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Was macht eigentlich ein Rundfunk-Sinfonieorchester auf dem Gelände eines früheren Radiosenders? Es begleitet 2027 Puccinis „Tosca“, und die Opernfestspiele haben dafür die Halde in Ensdorf gegen eine Betonmuschel getauscht.
Manche Gebäude sehen aus, als hätte jemand schon vor Jahrzehnten eine Oper bestellt. Die Sendehalle von Europe 1 bei Berus ist so eines: eine Betonschale in Form einer Muschel, über 80 Meter breit, an den Seiten verglast und trotz dieser Spannweite nur wenige Zentimeter dick. Auf dem Gelände des Europa-Senders in der Gemeinde Überherrn, mit dieser Halle als Kulisse, zeigen die Opernfestspiele im Saarland im August 2027 Giacomo Puccinis „Tosca“. Schon jetzt ist klar, das wird beeindruckend!
Tosca: Ein Thriller in drei Akten
Wer das Stück nicht kennt, kann es sich als Krimi mit Orchester vorstellen. Im Rom des Jahres 1800 liebt die Sängerin Floria Tosca den Maler Mario Cavaradossi, und der Polizeichef Scarpia nutzt seine Macht, um sich zwischen die beiden zu drängen. Festspielleiter Joachim Arnold beschreibt die Oper als Thriller aus Leidenschaft, Eifersucht, politischem Machtmissbrauch und Gewalt und zählt sie zu den „Blockbustern“ der Operngeschichte. Uraufgeführt wurde sie am 14. Januar 1900 im Teatro Costanzi in Rom, das Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica geht auf ein Schauspiel des Franzosen Victorien Sardou zurück. Zu den bekanntesten Arien des Werks zählen „Vissi d’arte“ und „E lucevan le stelle“.
Für die Regie haben die Festspiele den Berliner Thilo Reinhardt verpflichtet, den Arnold einen bildgewaltigen Regisseur nennt. Reinhardt, Jahrgang 1966, hat zunächst in Siena Medizin studiert, bevor er in Hamburg bei Götz Friedrich Musiktheaterregie lernte. Inzwischen stehen mehr als 50 Produktionen auf seiner Liste, darunter „Hoffmanns Erzählungen“ an der Komischen Oper Berlin, und auch „Tosca“ ist für ihn kein Neuland: An der Oper Köln hat er das Stück bereits inszeniert.
Die Deutsche Radio Philharmonie spielt auf
Neu an Bord ist die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, kurz DRP, eines der großen ARD-Rundfunk-Sinfonieorchester, getragen vom Saarländischen Rundfunk (SR) und vom Südwestrundfunk (SWR). Sie übernimmt den Orchesterpart und wird musikalischer Partner der Festspiele, „Tosca“ ist die erste gemeinsame Produktion. Angestoßen hat die Zusammenarbeit nach Darstellung der Festspiele Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Für Arnold bedeutet sie ein gestärktes musikalisches Profil, eine noch festere Verankerung in der Region und eine Chance für die internationale Entwicklung der Festspiele.
SR-Intendant Martin Grasmück verweist darauf, dass das Orchester damit neben „SR Klassik am See“ auf einer weiteren Freiluftbühne zu hören sein wird. Orchestermanagerin Maria Grätzel spricht von einer sehr großen Freude und von großen künstlerischen und organisatorischen Herausforderungen, denen sich das Orchester gerne stelle.
Abschied von der Halde
Seit 2024 spielten die Festspiele am Saarpolygon auf der Bergehalde Ensdorf, einer rund 30 Meter hohen Stahlskulptur, die als zentrales Denkmal an das Ende des Bergbaus im Saarland erinnert. Auf die „Zauberflöte“ in den Jahren 2024 und 2025 (rund 25.000 Gäste insgesamt) folgte 2026 das Musical „West Side Story“ mit rund 17.000, jeweils nach Angaben der Festspielleitung. Nun steht die Halde wegen Sanierungsarbeiten voraussichtlich mindestens fünf Jahre nicht zur Verfügung, und die Festspiele ziehen vorübergehend nach Berus um. Arnold sieht darin die Gelegenheit, das szenische Profil weiterzuentwickeln. „Tosca“ soll auch im Sommer 2028 gespielt werden.
