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Orks zum Reinspazieren, Ferengi aus Originalrequisiten und die Frage, warum Pixel und Plastik seit Jahrzehnten Generationen packen.
Ohne Bowser kein Mario, ohne Sauron keine Gefährten: Jede große Heldengeschichte lebt davon, dass ihr jemand den Ärger liefert. Das Special der 17. RetroCon Saar stellt in diesem Jahr genau diese Figuren ins Rampenlicht. „Villains & Misfits“ heißt es, und gemeint sind Schurken wie Antihelden, bei denen sich die Frage stellt, ob sie wirklich böse oder nur missverstanden sind. In der Hermann Neuberger Halle in Völklingen darf man dafür ziemlich wörtlich in ihre Welt eintreten: Das Lager der Orks vom Baraghai’oschdun e.V. wird als begehbarer Fotopoint aufgebaut, eine Ausstellung von Originalrequisiten zeigt Necromonger aus „Riddick“, Ferengi aus „Star Trek“ und weitere Schurken aus Film und Serie, und die Photo Corner bietet zusätzliche begehbare Fotomotive zum Thema. Dazu kommen Walking Acts, Cosplay, Fangruppen, Mitmachaktionen und Vorführungen aus Fandoms, die von Konoha bis Mordor reichen.

Eine Facebook-Gruppe und eine volle Festhalle in Güdingen
Angefangen hat die Geschichte hinter dieser Halle mit einer Lücke auf der Landkarte. Ende 2016 hatten Daniel Igel und der Sammler Mark Gomez unabhängig voneinander denselben Gedanken, nämlich dass es in anderen Bundesländern längst Retrobörsen gab, im Saarland aber nicht. Igel, der bis 2011 ein kleines Metalfestival veranstaltet hatte, gründete eine Retrogruppe auf Facebook, um zu testen, ob überhaupt jemand Interesse hat, und traf dort auf Gomez, der schon eine eigene Gruppe betrieb. Beide Gruppen wurden zusammengelegt, und im April 2017 öffnete die erste Retrobörse Saar in der Festhalle Güdingen. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 900 Gäste, und die Halle war so schnell voll, dass einige Leute draußen warten mussten.
Spätestens 2019 war die Börse in der Hermann Neuberger Halle in Völklingen zu Hause. Zur fünften Ausgabe kamen rund 1.100 Gäste, am Eingang stand ein Nachbau des sprechenden Autos K.I.T.T. aus „Knight Rider“ für Fotos bereit, und ein Tetris-Turnier lockte einen Spieler aus der Schweiz an. Bei rund 3.000 Besuchenden stieß die Halle später an ihre Kapazitätsgrenze, weshalb die Veranstaltung auf ein ganzes Wochenende erweitert wurde. Mit der zwölften Ausgabe im April 2024 bekam die Börse ihren heutigen Namen RetroCon Saar, und zuletzt zählten die Veranstalter über 3.500 Gäste pro Wochenende.

Warum Pixel und Plastik Generationen verbinden
In der Retro Lounge stehen Konsolen und Retrocomputer zum kostenlosen Spielen bereit, und niemand muss etwas erklären, weil Steuerkreuz und Feuerknopf reichen. Für viele hat diese Geschichte im Wohnzimmer begonnen. Der Commodore 64, 1982 auf den Markt gekommen, gilt laut Guinness World Records als meistverkaufter Desktop-Computer aller Zeiten, je nach Schätzung 12,5 bis 17 Millionen Mal verkauft. Den Retro-Boom der vergangenen Jahre erklärt der Newzoo-Analyst Emmanuel Rosier in einem Beitrag des Refurbished-Anbieters Back Market vor allem mit den über Vierzigjährigen, die Spielmomente ihrer Kindheit noch einmal erleben wollen, während Jüngere aus Neugier bei Klassikern von PlayStation 1 oder Nintendo 64 einsteigen. Ein Mitarbeiter des Anbieters verweist zudem darauf, dass Retro-Dienste auf aktuellen Konsolen weder Originalcontroller noch den Look der Röhrenbildschirm-Ära bieten.
An der Verkaufsbörse suchen Sammlerinnen und Sammler nach der letzten Lücke im Regal, und zwischen Videospielen, Konsolen und Heimcomputern liegen Sammelkarten, Comics, Anime-Merchandise und Figuren. Entwicklerinnen und Entwickler aus der Szene zeigen eigene Projekte, es warten Turniere und Community-Spiele, und wer sein Glück herausfordern will, probiert es bei der Tombola. Wie weit der Begriff Nerdkultur reicht, zeigen die wechselnden Specials: Im November 2025 stand „Dragons & Dungeons“ mit Rollenspiel und Mittelalter-Fantasy im Mittelpunkt, im April 2026 „Animal Legends“, und jetzt sind eben die Schurken dran.

Das Saarland spielt längst mit
Wer die Szene für reine Nostalgie hält, übersieht, wie viel Gegenwart im Saarland steckt. Seit 2011 kommt zu Ostern im E-Werk Saarbrücken die Demoszene zur Revision zusammen, die nach eigener Darstellung die weltweit größte reine Demoparty ist, und rund 1.000 Gäste aus mehr als 40 Ländern messen sich dort mit Echtzeit-Grafik, Musik und Programmierkunst, organisiert ehrenamtlich vom Verein Tastatur und Maus. Die Demoszene, die in den 1980er-Jahren entstand, wurde im März 2021 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Gespielt wird im Saarland längst nicht nur, was andere vor Jahrzehnten gebaut haben. Seit dem 1. März 2026 können saarländische Studios wieder Landesförderung für ihre Spiele beantragen, und bis August hatte das Land sechs Projekte mit zusammen rund 318.500 Euro für 2026 und 2027 bewilligt. Auf der gamescom in Köln präsentierten sich im August fünf saarländische Studios, darunter Roof Cut Media mit „Mindlock“ und Radical Fish Games mit „Alabaster Dawn“. Hinter der RetroCon steht die Eventagentur Next Heroes, deren dreiköpfiges Kernteam nach eigenen Angaben seit 2017 mehr als 40 Events mit zusammen über 60.000 Gästen veranstaltet hat. Dazu gehört neben der RetroCon auch die HiroCon im E-Werk Saarbrücken, und am 13. Dezember folgt in Völklingen der WeihNERDsmarkt.

17. RetroCon Saar – Villains & Misfits
Samstag und Sonntag, 7. und 8. November 2026, jeweils 11 bis 18 Uhr
Hermann Neuberger Halle, Stadionstraße 6, 66333 Völklingen
Eintritt: Tageskarte 8 Euro, Wochenendkarte 12 Euro, Kinder bis einschließlich 12 Jahre frei; Menschen mit Schwerbehindertenausweis und eine Begleitperson haben freien Eintritt
Infos und Updates: www.retrosaar.de





