- Anzeige -

StartGesellschaftDr. Michael Jelden - Was Fett im Körper wirklich...

Dr. Michael Jelden – Was Fett im Körper wirklich macht

Sie können Artikel des Jetzt. Magazins in der Google-Suche nun bevorzugt anzeigen lassen.

Jetzt aktivieren Mehr erfahren

KOLUMNE

Fett hat einen schlechten Ruf. Es kneift am Hosenbund, tarnt sich als „kleiner Bauch“ und macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn die Lieblingshose plötzlich verhandeln möchte. Dabei ist Fett nicht einfach nur Speck. Es dient als Energiespeicher, Wärmeschutz, Polster, Hormon- und Botenstofffabrik und kann manchmal auch ein ziemlich aktiver Störenfried sein.

Die Hauptrolle in diesem Stoffwechselstück spielt jedoch nicht das Fett selbst, sondern Insulin. Dieses Hormon wird nach dem Essen ausgeschüttet, besonders wenn Zucker und Kohlenhydrate ins Blut gelangen. Seine Aufgabe ist sinnvoll: Es schleust Zucker in die Zellen, wo er als Energie genutzt oder gespeichert wird. Ist jedoch ständig viel Zucker unterwegs – etwa durch Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, Softdrinks, Fruchtsäfte, häufiges Snacken oder große Portionen Nudeln, Brot und Reis – muss der Körper immer wieder Insulin ausschütten.

Als wichtigstes Speicherhormon bremst Insulin gleichzeitig die Fettverbrennung. Das ist kein Fehler, sondern ein Überlebensmechanismus aus Zeiten, in denen Nahrung knapp war. Entsteht über längere Zeit ein Energieüberschuss, wird dieser als Fett gespeichert. 

Besonders tückisch sind flüssige Kalorien: Limonade, Saft, süße Kaffeespezialitäten oder Alkohol liefern viel Energie, machen aber kaum satt. Fruktose, also Fruchtzucker, ist ein Sonderfall: Er spielt im normalen Stoffwechsel kaum eine Rolle, wird bei hoher Zufuhr jedoch direkt in Fett umgewandelt, vor allem in der Leber. Der Apfel ist selten das Problem, der Liter Apfelsaft schon eher. Auch stark verarbeitete Lebensmittel enthalten oft überraschend viel Zucker, sogar saure Gurken können bis zu 12 % enthalten.

Fettgewebe gibt es in verschiedenen Formen. Das Unterhautfett sitzt direkt unter der Haut. Man kann es greifen, es stört optisch, ist aber nicht immer das größte Gesundheitsrisiko. Kritischer ist das Viszeralfett, also Fett tief im Bauchraum. Es umgibt die inneren Organe und ist stoffwechselaktiv. Diese „innere Wampe“ kann Entzündungen, Insulinresistenz, Bluthochdruck und ungünstige Blutfette fördern. Der Bauchumfang sagt deshalb oft mehr aus als die Waage. Ein kleiner Teil Viszeralfett dient jedoch als Reserve für „Notzeiten“, etwa bei schweren Erkrankungen. Daneben gibt es braunes Fettgewebe – eine Art körpereigene Heizung, die Energie in Wärme umwandeln kann.

Auch beim Fett im Essen lohnt ein genauer Blick. Gesättigte Fette stecken vor allem in Butter, Sahne, Wurst, fettem Fleisch, Käse und vielen Backwaren. Sie sind nicht verboten, sollten aber nicht dominieren. Günstiger sind ungesättigte Fette aus Olivenöl, Rapsöl, Nüssen, Avocado und Fisch. Omega 3 Fettsäuren aus fettem Seefisch, Leinöl oder Walnüssen gelten als besonders wertvoll. Transfette aus stark verarbeiteten oder frittierten Produkten sollte man möglichst meiden.