Eine Muschel aus Beton
Auch die Entstehung der Halle war kühn. Gebaut wurde sie Mitte der 1950er-Jahre für den Radiosender Europe 1, zu einer Zeit, als das Saarland noch einen Sonderstatus hatte und erst am 1. Januar 1957 zur Bundesrepublik kam; die Geschichte des Senders sei eng mit der des Saarlandes verbunden, sagt Arnold. Schon auf der Baustelle gab es eine Krise: Im September 1954 entstanden im Dach Risse, die sich nicht mehr reparieren ließen, und dass die dünne Schale heute hält, hat mit dem Spannbeton-Pionier Eugène Freyssinet zu tun, der als Bauleiter das Dach verstärkte. Heute steht die Anlage unter Denkmalschutz, und 2021 zeichneten die Bundesingenieurkammer und die Ingenieurkammer des Saarlandes die Halle als „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ aus. Seit 2016 gehört sie samt umliegendem Gelände der Gemeinde Überherrn, ein Sender arbeitet dort längst nicht mehr.
Freie Sicht ab der ersten Reihe
Neu ist auch die Sitzordnung: Alle Besucher sitzen auf einer Tribüne mit Stühlen, die schon ab der ersten Reihe ansteigt, Sichtbehinderungen soll es dadurch nicht geben. Für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer ist ein Bereich vor der Tribüne vorgesehen. Zwischen Donnerstag, 19. August, und Sonntag, 29. August 2027 stehen sechs Vorstellungen mit jeweils 1.750 Plätzen auf dem Programm, wie Arnold angekündigt hat. Der Vorverkauf ist eröffnet, Tickets gibt es wie gewohnt online, mit Frühbucherrabatt, den das Ticket-System an der Kasse automatisch abzieht.
Eines verspricht Joachim Arnold: „Auch an diesem irren Gebäude mit über 80 Metern Breite werden wir ganz großes Kino spielen!“
Opernfestspiele am Europa-Sender: „Tosca“
Werk: „Tosca“ von Giacomo Puccini
Termine: 19. bis 29. August 2027, sechs Vorstellungen, 1.750 Plätze pro Vorstellung
Ort: Europa-Sender Berus, Gemeinde Überherrn
Orchester: Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Regie: Thilo Reinhardt
Tickets: online über opernfestspiele-europasender.de, Frühbucherrabatt wird im Ticket-System automatisch abgezogen
ZEHN ÜBERSCHRIFTEN
- „Tosca“ und die Betonmuschel: Die Opernfestspiele ziehen 2027 an den Europa-Sender Berus
- Opernfestspiele im Saarland 2027: „Tosca“ am Europa-Sender Berus – Vorverkauf gestartet, Termine im Überblick
- Erste gemeinsame Produktion: Deutsche Radio Philharmonie spielt „Tosca“ bei den Opernfestspielen in Berus
- Von der Bergehalde Ensdorf nach Berus: Wohin die Opernfestspiele nach dem Saarpolygon umziehen
- Freie Sicht ab der ersten Reihe: So sitzt man bei „Tosca“ am Europa-Sender Berus
- Berliner Regisseur Thilo Reinhardt inszeniert „Tosca“ im Saarland – mit einem Baudenkmal aus den 1950ern als Kulisse
- 1.750 Plätze, sechs Vorstellungen, ein Puccini: „Tosca“ im August 2027 in Berus
- Europe-1-Sendehalle in Berus: Ein Baudenkmal mit Muscheldach als Kulisse für Puccinis „Tosca“
- Tosca im Saarland: Was Besucherinnen und Besucher über die Opernfestspiele 2027 wissen müssen
- Nach rund 42.000 Gästen am Saarpolygon: Die Opernfestspiele im Saarland starten in Berus neu
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„Tosca“ bei den Opernfestspielen im Saarland 2027 am Europa-Sender Berus: Puccini mit der über 80 Meter breiten Betonmuschel als Kulisse, mit der Deutschen Radio Philharmonie, 19.–29. August.
Eine Betonmuschel, über 80 Meter breit, und dazu Puccinis „Tosca“ 🎭
Im August 2027 ziehen die Opernfestspiele im Saarland an den Europa-Sender Berus. Die Deutsche Radio Philharmonie übernimmt den Orchesterpart, der Berliner Thilo Reinhardt führt Regie, und alle Gäste sitzen auf einer Tribüne, die schon ab der ersten Reihe ansteigt.
Sechs Vorstellungen mit je 1.750 Plätzen, der Vorverkauf läuft.
Mehr dazu in unserem Artikel auf jetztmagazin.de.
#Opernfestspiele #Tosca #Puccini #Saarland #Berus #EuropaSender #Oper
Die Opernfestspiele im Saarland haben einen neuen Spielort: Nach drei Jahren am Saarpolygon in Ensdorf, dessen Halde saniert wird, zeigen sie im August 2027 Puccinis „Tosca“ am Europa-Sender in Berus. Die Sendehalle von Europe 1, ein Baudenkmal aus den 1950er-Jahren in Form einer Betonmuschel, ist über 80 Meter breit.
