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Das Saarland wird älter, und die Menschen, die es pflegen und behandeln sollen, werden absehbar weniger. Wie das zusammengehen kann, wird demnächst in Homburg diskutiert, mit einem neugierigen Blick nach Cottbus und Graz.
Der Umbruch im Gesundheitswesen kommt selten mit Pauken und Trompeten. Meist zeigt er sich leise, an einer Praxis, für die sich kein Nachfolger findet, oder an einem Facharzttermin, auf den man länger warten muss, als einem lieb ist. Die Freunde des UKS stellen in ihrer Einladung zum ersten Homburger Zukunftsforum eine Frage, die weit über den einzelnen Termin hinausreicht: „Wie sieht eine Gesundheitsversorgung aus, die auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren funktioniert?“ Diskutiert wird sie am 16. Oktober im Schlossberg-Hotel, in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung saaris. Warum sie im Saarland besonders drängt, zeigen schon die Prognosen.
Weniger Erwerbstätige, mehr Ältere
Die Bertelsmann Stiftung hat für das Saarland zwischen 2020 und 2040 ein Minus von rund 60.000 Einwohnern vorausberechnet, einen Rückgang um 5,3 Prozent und damit den relativ stärksten unter den westdeutschen Bundesländern. Der Anteil der über 65-Jährigen soll im selben Zeitraum von etwa jedem Vierten auf etwas über 30 Prozent steigen, während die Zahl der 25- bis 64-Jährigen um ein Sechstel schrumpft. Mehr Ältere brauchen mehr Medizin und Pflege, und ausgerechnet die Jahrgänge, die diese Arbeit leisten könnten, werden weniger.
Für die Pflege rechnet das Statistische Bundesamt in seiner Pflegekräftevorausberechnung bundesweit bis 2049 mit einer Lücke von 280.000 bis 690.000 Pflegekräften. Die niedrigere Zahl gilt für den Fall, dass sich die positiven Trends am Pflegearbeitsmarkt der 2010er-Jahre fortsetzen, die höhere, wenn allein die Demografie wirkt. Bei den Ärztinnen und Ärzten drückt vor allem das Alter. Laut Bundesärztekammer sind 23,4 Prozent der berufstätigen Ärzte 60 Jahre oder älter, und im Saarland ist laut Kassenärztlicher Vereinigung inzwischen gut jedes fünfte KV-Mitglied (20,9 Prozent) mindestens 65. Die KV rechnet damit, dass bis 2036 zu wenige Absolventinnen und Absolventen nachrücken, um die Ausscheidenden zu ersetzen. Sie sagt offen, dass sich Patientinnen und Patienten auf längere Wege und Wartezeiten einstellen müssen.
Bei den Hausärzten wirkt die Lage auf den ersten Blick stabil. Ende 2023 meldete die KV 660, ihr im Februar 2026 vorgestellter Versorgungsbericht weist 658 aus. Schwierig wird es beim Übergang, denn schon 2023 hieß es von der KV, dass pro Jahr rund 30 Praxen nicht nachbesetzt werden können.
Weniger Betten, mehr Netz
Auch die Kliniklandschaft steht vor dem Umbau. Ein Gutachten im Auftrag des Gesundheitsministeriums erwartet bis 2035 weniger somatische Behandlungsfälle, 209.500 bis 225.000 statt 236.000 im Jahr 2023, weil Behandlungen in den ambulanten Bereich wandern und der Bedarf sinkt. Gebraucht würden demnach rund 1.010 bis 1.660 Betten weniger, als der Krankenhausplan 2023 ausweist. Zum Zeitpunkt des Gutachtens gab es im Saarland rund 6.820 Betten in der somatischen und psychiatrischen Versorgung, verteilt auf 23 Einrichtungen. Auf dieser Grundlage soll ein neuer Krankenhausplan entstehen, in dem den Kliniken Leistungsgruppen zugewiesen werden.

Je stärker sich die Häuser spezialisieren, desto wichtiger wird es, dass Wissen und Patienten zueinanderfinden, ohne dass jeder Fall quer durchs Land gefahren werden muss. Bereits 2022 startete das UKS mit Förderung des Gesundheitsministeriums das Projekt „Virtuelles Krankenhaus“. Darüber sollten sich Ärztinnen und Ärzte der Uniklinik und der Häuser in Lebach und St. Ingbert per Tablet austauschen und auf Laborwerte, Röntgenbilder und Arztbriefe zugreifen können, zunächst in der Intensivmedizin. Näher an die Patientinnen und Patienten rückt das Gesundheitsportal Südwest, dessen Start die Saarländische Krankenhausgesellschaft für den 16. März 2026 angekündigt hat. Bei elf Kliniken aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz sollen sich dort Termine online buchen und Dokumente austauschen lassen, vom UKS gehörten zum Start die Allgemeinchirurgie und die Dermatologie dazu.
