Vier ältere Frauen im Saarland haben in den vergangenen Tagen Bargeld an der eigenen Haustür übergeben, weil ihnen am Telefon vorgegaukelt wurde, ihr Kind oder Enkelkind habe einen schweren Unfall mit Toten oder Schwerverletzten verursacht und drohe deshalb sofort verhaftet zu werden. Die Polizei spricht von einer neuen Welle. Tatsächlich ist es schon die dritte in diesem Jahr.
Wer in diesem Moment an die drohende Verhaftung des eigenen Enkels glaubt, denkt nicht an Präventionstipps. Genau darauf setzt die Masche. Nach Angaben der polizeilichen Kriminalprävention kommt es bei solchen Anrufen mitunter vor, dass die Täter ihre Opfer bewusst am Telefon festhalten, um ihnen keine Gelegenheit zu geben, bei der echten Familie nachzufragen. Seit dem vergangenen Donnerstag ist im Saarland wieder eine ganze Reihe solcher Anrufe eingegangen. In den Landkreisen Saarlouis, Merzig-Wadern und St. Wendel ebenso wie im Regionalverband Saarbrücken. Dort glaubten vier Angerufene der Geschichte und übergaben Bargeld an der eigenen Haustür, in Summe mehr als 100.000 Euro, wie die Landespolizeidirektion mitteilt. Nur einmal kam die Polizei noch rechtzeitig dazwischen, kurz bevor auf dem Parkplatz eines Krankenhauses Geld den Besitzer hätte wechseln sollen. Mehr als zwanzig weitere Anrufe blieben ohne Erfolg. In jedem der vier erfolgreichen Fälle war es eine Frau zwischen 61 und 90 Jahren, die zahlte, also jemand aus der Altersgruppe, die diese Betrugsmasche erfahrungsgemäß besonders häufig trifft.

Schon die dritte Welle in diesem Jahr
Diese Häufung ist kein Einzelfall. Bereits im Juli hatte die Polizei nach mehr als 30 Betrugsversuchen im gesamten Saarland gewarnt, damals verlor ein Opfer im Kreis Saarlouis Wertgegenstände im unteren fünfstelligen Bereich. Anfang September folgte die nächste Welle in den Kreisen Neunkirchen und St. Wendel sowie im Regionalverband Saarbrücken, wieder mit vier erfolgreichen Geldübergaben. Dass die aktuelle Welle nun andere Landkreise erreicht, zeigt, dass die Täter keineswegs lokal begrenzt arbeiten, sondern ihre Anrufwellen quer durchs Land verschieben. Bundesweit passt das ins Bild. Nach Zahlen des Bundeskriminalamts sank die Zahl der Schockanruf-Fälle 2025 deutlich auf rund 4.800, ein gutes Viertel weniger als im Jahr zuvor. Der Gesamtschaden stieg trotzdem leicht auf knapp 49 Millionen Euro, rechnerisch bedeutet das eine um rund 46 Prozent höhere Beute pro Fall. Bei der Betrugsvariante mit falschen Polizeibeamten wuchs der Schaden sogar um 64 Prozent auf 49,5 Millionen Euro. Die Masche trifft also seltener, aber lohnender zu, obwohl sie längst zu den bekanntesten Betrugsformen überhaupt zählt.
Schutz beginnt vor dem Klingeln
Genau deshalb empfehlen Polizei und Verbraucherschützer, sich schon vorher zu wappnen, statt erst im Ernstfall zu reagieren, zum Beispiel mit einem Kennwort, das nur echte Angehörige kennen und das sich aus Namen und Details in sozialen Netzwerken nicht zusammensuchen lässt. Wer ein solches Wort mit der eigenen Familie verabredet, entzieht der Masche sofort ihre Grundlage. Auch der eigene Telefonbucheintrag verrät oft mehr, als er sollte. Steht dort der volle Vorname einer älteren, allein lebenden Person, wissen Anrufer genau, wen sie vor sich haben. Ein gekürzter Eintrag verschließt diese Tür schon im Vorfeld.

So schützen Sie sich vor Schockanrufen
- Sofort auflegen, sobald Geld, Schmuck oder Wertgegenstände verlangt werden, und bei erneuten Anrufversuchen gar nicht mehr abheben.
- Bei Unsicherheit auflegen und über eine selbst gewählte, bekannte Nummer bei echten Angehörigen nachfragen, nicht über die Rückruffunktion.
- Nie persönliche oder finanzielle Details am Telefon preisgeben.
Niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen oder Konten übergeben. - Im Zweifel die 110 wählen.
- Verdächtige Fahrzeuge oder Personen in der Nachbarschaft im Blick behalten und auch Angehörige für das Thema sensibilisieren.
Grundsätzlich gilt: Die Polizei nimmt niemals Bargeld oder Wertgegenstände entgegen. Wer das weiß, kann bei jedem Anruf dieser Art sofort auflegen.
Weitere Informationen: www.polizei.saarland.de


