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Wie hat sich die gegenständliche Malerei in 20 Jahren verändert? Eine Doppelausstellung im Saarland zeigt es

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Digitale Bildwelten, Körperbilder, Räume des Alltags: Zwei Häuser im Saarland hängen die Malerei einer Professorin neben die von Studenten ihrer Hochschule und zeigen, wie sich gegenständliches Erzählen in zwanzig Jahren verändert hat.

Gabriele Langendorf malt Räume: Hotelzimmer und Schlafzimmer, Hochhausfassaden, Landschaften, Schiffe, Brücken und Straßen. Mit ihrer Serie „Atmosphärische Störungen“ war sie 2010 schon einmal in der Städtischen Galerie Neunkirchen zu Gast. Wenn sie Ende November dorthin zurückkehrt, bringt sie Verstärkung mit: Arbeiten von 25 Studenten, die an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) studiert haben oder noch studieren, an der Langendorf lehrt. Die Schau ist als Doppelausstellung angelegt und hängt zeitgleich im Museum St. Wendel.

Zwei Häuser, 25 Positionen

„Fokus Malerei“ heißt das Projekt, das vom 29. November 2026 bis zum 21. Februar 2027 zwei Jahrzehnte Lehre an der HBKsaar in den Blick nimmt. Langendorf unterrichtet dort seit 2006 Malerei und Zeichnung, und was in ihrem Umfeld seither gewachsen ist, zeigt sich nun in ganz unterschiedlichen Handschriften: Räume und Dinge des Alltags, menschliche Figuren und Körperbilder, Fragen nach Identität, gesellschaftliche Konflikte, digitale Bildwelten. In St. Wendel stellen zwölf Studenten aus, in Neunkirchen vierzehn, und neben Langendorf selbst ist nur Sören Arp in beiden Häusern vertreten.

Eine „Schule“ wollen die Veranstalter dabei ausdrücklich nicht präsentieren. Die Arbeiten hängen gleichberechtigt nebeneinander, und weil in den beiden Häusern fast durchweg andere Künstler vertreten sind, entstehen jeweils andere Gegenüberstellungen, die Verbindungen ebenso sichtbar machen sollen wie die ganz eigenen Wege der Einzelnen. Wer beide Häuser besucht, erlebt deshalb zwei verschiedene Gespräche zwischen den Bildern.

Gegenständliche Malerei im Saarland

Das Museum St. Wendel stellt die Schau in einen regionalen Zusammenhang. Es will wissen, was gegenständlich-narrative Malerei im Saarland bedeutet, wo konkrete und abstrakte Kunst die Traditionen prägen.

Das Haus, in dem diese Frage gestellt wird, ist nach der St. Wendeler Malerin Mia Münster (1894–1970) benannt. Sie erhielt 1924 einen Lehrauftrag an der neu gegründeten Saarbrücker Kunstschule, lieferte in den 1920er-Jahren Modezeichnungen und Titelblätter für Zeitschriften und malte in den frühen 1940er-Jahren auf Reisen durch Lothringen die „Lothringer Bilder“. Ab den 1960er-Jahren kamen Monotypien dazu, und mit den Stadtlandschaften wurde ihre Kunst abstrakter; gegenständlich blieb sie nach dem Krieg trotzdem, obwohl die Abstraktion damals vorherrschte. Eine Dauerausstellung im Museum zeigt eine Auswahl ihrer Werke.

Gabriele Langendorf

Langendorf wurde 1961 in Rheinfelden (Baden) geboren und lebt und arbeitet heute in Saarbrücken. Der Weg zur Malerei führte bei ihr zunächst über Textilmuster: Sie ließ sich zur Textilmustergestalterin ausbilden, studierte anschließend in Basel freie Malerei und war später Gaststudentin an der Frankfurter Städelschule. Von 2013 bis 2021 stand sie der HBKsaar als Rektorin vor und sprach von 2018 bis 2021 zudem für die Rektorenkonferenz der deutschen Kunsthochschulen.

Eröffnung, Vorträge, Workshops

Eröffnet wird am Sonntag, 29. November, gleich zweimal: um 11 Uhr in St. Wendel, wo Museumsleiterin Friederike Steitz mit Langendorf ins Gespräch kommt, und um 15 Uhr in Neunkirchen, wo das Galerieleiterin Dr. Liane Wilhelmus übernimmt. Begrüßen werden dort unter anderem Gerhard Koepke vom Beirat der Stiftung Dr. Walter Bruch und HBKsaar-Rektor Burkhard Detzler in St. Wendel sowie Oberbürgermeister Jörg Aumann und Staatssekretärin Jessica Heide in Neunkirchen.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für aktuelle Kunst im Saarland. Dazu gibt es eine fünfteilige Vortragsreihe der HBKsaar, jeweils montags um 18.30 Uhr in der Aula der Hochschule in Saarbrücken, bei freiem Eintritt. Den Auftakt macht am 30. November der Heidelberger Kunsthistoriker Henry Keazor mit „Bilder für alle? Figurative Malerei und Popkultur“, eine Woche später widmet sich Nadine Schwuchow von der HBKsaar dem Stellenwert und Inhalt der figurativen Malerei im Kontext der Saarbrücker Kunstschulen von 1924 bis 2024. Am 14. Dezember folgt die Kunstkritikerin Larissa Kikol mit „Surreale Malerei in der Gegenwart“, am 11. Januar spricht Julia Voss von der Leuphana Universität Lüneburg darüber, warum die Kunstgeschichte der Frauen immer besser wird, und am 18. Januar geht der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich der Frage nach, ob der Algorithmus ein Kurator sei und wie sich die Malerei durch die sozialen Medien verändert.

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