Zehn Minuten Schweigen, ein Blatt Papier und danach die Wünsche der Teilnehmenden an die Politik: Was am 3. Oktober vor der Europagalerie geplant ist.
Eine Aktion, bei der zehn Minuten lang niemand ein Wort sagt, ist eher die Ausnahme. In Saarbrücken soll sie an diesem Samstag um zwölf Uhr genau so beginnen: Vor der Europagalerie an der Bahnhofstraße wollen sich Menschen an den Händen fassen und schweigen. Die Kette gehört zur bundesweiten Aktion „Es brennt!“, die nach Angaben der Veranstalter Menschenketten in mehr als 90 Städten umfasst. Als Anlass nennt das Bündnis Hitzerekorde, Flächenbrände und Wasserkrisen.
Studierende vor Ort
In Saarbrücken beteiligt sich eine Initiative von Studierenden der Universität des Saarlandes und der KHG Saarbrücken sowie weiteren Beteiligten an der Aktion. Laut Ankündigung sind außerdem der AStA der Uni Saar, der AStA der htw Saar, die Saar Students Union e. V. und die Afrikanischen Studierenden Saar dabei. Einstiegshürden gibt es keine: „Man muss dafür in keiner Organisation sein und keine Erfahrung mit Demonstrationen haben. Es reicht, am 3. Oktober um zwölf Uhr da zu sein und eine Hand zu halten“, so Dr. Maiken Winter, die Initiatorin der Aktion, in der Pressemitteilung.
Auf die zehn Minuten Schweigen folgen fünf Minuten, in denen die Teilnehmenden ein weißes Blatt Papier in die Höhe halten, laut Pressemitteilung optional und als Zeichen dafür gedacht, dass es einen gesellschaftlichen und politischen Neuanfang braucht. Bundesweit ist dafür ein leeres DIN-A4-Blatt vorgesehen, das waagerecht über dem Kopf gehalten wird. Wer schon einmal zehn Minuten lang bewusst geschwiegen hat, weiß, wie lang das werden kann. Danach geht es um die Anliegen der Teilnehmenden: In Saarbrücken schließt sich eine Viertelstunde an, in der Forderungen, Mitteilungen und Wünsche an die Politik gesammelt werden. Die Initiative will sie später in einem Brief an das Bundeskanzleramt schicken.
Von Karlsruhe nach Berlin
Das Datum haben die Organisatoren mit Absicht gewählt: Am Tag der Deutschen Einheit soll sichtbar werden, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen keine Frage einzelner Milieus ist, sondern alle verbindet. Die Hauptstrecke führt vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bis zum Bundeskanzleramt in Berlin und wird in Teilabschnitten von Menschen vor Ort gefüllt, zusätzlich sollen sich nach Angaben des Bündnisses überall im Land Ketten zwischen Häusern, Dörfern und Städten bilden. Auch der Startpunkt hat für die Organisatoren Symbolkraft. Das Gericht hat in seinem Klimabeschluss vom 24. März 2021 klargestellt, dass Artikel 20a des Grundgesetzes den Staat zum Klimaschutz verpflichtet, und dieser Artikel verlangt, die natürlichen Lebensgrundlagen auch in Verantwortung für künftige Generationen zu schützen. Die Richter beanstandeten das damalige Klimaschutzgesetz teilweise, weil es hohe Lasten der Emissionsminderung auf die Zeit nach 2030 verschob und damit aus ihrer Sicht die Freiheitsrechte vor allem jüngerer Menschen gefährdete. Bis Ende 2022 musste der Gesetzgeber die Minderungsziele für die Zeit nach 2030 näher regeln.
Klima, Frieden, Demokratie
Die Veranstalter verstehen die Aktion ausdrücklich als überparteilich und breiter als eine reine Klimademonstration. „Es geht natürlich auch um das Klima – aber es geht um sehr viel mehr“, so Winter in der Pressemitteilung. „Denn Klimaschutz, Naturschutz, Frieden, Demokratie, Gerechtigkeit – all das bedingt sich gegenseitig.“ Klimaschutz sei deshalb auch Friedensarbeit, argumentieren die Organisatoren: Dürre, Überflutungen und andere Naturkatastrophen nähmen Menschen ihre Lebensgrundlagen, zwängen sie zur Flucht und erzeugten so schwere Konflikte. Als Beleg führen sie an, dass Al Gore und der Weltklimarat IPCC 2007 gemeinsam den Friedensnobelpreis erhielten.
Das Bündnis nennt fünf Forderungen: das konsequente Einhalten des Grundgesetzes, den Erhalt der Lebensgrundlagen, eine Politik, bei der das Wohl aller zählt, den konsequenten Vorrang erneuerbarer Energien und konsequente Änderungen bei Mobilität, Ernährung, Wohnen und weiteren Bereichen. Zum Bündnis gehören nach Angaben der Veranstalter mehr als 25 Organisationen, darunter die Deutsche Umwelthilfe, die Anstifter, Extinction Rebellion, Fridays for Future, Omas for Future, Omas gegen Rechts München, Parents for Future, Teachers for Future, die Umweltarbeit der evangelischen Kirche, die Umweltgewerkschaft und WissenLeben e. V. Fast täglich kämen weitere hinzu, teilen die Organisatoren mit. Wer wissen will, ob es auch in der eigenen Nähe eine Kette gibt, findet den Überblick über alle beteiligten Städte auf esbrennt.com/mitmachen.
Menschenkette „Es brennt!“ in Saarbrücken
Samstag, 3. Oktober 2026 (Tag der Deutschen Einheit), 12 Uhr
Vor der Europagalerie, Bahnhofstraße, Saarbrücken
Ablauf: 10 Minuten Schweigen, 5 Minuten weißes Blatt Papier hochhalten (optional), 15 Minuten Sammeln der Forderungen und Wünsche an die Politik
Beteiligt vor Ort (laut Ankündigung der Initiative): Studierende der Universität des Saarlandes und der KHG Saarbrücken sowie weitere Beteiligte, AStA der Uni Saar, AStA der htw Saar, Saar Students Union e. V., Afrikanische Studierende Saar
Alle teilnehmenden Städte: esbrennt.com/mitmachen





