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Ebola-Übung am Flughafen Saarbrücken: Rund 50 Einsatzkräfte und 30 Statisten spielen den Ernstfall durch

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Bei einer mehrstündigen Übung spielten Rettungsdienst, Gesundheitsamt, Klinikum und Polizei durch, was geschieht, wenn eine Ärztin auf der Rückreise aus dem Kongo im Linienflug akut erkrankt und die Piloten in Saarbrücken notlanden müssen. Gespielt wurde auch, was danach kommt: Wer von den Mitreisenden weiterreisen darf und wer in Quarantäne muss.

Im Drehbuch bleibt den Piloten keine Wahl. Eine Passagierin, Ärztin und auf der Rückreise von einem Einsatz im Ebola-Gebiet im Kongo, sitzt nach dem Umstieg in Paris im Linienflug nach Frankfurt, als sich ihr Gesundheitszustand rasant verschlechtert, und der Regionaljet landet in Saarbrücken. Was dann geschieht, haben Gesundheitsamt, Rettungsdienst, Flughafen und Klinikum am Dienstag mehrere Stunden lang durchgespielt, von der Landung über die Erstversorgung im Flugzeug und den Abtransport bis zur Behandlung im Klinikum Saarbrücken. Gegen 13 Uhr war die Übung für die letzten beteiligten Kräfte mit der Übergabe der Patientin beendet.

Zusammengebracht hatte die Beteiligten das Gesundheitsamt des Regionalverbandes Saarbrücken, dessen Leiterin Susanne Neu auch die Gesamtübungsleitung innehatte. Mit eingebunden waren der Flughafen Saarbrücken, der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (ZRF), das Klinikum auf dem Winterberg sowie Bundes- und Landespolizei, dazu rund 30 Statisten, die die Fluggäste spielten. Insgesamt übten rund 50 Einsatzkräfte. Für den Flughafen ist das nicht die erste Großübung: Schon im März 2024 hatte er mit mehr als 140 Beteiligten einen Flugzeugunfall mit Kerosinbrand durchgespielt, diesmal ging es um den Schutz vor Ansteckung.

Weiterreise oder Quarantäne für die Mitreisenden

Im Flugzeug teilen sich die Aufgaben. Während das ZRF-Rettungsteam die Erkrankte in Schutzausrüstung notversorgt und für den Rettungstransport vorbereitet, kümmert sich ein Team des Gesundheitsamtes um alle anderen an Bord. Auch diese Fachleute tragen persönliche Schutzausrüstung, und noch im Flugzeug sortieren sie die Passagiere nach Ansteckungsrisiko in Kontaktpersonengruppen. Von dort geht es in die benachbarte Flugzeughalle, die weitere Einsatzteams zuvor vorbereitet und in Einsatzbereiche eingeteilt haben. Dort empfängt das Personal des Gesundheitsamtes jeden Einzelnen, erklärt die vermutete Erkrankung samt möglicher Ansteckungswege, erfasst die Kontaktdaten und kontrolliert sie. Wer nur ein geringes Ansteckungsrisiko hatte, darf weiterreisen. Wer engeren Kontakt zur Erkrankten hatte und damit einer höheren Infektionsgefahr ausgesetzt war, kommt bis zur Entwarnung in eine Quarantäne-Einrichtung.

Foto: Stephan Hett

Als allgemeinen Maßstab nennt das Bundesgesundheitsministerium für Ebola eine Beobachtungszeit von 21 Tagen: Enge Kontaktpersonen wie Sitznachbarn im Flugzeug registriert das Gesundheitsamt, sie sollen in dieser Zeit auf Symptome achten.

