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Im Titelduell zweier Opel-Teamkollegen fällt die Vorentscheidung durch einen aufgewirbelten Stein. Timo Schulz bringt Platz zwei in Fafe nach Hause und steht schon an diesem Wochenende wieder in der Heimat am Start.
„Wir müssen nicht gewinnen, können das eine oder andere Prozent Risiko herausnehmen“, hatte Timo Schulz vor dem Finale der Junior-Rallye-Europameisterschaft gesagt. Wer so etwas vor dem entscheidenden Lauf sagt, hat entweder starke Nerven oder gut gerechnet. Schulz hatte gerechnet. Sieben Punkte Vorsprung auf seinen Opel-Teamkollegen Tom Heindrichs nahm er mit nach Portugal, und weil in der Wertung nur fünf von sechs Ergebnissen zählen, hätte ihm bei der Rally Six Cities North of Portugal rund um Fafe schon Rang zwei genügt. Heindrichs sah es anders: „Für uns gibt es nur eines: Vollgas!“ Am Ende fuhr der 27-Jährige aus Siersburg gemeinsam mit Beifahrerin Maresa Lade genau diesen zweiten Platz heraus. Den Sieg holte sich der Norweger Karl-Peder Nordstrand, ebenfalls im Opel Corsa Rally4, und damit seinen ersten Erfolg in der Junior-Wertung der Europameisterschaft.
Im Ziel war der frisch gekürte Europameister überglücklich. „Mir fehlen etwas die Worte, um meine Gefühle zu beschreiben. Wir haben in den vergangenen Jahren so hart für diesen Erfolg gearbeitet“, sagte Schulz. Dankbar sei er für alles, was Opel und Opel Motorsport für ihn getan hätten, ohne sie wäre das alles nicht möglich gewesen. Sein Dank gelte auch Maresa Lade, dem ADAC Opel Rally Junior Team und Waldherr Motorsport.
Ein Stein auf der dritten Prüfung
Die Vorentscheidung im Titelduell fiel schon am Samstagmorgen. Auf der dritten Wertungsprüfung schlug ein aufgewirbelter Stein ein Leck in den Ölkühler von Heindrichs und seinem Beifahrer Jonas Schmitz. Ein Ölleck ist bei einer Rallye immer unangenehm, an diesem Samstag aber besonders bitter, weil tagsüber nur ein sogenannter „Remote Service“ vorgesehen war, bei dem ausschließlich Werkzeug und Ersatzteile benutzt werden dürfen, die im Rallyeauto selbst mitfahren. Für die beiden Belgier war der Arbeitstag damit vorzeitig beendet.
Am Sonntag war das Duo wieder dabei und fuhr fünf von acht Bestzeiten, kam in der Junioren-Wertung aber nur noch auf Platz sieben. Für den 22-Jährigen aus St. Vith, der in dieser Saison die Läufe in Polen und Tschechien gewonnen hatte, blieb die Vizemeisterschaft. Dem belgischen Sender BRF sagte Heindrichs, es sei leider nicht das Ende gewesen, das man sich erhofft habe, auf die Saison insgesamt dürfe man aber sehr stolz sein. „Es tut mir sehr leid für Tom und Jonas“, sagte Schulz laut Motorsport XL. Opel-Motorsportchef Jörg Schrott hatte schon vor dem Finale gesagt, beide hätten den Titel verdient.
Ausgerechnet auf derselben dritten Prüfung erwischte es auch Claire Schönborn und ihren Co-Piloten Michael Wenzel, bei ihnen ging eine Dichtung im Lenkgetriebe kaputt. Am Sonntag gab dann rund zwei Kilometer vor dem Ziel einer Prüfung eine Antriebswelle den Geist auf. Zurück ins Ziel der Rallye nach Fafe schafften es die beiden nicht mehr, was Ausfall und null Punkte bedeutete.
