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Die Magie des Ungewohnten: Wie der QuattroPole-Musikpreis unsere Ohren neu justiert

Ein Konzertsaal muss nicht immer nur ein Ort des stillen, braven Zuhörens sein. Er kann sich auch in einen faszinierenden Erlebnisraum verwandeln. Wer am Mittwochabend das Arsenal Jean-Marie Rausch in Metz besuchte, durfte genau das erleben. Vor über 150 Zuschauerinnen und Zuschauern zeigte die vierte Verleihung des QuattroPole-Musikpreises, wie lebendig, körperlich und überraschend zeitgenössische Klangkunst heute ist. Es ging an diesem Abend nicht um klassische Sinfonien, sondern um neue Perspektiven, um Frequenzen, die man buchstäblich spüren kann, und um die wunderbare Vielfalt unserer modernen Hörwelt.

Ein Fest der europäischen Nachbarschaft

Der QuattroPole-Musikpreis, der seit 2019 alle zwei Jahre verliehen wird und mit beachtlichen 10.000 Euro dotiert ist, ist weit mehr als nur ein lokaler Wettbewerb. Er ist ein lebendiges Symbol für die Freundschaft in der Großregion. Das Städtenetzwerk aus Metz, Saarbrücken, Trier und Luxemburg feierte im vergangenen Jahr sein 25-jähriges Bestehen, und dieser Preis ist eines der schönsten Geschenke, die sich diese Allianz selbst macht. Er bringt die kreativsten Köpfe zusammen und beweist, dass Kultur keine Ländergrenzen kennt.

Dass zur feierlichen Eröffnung durch den Metzer Kulturdezernenten Philippe Brunella auch ehemalige Preisträger wie Oleksii Rybak (Sieger von 2023) und Hervé Birolini (2019) im Publikum saßen, zeigte den familiären, aber hochprofessionellen Charakter dieses Netzwerks. Man kennt sich, man schätzt sich, man inspiriert sich.

Souverän und charmant moderiert von der Journalistin Alicia Hiblot, gehörte die Bühne anschließend den vier Finalisten. Jeder hatte rund zwanzig Minuten Zeit, um das Publikum in eine völlig eigene Welt zu entführen.

Ein intimer Kokon und die Architektur des Hörens

Den wohl intimsten Moment des Abends schenkte uns der saarländische Beitrag. Die in Italien geborene und heute in Saarbrücken arbeitende Künstlerin Maria Teresa Treccozzi präsentierte ihr „HörbarZelt II“. Anstatt die große Bühne des Arsenals mit Lautstärke zu füllen, lud sie das Publikum in eine sanfte, elektroakustische Blase ein. Treccozzi kombinierte in ihrer Installation die Stimmen eines Frauenchors mit elektronischen Elementen und dem Zelt als physischem Resonanzraum. Es war ein leiser, wunderbar poetischer Gegenentwurf zu unserer oft lauten, reizüberfluteten Welt. Ein Moment, in dem man die Augen schließen und sich ganz auf subtile Klänge einlassen konnte.

Eine gänzlich andere, aber nicht minder spannende Entdeckungsreise bot der Trierer Finalist Bernd Thewes. Der erfahrene Komponist brachte mit „CODE Figur auf Landschaft“ ein Werk für Soloflöte und mehrkanalige Klangprojektion auf die Bühne. Thewes behandelt Lautsprecher wie eigenständige Instrumente. Für das Publikum war das Stück eine spielerische Herausforderung: Wie nehmen wir Töne wahr? Wie setzt unser Gehirn komplexe Klanglandschaften zusammen? Thewes spielte virtuos mit unseren Hörgewohnheiten und machte große Freude daran, das Gewohnte auf intelligente Weise neu zu ordnen.