Vom Klinikum Saarbrücken nach Frankfurt

Die Übungspatientin wird nach der Erstversorgung im Flugzeug und dem Rettungstransport vorübergehend vom Notfallteam des Klinikums Saarbrücken aufgenommen. Das für den Isolationsraum zuständige Personal der Zentralen Notaufnahme (ZNA) übt dort das Arbeiten unter Schutzmaßnahmen, während der Betrieb der ZNA uneingeschränkt weiterläuft. Behandelt werden soll sie letztlich woanders. Ein Alarm beim Kompetenzzentrum für Hochpathogene Infektionserreger (KHPI) in Frankfurt am Main setzt eine Spezialeinheit in Bewegung, die für den Transport von Patienten mit hochgefährlichen Erkrankungen ausgestattet und geschult ist. In der Übung machte sie sich nur auf dem Papier auf den Weg, um die Patientin in Saarbrücken zu übernehmen und in die Sonder-Isolierstation des Universitätsklinikums Frankfurt zu überführen.

Foto: Klinikum Saarbruecken

Frankfurt ist eine von sieben Sonderisolierstationen in Deutschland, die übrigen liegen in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Das Frankfurter Kompetenzzentrum koordiniert Einsätze bei Verdachtsfällen hochgefährlicher Erreger auch für Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Der reale Fall aus Paris

Hochpathogene Krankheitserreger führen häufig zu schweren Krankheitsverläufen mit hoher Sterblichkeit, besonders bei viral hämorrhagischem Fieber wie Ebola. Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Juni dieses Jahres tatsächlich in Paris: Dort landete ein Linienflug aus Kinshasa, an Bord ein aus dem Kongo zurückkehrender Arzt einer Hilfsorganisation, dessen Zustand sich während des Flugs leicht verschlechtert hatte. Er wurde nach der Ankunft sofort isoliert und in ein Spezialkrankenhaus gebracht. Fünf Mitreisende galten dem französischen Gesundheitsministerium zufolge als mögliche Kontaktpersonen und sollten sich 21 Tage zu Hause isolieren.

Hintergrund ist ein Ausbruch des Bundibugyo-Virus, einer Ebola-Art, der am 15. Mai in der DR Kongo offiziell erklärt wurde und den die WHO zwei Tage später zur gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite erklärte. Bis zum 20. Oktober zählte die WHO in der DR Kongo rund 9.700 bestätigte Fälle und rund 4.700 bestätigte Todesfälle. Auch Uganda, Kenia, Nigeria und Frankreich haben Fälle gemeldet, und im Mai nahm die Berliner Charité einen im Kongo infizierten US-Arzt auf. Das Risiko auf globaler Ebene stufte die WHO bei ihrer Neubewertung am 14. August als gering ein, für die DR Kongo als sehr hoch; die Einschätzung wird derzeit überarbeitet.

Bilanz und Auswertung

„In unserer Verantwortung für den Schutz der Menschen in unserer Region haben wir diese Übung durchgeführt, um bestmöglich für den Ernstfall gewappnet zu sein“, so Regionalverbandsdirektorin Dr. Carolin Lehberger. „Ich bin stolz auf die Leistung aller beteiligten Einsatzkräfte und den guten Verlauf dieser Übung.“ Auch Übungsleiterin Susanne Neu zieht eine positive Bilanz: „Die Zusammenarbeit und die Professionalität aller beteiligten Einheiten bewegten sich auf höchstem Niveau.“

Wie wirksam und vollständig die abgestimmten Vorgehensweisen sind, bewerteten externe Beobachter aus verschiedenen Institutionen in Deutschland, die zur Übung eingeladen waren, darunter das Robert Koch-Institut in Berlin, das Kompetenzzentrum für Hochpathogene Infektionserreger in Frankfurt am Main, die Bundeswehr und die Untere Katastrophenschutzbehörde des Regionalverbands Saarbrücken. Ihr Blick galt den Arbeitsabläufen, dem Zusammenwirken der Kräfte und der Gesamtorganisation der Lagebewältigung. Eine detaillierte Auswertung soll nun helfen, die Einsatzpläne aller Beteiligten weiterzuentwickeln und die Schnittstellen zwischen den Organisationen zu verbessern.

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