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Von Stephan Bonaventura
Sein neues Buch trägt einen auffallend nüchternen Titel: „UFO – Ein Sachbuch“. Kein Ausrufezeichen, keine fliegende Untertasse auf dem Cover, stattdessen ein Plädoyer für die wissenschaftliche Erforschung eines Phänomens, das lange als Stammtisch- und Boulevardthema galt. Andreas Müller, Jahrgang 1976, hat Kommunikationsdesign an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert und ist seit mehr als 30 Jahren dem UFO-Phänomen auf der Spur – zunächst über Kornkreise in England, heute als Gründer des Nachrichtenportals GreWi.de und assoziiertes Mitglied des Interdisziplinären Forschungszentrums für Extraterrestrik (IFEX) an der Universität Würzburg. Wir sprechen mit ihm hier und jetzt über Glaubwürdigkeit, den Mythos Roswell, die erste deutsche UFO-Akte, die es zufällig nach Saarbrücken verschlägt, und die Frage, ob wir eigentlich vorbereitet wären, wenn es „die Anderen“ tatsächlich gäbe.
Herr Müller, fangen wir vorne an: Im Bücherregal Ihres Großvaters sind Sie als Kind zum ersten Mal auf UFOs gestoßen. Was hat Sie damals so gepackt?
Ich war zum einen von dem Rätselhaften und Mysteriösen fasziniert, das diese Phänomene umgibt. Zugleich war ich aber schon damals von der wissenschaftlichen Methode begeistert. Dass es auch heute noch Phänomene gibt, die sich die Wissenschaft nicht ganz erklären kann, hat mich schon damals fasziniert – und tut es bis heute. Gerade greifbare Phänomene, die man sehen, detektieren, vermessen und erleben kann, waren für mich kein Widerspruch zum naturwissenschaftlichen Forschungsansatz. Im Gegenteil: Es ist eine Einladung und Herausforderung dafür.
Ihre erste Forschungsreise führte Sie 1994 nach England, zu den Kornkreisen. Was wollten Sie dort herausfinden?
Vor allem die Hauptfrage: Gibt es wirklich ein echtes, also nicht von Menschen erzeugtes Phänomen? Das wollte ich überprüfen. Hätte ich vor Ort nur Hinweise auf Studenten und lustige Bauern als alleinige Erklärung gefunden, wäre ich kein zweites Mal hingefahren – stattdessen habe ich mehr als 20 Sommer in den Kornkreisfeldern verbracht. Ich habe dort Menschen getroffen, die diese Phänomene schon aus ihren Kindertagen kannten und von Geschichten ihrer Großeltern darüber wussten, und später historische Dokumente gefunden, die zeigen, dass es Kornkreise schon seit Jahrhunderten gibt. Gemeinsam mit anderen Facetten, etwa Veränderungen an Pflanzen und Böden, die sich so nur in den Kreisen selbst, nicht aber im normalen Feld oder in von Menschen erzeugter Landschaftskunst finden, wurde mir klar: Hier gibt es wirklich etwas zu erforschen. Ein Phänomen, das wir in seiner Gänze noch nicht ganz verstanden haben. Bei UFOs, auf die sich meine Arbeit seit einigen Jahren konzentriert, ist es sehr ähnlich: Die Faktenlage spricht eindeutig dafür, dass es auch dort Fälle gibt, die wir noch nicht erklären können. Genau diese Rätsel interessieren mich. Wo sich die Wissenschaft solchen Fragen aber verschließt, öffnen sich Tür und Tor für das Spekulative und für Verschwörungstheorien. Das möchte ich vermeiden.

Ihre Neugier wurde für Sie zum Beruf. Sie haben Kommunikationsdesign studiert und daraus später „GreWi“ gemacht, Ihr eigenes Nachrichtenportal. Wie kam es dazu, und wovon lebt so ein Spezialportal eigentlich?
Schon im Studium flossen zahlreiche grafische Elemente der Kornkreise in meine Arbeiten ein. Die Symbolik lädt dazu regelrecht ein, sie ist oft sehr visuell-ästhetisch. Zudem hatte ich schon vor dem Studium journalistisch gearbeitet, das ließ sich gut verbinden. Früh habe ich mich auf die sogenannte Anomalistik spezialisiert, Wissenschaftsjournalismus mit Fokus auf Phänomene an den Grenzen der Wissenschaft, und mit GreWi.de dazu ein eigenes Online-Nachrichtenportal gegründet. Das ist neben meiner Forschungsarbeit und dem Schreiben von Sachbüchern meine hauptberufliche Tätigkeit. Finanziert wird sie über Werbeeinnahmen und freiwillige Abo-Modelle der Website. Journalistisch läuft das nach den üblichen Standards: Nachrichten werden gesucht, recherchiert, Interviews geführt, Aussagen und Sachverhalte geprüft – und dann geschrieben.
Wer öffentlich über UFOs spricht, landet schnell in einer Schublade, irgendwo zwischen Alien-Experte und Schwurbler. Wie erleben Sie das?
Früher war dieses Stigma stärker als heute. UFOs waren eher ein Tabuthema oder etwas fürs Boulevard. Wer daran glaubte, lief schnell Gefahr, nicht alle Untertassen im Schrank zu haben. Seit einigen Jahren hat sich das aber grundlegend geändert. UFOs, beziehungsweise UAP, sind in der Wissenschaft angekommen und werden ernsthaft erforscht: Die NASA hat ein eigenes UFO-Forschungsdirektorat, am US-Kongress gibt es Anhörungen dazu, Präsidenten bestätigen die UFO-Sichtungen von US-Kampfpiloten, das Pentagon selbst veröffentlicht Dokumente und authentische Militärvideos. Objekte, von denen es noch vor Jahren offiziell hieß, es gebe sie gar nicht. Hinzu kommen Forschungsprogramme an Universitäten weltweit, etwa das „Galileo Project“ an der renommierten Harvard University, federführend aber auch hier in Deutschland am Interdisziplinären Forschungszentrum für Extraterrestrik, IFEX, an der Universität Würzburg.
Und die „UFO‑Gläubigen“: Wie unterscheiden Sie sich von denen?
Das ergibt sich schon durch die Herangehensweise und die wissenschaftliche Methodik. Ein Fußballfan mit Sitzplatzkarte grenzt sich ja auch nicht fortwährend von den Ultras im Stehblock ab. Beide teilen die Faszination für Fußball und Verein, gehen die Sache aber meistens ziemlich unterschiedlich an. Ich bin sicher, dass alle, die meine journalistische Arbeit und meine Bücher kennen, wissen, wo ich einzuordnen bin.
„Um Glauben geht es nicht“
Bleiben wir bei der Einordnung, diesmal bei den Begriffen selbst: Für viele Menschen bedeutet UFO automatisch Raumschiff, Aliens an Bord. Was steckt wirklich dahinter?





