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Wenn die Stadt recht behält, steht Deutschlands größter Radpark jetzt in Saarlouis, auf 1,5 Hektar mit Asphaltwellen, Sprungstrecken und alten Bäumen. Wer sich traut, darf ohne einen Cent Eintritt hinein, und wer sich noch nicht traut, schaut erst mal von der Bank aus zu.
Kaum war der Radpark in Saarlouis am Freitag, 30. Oktober, offiziell freigegeben, zog es viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene selbst auf die Bahnen. Zuvor hatten bekannte Pumptrack-Sportler vorgeführt, was auf den Wellen möglich ist, und Oberbürgermeister Marc Speicher, Bürgermeister Carsten Quirin und Beigeordneter Gerald Purucker hatten die Anlage gemeinsam mit Innenminister Reinhold Jost eröffnet. Hunderte Besucher waren dabei, darunter Vertreter von Stadtrat und Landtag.
Gebaut wurde der Park im Sportzentrum „In den Fliesen“ im Stadtteil Roden, nahe der Kletterhalle an der St. Nazairer Allee. Der Saarländische Rundfunk spricht von einem der größten Bikeparks Deutschlands, die Stadt selbst hält ihn für den wohl größten Radpark des Landes. Speicher stellte den Breitensport heraus, den Saarlouis neben dem Vereins- und Spitzensport besonders fördere. Der frei zugängliche Radpark schaffe, so die Stadt, ein Angebot über Altersgrenzen hinweg.
Wellen, Steilkurven und ein Platz für die ersten Versuche
Der Asphalt-Pumptrack misst 1.870 Quadratmeter und ist ein Rundkurs aus Wellen und Steilkurven. Das Prinzip klingt nach Zauberei, und der Trick dahinter heißt Pumpen: Wer Arme und Beine im Rhythmus der Wellen beugt und streckt, baut Geschwindigkeit auf und kann den Kurs ohne zusätzliches Treten bewältigen. Das verlangt Gleichgewicht, Koordination und ein sicheres Gefühl für das eigene Sportgerät. Befahren lässt er sich mit unterschiedlichen Rollsportgeräten, vom Laufrad über Roller, Inlineskates und Skateboard bis zum Fahrrad.
Wer neu ist, muss sich nicht gleich in die große Welle stürzen, denn ein klar abgegrenzter Anfängerbereich mit kleineren Wellen und niedrigeren Kurven steht für Kinder und Einsteiger bereit. Barrierefreiheit spielte schon in der Planung eine Rolle, die Zuwege sind barrierefrei, und die Strecke selbst ist nach Angaben der Stadt auch mit dem Rollstuhl befahrbar.

Drei Strecken und ein Rückweg im Dirtpark
Ganz anders geht es im Dirtpark zu. Seine wassergebundene Wegstrecke ist ausschließlich für geländegängige Fahrräder geeignet, und die drei Strecken decken unterschiedliche Schwierigkeitsgrade ab. Die Sprungstrecke „Braco“ ist rund 500 Meter lang und hat drei große Sprünge, auf der rund 200 Meter langen „Fiore“ kommen zu den Sprüngen Richtungswechsel dazu, und für Anfänger ist die 60 Meter lange „Fausto“ gedacht, die sich flüssig fahren lässt. Über den Rückweg „Tamo“ gelangen die Biker wieder zum Starthügel. Die vier Namen klingen übrigens eher nach der Besetzung einer Telenovela als nach Fahrstrecken.
Die Decke des Dirtparks braucht mehrere Wetterwechsel, bis sie belastbar ist, und einige Bereiche waren schon vor der Freigabe unerlaubt genutzt worden.
Showfahrten mit Praxistipps
Wie vielseitig der Sport ist, zeigten bei der Eröffnung unter anderem Christoph Schlegel, Paula Schatte, Anika Psyk und Luca Eckhardt. Eckhardt, 2025 deutscher Pumptrack-Vizemeister vom VC Darmstadt, hatte nach Angaben der Stadt sogar beim Bau der Anlage mitgewirkt. In seinen Showfahrten führte er vor, was die Strecke hergibt, gab Interessierten Praxistipps und unterstützte weniger erfahrene Fahrerinnen und Fahrer bei ihren ersten Runden, sodass man den Sport gleich kennenlernen und selbst ausprobieren konnte. Pflicht ist dabei der Helm, und zwar auf der gesamten Anlage.
Bänke, Bäume und Aussicht
Auf die 1,5 Hektar Gesamtfläche verteilen sich neben den Fahrstrecken Zuwege und Aufenthaltsbereiche mit zahlreichen Sitzgelegenheiten, und von höher gelegenen Plätzen aus können Eltern, Freunde und Zuschauer das Geschehen auf den Bahnen verfolgen. Man muss also gar nicht fahren, um herzukommen, und genau das ist Quirins Anliegen, der Radpark solle ein Ort sein, an dem die Bürger gerne ihre Freizeit verbringen, auch ohne Fahrrad. Die benachbarte Skateanlage und die Kletterhalle ergänzen das Angebot.