Der Soundtrack unserer digitalen Gegenwart

Aus Luxemburg reiste Yliana Paolini an, die unter dem Namen The Night FM arbeitet und im kreativen Hub 1535° in Differdingen beheimatet ist. Mit „Whispers from the Glitch.exe – Beauty – Tremors“ schlug sie die Brücke zur modernen Pop- und Clubkultur. In ihrer audiovisuellen Performance spürte sie den Emotionen unseres digitalen Alltags nach. Wer kennt es nicht, das Warten vor dem Bildschirm, die kleinen Fehler im System, das kurze Aufblitzen einer Störung? Paolini nutzte genau diese „Glitches“, um daraus eine sehr atmosphärische, greifbare und moderne Musik zu formen, die die Ästhetik unserer Gegenwart perfekt einfing.

Die achtköpfige, international besetzte Fachjury hatte es nach diesen drei fantastischen Darbietungen nicht leicht. Die Diskussionen zwischen Expertinnen und Experten wie der Pianistin Cathy Krier (Luxemburg), der Choreografin Aurore Gruel (Metz), dem Komponisten Stefan Zintel (Saarbrücken) und Dr. Anne-May Krüger (Trier/Basel) zeugen von der hohen Qualität des Wettbewerbs. Dass der Hauptpreis am Ende an die Gastgeberstadt Metz ging, lag an einer Performance, die schlichtweg unter die Haut ging.

Die Faszination der Natur: Begegnung mit dem Bären

Mit der Entscheidung für Stefania Becheanu und ihr Projekt „Rencontrer l’ours“ (Dem Bären begegnen) bewies die Jury ein exzellentes Gespür für immersive, berührende Kunst. Becheanu, die als interdisziplinäre Komponistin arbeitet, nahm das Preisgeld von 10.000 Euro für ein Werk entgegen, das das Publikum völlig in seinen Bann zog.

Ihre Inspiration stammt aus dem rumänischen Dorf Slon, einem Ort, der eng mit der Natur verbunden ist und in dem die Begegnung mit wilden Bären zum Leben dazugehört. Becheanu nutzte diese archaische Ehrfurcht vor der Natur, um eine mitreißende musikalische Erzählung zu erschaffen. In rotes Licht getaucht, verknüpfte sie tiefe, spürbare Bässe mit Live-Elementen und Filmaufnahmen. Ein faszinierendes Detail ihrer Performance war der Einsatz der „Toaca“ – eines hölzernen Schlaginstruments aus der orthodoxen Kirche, das traditionell als Ruf- und Rhythmusgeber fungiert.

Es war eine Darbietung, die das Publikum nicht nur intellektuell, sondern physisch erreichte. Wenn der tiefe Sound durch den Raum rollt, entsteht eine Gänsehaut, ein Gefühl von gemeinschaftlichem Erleben. Becheanu zeigte auf wunderbare Weise, wie Musik uns mit unseren ursprünglichsten Gefühlen verbinden kann. Es war wuchtig, aber gleichzeitig von einer faszinierenden, rohen Schönheit.

Glänzendes Handwerk als Abschluss

Einen wunderschönen Kontrast zu dieser naturgewaltigen Performance bildete im Anschluss die Trophäenübergabe. Alexandre Bianchi, Direktor des renommierten Juweliers Maison Bianchi, überreichte der sichtlich bewegten Gewinnerin das maßgefertigte Kunstwerk aus den familieneigenen Werkstätten. Dass ein Traditionsunternehmen, das für feinstes Handwerk und Nachhaltigkeit steht, diesen Preis für zeitgenössische, oft digitale Kunst stiftet, ist eine wunderbare Brücke zwischen den Welten. Es zeigt, dass Innovation und Tradition sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.

Mit dem Ausklang dieses Abends stand eines fest: Der QuattroPole-Musikpreis ist ein echtes Juwel im Veranstaltungskalender der Großregion. Wenn Metz, Saarbrücken, Trier und Luxemburg ihre kreativen Kräfte bündeln, entsteht etwas, das neugierig macht, das bereichert und verbindet. Wir dürfen uns jetzt schon auf die fünfte Ausgabe freuen.

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