Auch musikalisch ist es ein Neustart: Die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern wird Partner der Festspiele, die Regie führt der Berliner Thilo Reinhardt. Alle Besucherinnen und Besucher sitzen auf einer Tribüne mit Stühlen, die ab der ersten Reihe ansteigt, für Rollstuhlfahrer gibt es einen Bereich vor der Tribüne. Termine sind vom 19. bis 29. August 2027, der Vorverkauf läuft online, mit Frühbucherrabatt.
Alle Hintergründe im Artikel: [LINK ZUM ARTIKEL]
QUELLEN
- Termin, Ort, DRP, Tribüne ohne Sichtbehinderung, Rollstuhlbereich, Online-Vorverkauf, Frühbucherrabatt (Höhe und Frist nicht genannt) → Opernfestspiele am Europa-Sender: https://opernfestspiele-europasender.de/ und https://opernfestspiele-europasender.de/tickets.html
- Grasmück („SR Klassik am See“), Grätzel (Freude, Herausforderungen) → https://opernfestspiele-europasender.de/grussworte.html
- Sechs Vorstellungen à 1.750 Plätze, Do 19.8. bis So 29.8., Regie Reinhardt, Haldensanierung (mindestens fünf Jahre), „Tosca“ 2028, Bilanz Zauberflöte/West Side Story (Angaben der Festspielleitung), ARD-Orchester getragen von SR und SWR → dpa, 28.10.2026: lokalo.de, Wochenblatt Reporter, Rhein-Zeitung
- Saarpolygon (ca. 30 m, Denkmal zum Ende des Bergbaus), Arnold zur Senderhistorie → dpa, 21.08.2026: https://www.wochenblatt-reporter.de/c-ausgehen-geniessen/statt-saarpolygon-hier-finden-die-opernfestspiele-2027-statt_a859345
- Rehlinger-Initiative, „Blockbuster“, „Thriller“, „bildgewaltig“, Profil/Region/International → Veranstalterinformation der Festspiele. Die Zuordnung zu Arnold ist durch identische Formulierungen in der dpa-Meldung (Nr. 3) gedeckt.
- Muschelform, über 80 m, verglaste Seiten, Auszeichnung am 24.09.2021 → https://www.baulinks.de/webplugin/2021/1416.php4
- Bau 1954/55, Sonderstatus bis 1.1.1957, Dachrisse September 1954, Freyssinet als Bauleiter ab Oktober 1955, Denkmalstatus → https://www.kuladig.de/Objektansicht/Drucken/KLD-296880
- Erwerb von Halle und Gelände durch die Gemeinde Überherrn 2016 → https://ueberherrn.de/wp-content/uploads/2025/12/Gruppenfuehrungen_Sendehalle-Europe-1.pdf
- Reinhardt (Jahrgang 1966, Medizin in Siena, Studium bei Götz Friedrich, über 50 Produktionen, Komische Oper Berlin, Oper Köln) → https://de.wikipedia.org/wiki/Thilo_Reinhardt. Medizin- und Studienangabe zusätzlich bestätigt durch das Künstlerprofil der Agentur Esther Schollum (https://www.estherschollum.at/artists/thilo-reinhardt/, in der Zweitprüfung abgerufen).
- Tosca (Uraufführung, Librettisten, Sardou, Handlung, Arien) → https://de.wikipedia.org/wiki/Tosca
Quellenwidersprüche und Vermerke:
- Baujahr: Die dpa schreibt „1945/1955“, KuLaDig belegt Grundsteinlegung 15.06.1954 und Sendestart 01.01.1955. Der Text sagt „Mitte der 1950er-Jahre“.
- Nutzungsende: Die Halle war laut KuLaDig und Überherrn bis ca. 2015 aktiv, der Sendebetrieb von Europe 1 endete am 31.12.2019 (dpa u. a.). Der Text nennt kein Jahr.
- Denkmalstatus: „seit 1999“ (KuLaDig) gegen Denkmalliste „1996“ (Uni Saarland). Der Text nennt kein Jahr.
- Schalendicke: 4 cm (KuLaDig) gegen 5–6 cm (baulinks). Der Text sagt „wenige Zentimeter“.
- Umfang 2027: Im August 2026 meldete die dpa noch acht Aufführungen mit 12.000 Plätzen. Maßgeblich ist die Meldung vom 28.10.2026 mit sechs Vorstellungen à 1.750 Plätzen.
- Vorstellungs- und Platzzahl stehen nur in der dpa-Meldung, nicht auf der Festspielseite.
- Reinhardts Geburtsdatum weicht zwischen Operabase und Wikipedia ab (Jahr identisch). Der Text nennt nur das Jahr.