Wie Schulz an die Spitze fuhr
Dass er überhaupt mit einem Polster nach Portugal reiste, verdankte Schulz auch Wales. Bei der Rali Ceredigion, dem fünften Lauf der Saison, gewann er mit Lade mit 13,9 Sekunden Vorsprung vor Ioan Lloyd, es war sein zweiter Saisonsieg. Heindrichs, der dort lange um den Sieg mitgefahren war, kam auf der 14. von 16 Prüfungen von der Straße ab und schied aus. Weil am Ende nur fünf von sechs Ergebnissen zählen, schmolz der Vorsprung rechnerisch von 14 auf sieben Punkte, denn Heindrichs darf seine Null aus Wales streichen, bei Schulz fällt dafür der zehnte Platz in Polen weg.
Auch Schulz hatte in dieser Saison schon Pech. Bei der Rally di Roma Capitale im Juli wurde er noch Zweiter, obwohl ein Plattfuß auf einer 27,8 Kilometer langen Prüfung rund eine Minute kostete. „Wir waren das ganze Wochenende über die Schnellsten“, sagte er danach.
Der siebte Titel für einen Opel-Junior
Für das Opel-Nachwuchsprogramm ist es der siebte Junior-EM-Titel seit 2015, nach Emil Bergkvist (2015), Marijan Griebel (2016), Chris Ingram (2017), Mārtiņš Sesks (2018), Laurent Pellier (2022) und Calle Carlberg (2025). Sesks, der 2018 für das ADAC Opel Rally Junior Team den Titel geholt hatte, gewann in Portugal übrigens als Skoda-Pilot die Gesamtwertung des EM-Finales. Für Schulz war es, wie Heindrichs vor dem Finale sagte, das letzte Jahr in der Junior-EM. Als Preis für den Titel wartet 2027 eine Saison in der Junior-Weltmeisterschaft 2027. Schulz war zuvor Champion im ADAC Opel Electric Rally Cup, den 2025 Heindrichs gewann.
Heimspiel am Bostalsee
Zum Verschnaufen bleibt dem neuen Europameister kaum Zeit. Am Freitag und Samstag, 30. und 31. Oktober, geht es mit der ADAC Saarland-Pfalz Rallye in der Heimat weiter. Sie ist ein Lauf zur Deutschen Rallye-Meisterschaft und sollte ursprünglich am 14. und 15. August stattfinden, wurde aber wegen extremer Wetterbedingungen abgesagt und jetzt nachgeholt. Servicepark und Ziel liegen am Bostalsee, die Rallye führt durch das Sankt Wendeler Land, und den Auftakt macht am Freitag der Windpark bei Freisen mit Sprüngen von bis zu 30 Metern.
Für Schulz und Lade zählt die Rallye zugleich als sechster von sieben Läufen im ADAC Opel GSE Rally Cup, und sie kommen als Tabellenführer. Nach seinem vierten Saisonsieg in Sanremo hatte Schulz im elektrischen Mokka GSE Rally 136 Punkte auf dem Konto, drei mehr als Ioan Lloyd und fünf mehr als Tom Dufour. Mit am Start sind alle drei Crews des Junior Teams, also auch Schönborn/Wenzel und Heindrichs/Schmitz.
ADAC Saarland-Pfalz Rallye 2026
Termin: Fr 30. und Sa 31. Oktober 2026, Shakedown am Do 29. Oktober in Neunkirchen an der Nahe
Servicepark und Ziel: Bostalsee
Zeitplan: Start am Freitag ab 16.30 Uhr, am Samstag acht weitere Wertungsprüfungen, Sieger gegen 18.30 Uhr im Ziel erwartet
Zuschauer: Tickets für die Zuschauerpunkte Windpark, Numborn und Pfeffelbach online über adac-saarland.de oder vor Ort, alle übrigen Wertungsprüfungen sind kostenlos zugänglich; das Rallye-Magazin mit Zeit- und Streckenplänen gibt es ab Donnerstag im Servicepark für 5 Euro





