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Bei den Saarlouiser Orgeltagen wurde ein Franzose für seine Komposition für Orgel und Trompete mit dem Kompositionspreis ausgezeichnet. Der Kirchenmusikpreis ging an einen anderen Franzosen, der Jahrzehnte an Notre-Dame in Paris gespielt hat.
Orgelmusik braucht Gewölbe, sollte man meinen. Trotzdem wurde der 11. Internationale Orgelkompositionswettbewerb im Rahmen der Saarlouiser Orgeltage auf einer Dachterrasse ausgezeichnet, genauer auf der des Theaters am Ring. Zugleich wurde zum siebten Mal der Kirchenmusikpreis der Europastadt Saarlouis verliehen.
Julia Hennings, Leiterin des Kulturamtes, beschrieb die Rolle der Stadt in dieser Szene. „Saarlouis hat sich als Insel der Kirchenmusik etabliert, die über die Landesgrenzen hinausstrahlt: Orgeln werden in Saarlouis seit Generationen mit Leidenschaft gebaut. Ihre Musik öffnet Räume wie kaum ein anderes Instrument und bringt uns Menschen zusammen. Genau das spiegeln die Saarlouiser Orgeltage und die Beteiligung von Komponisten aus aller Welt am Internationalen Orgelkompositionswettbewerb wider.“
Hadrien Fournier gewinnt den Orgelkompositionswettbewerb
57 Werke waren eingegangen, 37 davon aus Deutschland, die übrigen aus Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Schweden, Tschechien und den USA. Das sind sieben mehr als bei der Ausgabe 2023, damals kamen 50 Stücke zusammen, allerdings aus 19 Ländern, darunter China, Japan und Kanada. Zugelassen waren neue, bislang unveröffentlichte Kompositionen für Orgel in Verbindung mit einem Soloinstrument oder einer Gesangsstimme. Die internationale Jury, in diesem Jahr interimsweise unter dem Vorsitz von Thierry Escaich, Titularorganist an Notre-Dame de Paris, bewertete die Einsendungen anonym und in sechs Runden.

Am Ende lag der Franzose Hadrien Fournier vorn. Sein Stück „Feux d’artifice de Tanabata“ für Orgel und Trompete begeisterte die Jury, im Titel steckt das japanische Sternenfest Tanabata. Platz zwei belegte Andreas Seemer-Koeper aus Dortmund mit „Aura“ für Sopran, Viola und Orgel, zum zweiten Mal in Folge: Auch 2023 war er mit „Bashö-Gesang“ Zweiter geworden. Dritter wurde der Franzose Samuel Gaskin mit „Triptych“ für Mezzosopran und Orgel.
Zum ersten Preis gehören laut Ausschreibung 2.500 Euro, eine Produktionsaufnahme des Saarländischen Rundfunks und die Uraufführung bei den Orgeltagen. Im anschließenden Preisträgerkonzert in der Lisdorfer Kirche brachte Fournier sein Werk dann selbst zur Uraufführung. Ausgerichtet wird der Wettbewerb seit 1996 alle drei Jahre vom Lisdorfer Förderverein „Klingende Kirche e.V.“, gemeinsam mit dem Kulturamt der Stadt und dem Bistum Trier.
Oberbürgermeister Marc Speicher gratulierte den Preisträgern und ordnete den Wettbewerb in das Selbstverständnis der Europastadt ein. „Als Europastadt lebt Saarlouis vom Austausch über Grenzen hinweg. Der Internationale Orgelkompositionswettbewerb bringt diesen Gedanken auf besondere Weise zum Ausdruck und bereichert bereits seit drei Jahrzehnten das kulturelle Leben in Saarlouis. Mein herzlicher Dank gilt allen, die mit ihrem Einsatz dazu beitragen, diese Tradition fortzuführen.“ Manfred Boßmann, Vorsitzender des Fördervereins, hob die gute Zusammenarbeit hervor und dankte für die langjährige Unterstützung des Wettbewerbs.
Kirchenmusikpreis für Jean-Pierre Leguay
Wer sich in besonderer Weise um die Kirchenmusik in Saarlouis verdient gemacht hat, kann mit dem Kirchenmusikpreis der Europastadt ausgezeichnet werden, der alle drei Jahre an Personen oder Institutionen vergeben wird. In diesem Jahr entschied sich die Jury einstimmig für Prof. Jean-Pierre Leguay. Der französische Komponist und Organist studierte Komposition unter anderem bei Olivier Messiaen und wurde 1985 Titularorganist an der Kathedrale Notre-Dame in Paris, wo er heute als Titularorganist emeritus geführt wird. Weltweit ist der blinde Musiker für seine vielschichtige und ausdrucksstarke Improvisationskunst berühmt.
In Saarlouis war Leguay bereits mehrfach zu Gast, und der Saarlouiser Orgel widmete er ein eigenes Werk. Die Laudatio auf ihn hielt Joachim Fontaine.

Erinnerung an Thomas Daniel Schlee
Im Rahmen der Preisverleihungen wurde auch an Dr. Thomas Daniel Schlee erinnert, der im November 2025 gestorben ist. Der österreichische Organist, Komponist und Musikwissenschaftler gehörte lange der Jury des Orgelkompositionswettbewerbs an und führte sie seit 2014 als Vorsitzender. Dass sich Saarlouis zu einer anerkannten Adresse für anspruchsvolle Kirchenmusik entwickelt hat, ist auch sein Verdienst, denn er hat sich außergewöhnlich in und für die Stadt engagiert. 2023 erhielt er selbst den Kirchenmusikpreis der Stadt. In Lisdorf soll künftig eine Orgelpfeife seinen Namen tragen.





