im besten Falle gemeinsam tragen. Es geht um eine Chemie, die entsteht und die wir – Gott sei Dank – nicht erklären können.

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