Wer bleibt, wer kommt
Wie sehr sich die Arbeitswelt verändert, zeigt die Statistik der Bundesärztekammer. Die Zahl der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ist zuletzt um 1,3 Prozent gesunken, in fünf Jahren um acht Prozent. Die angestellten im ambulanten Bereich, also in Praxen und Medizinischen Versorgungszentren, haben dagegen um 6,7 Prozent zugelegt und stellen inzwischen 39 Prozent der ambulant Tätigen. Immer mehr entscheiden sich also für die Anstellung statt für die eigene Praxis, und das in einem Beruf, in dem Vollzeitkräfte 2024 laut Statistischem Bundesamt im Schnitt auf 46 Wochenstunden kamen. International ist das Personal dabei längst: Knapp jeder sechste berufstätige Arzt in Deutschland hat keine deutsche Staatsangehörigkeit, häufigstes Herkunftsland ist Syrien.
An die 6.300 Menschen arbeiten laut UKS-Newsletter vom Februar 2026 an der Uniklinik, und allein in diesem Jahr erwartet das Haus bis zu 600 neue Kolleginnen und Kollegen. Wer anfängt, wird an einem monatlichen Willkommenstag mit Fragerunde an den Vorstand und Führung über den Campus empfangen. Um den Nachwuchs von übermorgen kümmert sich das Schulzentrum des UKS gemeinsam mit der Robert-Bosch-Schule Homburg. Bei der „Mini Nurse AcadeME“ erhielten im Januar 15 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7 und 8 ihre Teilnahmebestätigungen, für die das Programm erstmals geöffnet worden war. Im Schulhalbjahr 2026/27 sind wieder die Fünft- und Sechstklässler an der Reihe.
Andere Regionen setzen gezielt auf Universitätsmedizin als Standortmotor. In Cottbus startet zum Wintersemester 2026/27 die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem mit 36 Studierenden, im Endausbau sind 200 Erstsemester-Plätze pro Jahr vorgesehen. Rund 3,7 Milliarden Euro sind dafür nach Angaben des Landes Brandenburg bis 2038 eingeplant. Mehr als die Hälfte trägt der Bund über das Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen, denn die neue Uni ist auch Teil der Strukturwandelförderung für eine Region, die sich auf das Ende der Braunkohle vorbereitet. In Graz bilden das LKH-Universitätsklinikum und die Medizinische Universität mit ihrem Med Campus die „Medical Science City“. Die Med Uni sieht sich selbst als Ausgangspunkt und Motor eines „Medical Science Clusters“ in der Steiermark.
Das UKS und das Zentralklinikum
Auch in Homburg wird geplant, und zwar in großem Maßstab. Das UKS ist historisch bedingt auf „weit über 100 Gebäude“ verteilt, wie Staatssekretär David Lindemann Anfang 2025 sagte. Diese Zersplitterung soll ein Zentralklinikum auf dem Campus langfristig auflösen, auf dem Gelände rund um den früheren Hubschrauberlandeplatz. Laut UKS-Newsletter wurde 2025 das Baurecht geschaffen, und bis zum Herbst 2026 sollten eine Masterplanung für das Zentralklinikum und eine Raumbedarfsplanung für den ersten Bauabschnitt vorliegen. Welche Rolle die Universitätsmedizin für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung einer ganzen Region spielen kann, ist die letzte der vier Fragen in der Einladung zum Zukunftsforum. Mit Cottbus und Graz holen sich die Veranstalter dazu zwei Beispiele aus der Praxis nach Homburg.
Der Abend im Schlossberg-Hotel
Um 17 Uhr begrüßt Prof. Dr. Stefan Landgraeber, Vorsitzender der Freunde des UKS, danach eröffnet Staatssekretär David Lindemann, Chef der Staatskanzlei und Aufsichtsratsvorsitzender des UKS. Den Blick nach Brandenburg richtet Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Vorstand Krankenversorgung der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem, dessen Vortrag die Modellregion Cottbus als „Leuchtturm“ ankündigt. Univ.-Prof. Dr. Alexander Rosenkranz, Vizerektor der Medizinischen Universität Graz, spricht unter dem Motto „Von Graz lernen!“. Im Block „Wirtschaft und Medizin im Dialog“ folgen zwei Rednerinnen. Christina Woll ist Geschäftsführerin der Woll Maschinenbau GmbH, deren Gruppe hochautomatisierte Produktionslösungen für Life Science und Medizintechnik entwickelt. Prof. Dr. Dr. Stephanie Tritt ist die neue Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Direktorin des UKS. Ab 19.15 Uhr sind alle Teilnehmenden gefragt, im Zukunftsdialog mit den Expertinnen und Experten ihre Sichtweisen und Anregungen einzubringen, bevor der Abend beim Get-together ausklingt. Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Josef Hilbert vom Netzwerk Deutsche Gesundheitsregionen.
1. Homburger Zukunftsforum „Aufbruch in die Gesundheitswelt von morgen!“
- Wann: Freitag, 16. Oktober 2026, 17 bis 21 Uhr, Ankommen und Registrierung ab 16.30 Uhr
- Wo: Schlossberg-Hotel, Schlossberg-Höhenstraße 1, 66424 Homburg/Saar
- Eintritt: kostenfrei, die Plätze sind begrenzt
- Anmeldung: bis spätestens Dienstag, 6. Oktober, online unter www.uks.eu/zukunftsforen, per E-Mail an zukunftsforum@uks.eu oder telefonisch unter 06841 696122
- Veranstalter: Freunde des UKS e.V., in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung saaris GmbH (House of Transfer) und mit freundlicher Unterstützung der DKB