Besonderen Wert legte die Stadt auf den Baumbestand. Vor allem im Dirtpark führen die Strecken um vorhandene Bäume herum, und für die Anlage wurden nach Angaben der Stadt keine größeren Bäume gefällt. Die alten Bäume prägen den Parkcharakter und spenden im Sommer Schatten. Im Winter sollen noch 21 heimische Bäume und 80 Solitärsträucher dazukommen.

Licht per Smartphone, Toiletten beim SSV
Damit der Asphalt-Pumptrack auch nach Einbruch der Dunkelheit nutzbar bleibt, lässt sich die LED-Beleuchtung bei Bedarf bis 22 Uhr aus dem Stromsparmodus holen. Gesteuert wird sie mit dem eigenen Smartphone über „Bliggit“, die City- und Bürger-App von Saarlouis, und nach der vorgesehenen Leuchtdauer geht das Licht von selbst wieder aus, vorher lässt sich die Nutzung verlängern. Die Steuerung wurde nach Angaben der Stadt gemeinsam mit den Stadtwerken Saarlouis im inzwischen abgeschlossenen Förderprojekt „5G-SLS“ entwickelt und soll Energie sparen und Lichtverschmutzung verringern.
Toiletten stehen öffentlich beim benachbarten SSV Saarlouis zur Verfügung. Zum Parken bittet die Stadt um die ausgeschilderten Plätze am ehemaligen Wohnmobilstellplatz an der Einfahrt zur Sporthalle „In den Fliesen“, von dort führen kurze, barrierefreie Wege zum Radpark. So bleiben die Parkplätze von Kletterhalle und Fußballverein für deren Nutzer frei.
Von der ersten Idee bis zum fertigen Park
Erste Ideen für den Radpark gab es 2023. Die Planungsphase dauerte von Mai 2025 bis Mai 2026, und mittendrin, im Dezember 2025, beschloss der Stadtrat, eine weitere Änderung des Bebauungsplans für das Sportzentrum aufzustellen, denn dessen Fassung von 1980 sah im Bereich Parkplätze vor. Darauf folgte von August bis Oktober 2026 eine zügige Bauphase. Beteiligt waren das städtische Fachamt unter Leitung von Mario Natale und Projektleiterin Christina Lambert, Fachplaner Nico Reuter von Ecoparc Concepts sowie die Baufirmen Konrad Willar und Tom Haacke GmbH.
Durch ein benachbartes Bauprojekt der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GBS Saarlouis GmbH und die Bereitstellung der benötigten Erdmassen ergaben sich, wie die Stadt sagt, erhebliche Einsparungen, die größere Investitionen in die Anlage ermöglichten. Die Gesamtkosten für Planung und Bau einschließlich der Beleuchtung belaufen sich auf rund 830.000 Euro. Quirin dankte allen Beteiligten und dem Land, dessen Bedarfszuweisung von 75 Prozent wesentlich zur Umsetzung beigetragen habe, und das Projekt zeige, was entstehen könne, wenn Stadt und Land Hand in Hand arbeiteten. Jost würdigte die Investitionen der Europastadt in den Sport, darunter die Stadtgartenhalle mit ihrem LED-Glassportboden und den Radpark.
Purucker, als Baudezernent verantwortlich für das Projekt, freute sich besonders darüber, dass sich die Strecken in die vorhandenen Gelände- und Grünstrukturen einbinden ließen. Er dankte Planern, ausführenden Firmen und beteiligten Mitarbeitenden für die Umsetzung in nur drei Monaten und hob die reibungslose Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Stadtverwaltung sowie die Unterstützung der benachbarten Kletterhalle während der Bauphase hervor. Welche Bedeutung der Radpark für die Stadt hat, fasste er in einem Appell an die künftigen Nutzer zusammen: „Wir investieren hier nicht in eine Sportanlage, sondern in Lebensqualität, Jugend, Freizeit und die Attraktivität unserer Stadt. Damit setzen wir ein bundesweites Zeichen! Der Park gehört ab heute euch allen zur kostenfreien Nutzung, bitte geht sorgsam damit um.“
Radpark Saarlouis
Ort: Sportzentrum „In den Fliesen“, St. Nazairer Allee, Saarlouis-Roden, nahe der Kletterhalle
Nutzung: kostenfrei, Helmpflicht auf der gesamten Anlage
Pumptrack: Laufrad, Roller, Inlineskates, Skateboard und Fahrrad, Anfängerbereich, mit dem Rollstuhl befahrbar
Dirtpark: nur geländegängige Fahrräder, Strecken „Braco“, „Fiore“, „Fausto“, Rückweg „Tamo“
Licht: Beleuchtung am Pumptrack bis 22 Uhr per Smartphone über die App „Bliggit“
Parken: ausgeschilderte Plätze am ehemaligen Wohnmobilstellplatz an der Einfahrt zur Sporthalle „In den Fliesen“
Toiletten: öffentlich beim SSV Saarlouis