Wie wird man überschüssiges Fett wieder los? Nicht mit Zaubertees, Bauchwickeln oder hundert Sit-ups. Entscheidend ist, über längere Zeit etwas weniger Energie aufzunehmen, als man verbraucht. Das gelingt oft mit einfachen Mitteln: weniger Zuckergetränke, weniger Snacken, mehr Eiweiß, Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, gute Fette und regelmäßige Bewegung. Krafttraining hilft zusätzlich, weil Muskeln Zucker besser verwerten. Auch moderne „Abnehm-Spritzen“ wirken gut, da sie Appetit und Magenentleerung reduzieren, wird die Ernährung jedoch nicht dauerhaft angepasst, droht nach dem Absetzen der bekannte „Jo-Jo-Effekt“, wie nach einer Diät.

Fett ist also kein Feind, sondern ein Mitbewohner: in Maßen nützlich, im Übermaß schwierig. Die gute Nachricht: Man muss nicht perfekt essen, aber man kann dem Insulin etwas weniger Bühne geben und dem Bauch damit freundlich den Rückzug nahelegen.

Über Dr. Michael Jelden:

Geboren 1971 in Stuttgart, studierte er Medizin in Homburg/Saar sowie Musik und Sprachwissenschaften in Stuttgart, Saarbrücken, Tübingen und München. Nach der Promotion zum Dr. med. folgten Stationen in der Inneren Medizin (Onkologie, Kardiologie, Rheumatologie) und der Allgemeinchirurgie am UKS. Dr. Jelden ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Präventionsmediziner, zertifizierter Hypertensiologe (DHL) und Ultraschallexperte (DEGUM I). Er lehrt an der Universität des Saarlandes und wurde 2019 mit dem Forschungspreis der Werner-Zeh-Stiftung ausgezeichnet.

Werbung

Exklusiv mit Jetzt+ lesen:

Dominique Stork: Immobilien mit Herz, Verstand und einer Prise Zukunft

Von der Personalbranche in die Immobilienwelt – Dominique Stork hat einen beeindruckenden Karriereweg hinter sich. Mit SaarPfalz Immobilien in Homburg setzt sie auf ehrliche...

Medienrat wählt Juristin Julia Katharina Eßwein zur neuen Direktorin der Landesmedienanstalt Saarland

Die Nachfolge von Ruth Meyer ist entschieden, und das Verfahren hatte es in sich. Zum ersten Mal bestimmte der Medienrat, wer die Landesmedienanstalt führt,...

Richtfest auf dem Lisdorfer Berg: ISL baut Logistikzentrum für mehr als 10.000 Paletten

Rund zehn Monate nach dem Spatenstich hat die ISL Automotive GmbH in Saarlouis Richtfest gefeiert. Der Neubau fällt in eine Zeit, in der sich...

Vom Kardiologen zur gefragten Stimme der Naturheilkunde: Andreas Michalsen spricht in Oberthal

Andreas Michalsen zählt zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen Naturheilkunde – jetzt kommt der Bestsellerautor und Chefarzt für einen kostenlosen Abend ins Saarland, eingeladen...

Tage der Bildenden Kunst: In der Stadtgalerie Saarbrücken ist Mitmischen ausdrücklich erwünscht (+Programm)

Die Ausstellungsräume sind gerade eingerüstet, trotzdem bleibt die Stadtgalerie Saarbrücken bei den Tagen der Bildenden Kunst mittendrin. Am 26. und 27. September öffnet sich...

Health Hack Saar 2026 – Aus Forschungsprojekten sollen Prototypen für die Gesundheitsversorgung werden

Beim Health Hack Saar sollen Menschen aus Medizin, Pflege, Design und Informatik zwei Tage lang an Aufgaben arbeiten, die aus laufenden Forschungsprojekten im Saarland...

Sechs Saiten, unendliche Freiheit – Jazzgitarrist Ro Gebhardt im Porträt

Wenn Sie sich fragen müssen, was Jazz ist, werden Sie es nie erfahren.“ – Louis Armstrongs Satz könnte auch zu Ro Gebhardt passen. Er...

Superbrücken in Saarbrücken: Warum die Congresshalle zum Herzstück eines größeren Stadtprojekts wird

Wer über Saarbrücken spricht, spricht oft über einzelne Orte: über St. Johann, Alt-Saarbrücken, den Hauptbahnhof, das Saarufer, die Congresshalle. Vieles davon liegt nah beieinander,...

- Anzeige -