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Von Stephan Bonaventura
Mit „Liebhaberinnen“ bringt Koxi einen Stoff auf die Leinwand, der sie seit dem Studium begleitet: Elfriede Jelineks Roman über zwei Frauen, die sich in ökonomischer Abhängigkeit und in der Ökonomie der Liebe gleichermaßen verstricken.
Der Weg dorthin war lang. Es wurde ihr abgeraten, ausgerechnet mit einer Adaption ihr Debüt zu wagen, und im Finanzierungsprozess musste sie darum kämpfen, ihre Frauenfiguren scheitern statt „stark“ sein zu lassen. Im Februar feierte ihr Spielfilmdebüt seine umjubelte Weltpremiere im Forum der Berlinale. Ab dem 22. Oktober läuft der Film bundesweit im Kino, passenderweise zum 80. Geburtstag von Elfriede Jelinek. Gedreht wurde unter anderem im Saarland, in der Grenzregion zwischen Luxemburg und der Saarschleife, in der Koxi aufgewachsen ist und wo bis heute ein Großteil ihrer Familie und Freundinnen lebt. Wir sprechen in diesem Interview mit der begabten Künstlerin über einen jahrzehntelangen Kampf um einen unbequemen Stoff, über Musik als zweite künstlerische Sprache neben dem Film, über die wirtschaftliche Realität hinter einem Kinodebüt und unter anderem darüber, warum Durchhaltevermögen im Filmgeschäft oft wichtiger ist als jedes Talent.
Koxi, die Weltpremiere von „Liebhaberinnen“ fand in diesem Februar auf der Berlinale statt. Wie haben Sie diese Tage erlebt?
Als sich die Berlinale kurz vor Silvester meldete, war ich gerade auf Reisen, und der Film war noch gar nicht fertig. Wir steckten mitten in der Soundmischung und im Color Grading. Der Anruf war fast ein Schock, ein positiver natürlich. Mein Autor & Komponist Antonio De Luca und ich sind komplett ausgetickt vor Freude. Im Rückblick war dieser Druck aber auch gut: Man könnte an so einem Film ja theoretisch ewig weiterschneiden, noch mal an den Sound, noch mal an die Musik. Die Einladung hat diesen Prozess zwangsbeendet – und manchmal muss so ein finaler Termin einfach her, damit etwas fertig wird.
Ich war dann zehn Tage durchgehend dabei, bei jedem Q&A, bei der Premiere mit meinem ganzen Team auf der Bühne. Die Reaktionen waren überwältigend positiv, es gab schöne Artikel etwa in der taz und im österreichischen Standard. Bei der Weltpremiere selbst konnte ich vor Aufregung kaum sprechen, der ganze Abend zog wie ein Fiebertraum an mir vorbei – ohne die Fotos wüsste ich ehrlich gar nicht mehr, wer alles da war. Am schönsten war fast das letzte Screening, noch einmal im großen, ausverkauften Saal der Weltpremiere, 700 bis 800 Plätze im Delphi Filmpalast.

Generell ist das Berlinale-Publikum ein sehr dankbares Publikum, auch wenn man vorher nie weiß, wer im Saal sitzt – es ist ja ein internationales Publikum, und man fragt sich schon: Versteht jeder den Humor dieses Films? Es gab wirklich gute Fragen, es war sehr berührend.
Fast am witzigsten war dann noch ein Zufall: Wir haben fast auf den Tag genau ein Jahr vor der Premiere mit den Dreharbeiten begonnen. Das war ein richtiger Full-Circle-Moment.
Der Roman, auf dem der Film basiert, begleitet Sie ja schon viel länger als die reine Drehzeit, wie hat Elfriede Jelineks Roman Sie damals gepackt?


