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Tatort Saarbrücken „Die Narben der Zeit“: Ein exklusiver Setbesuch beim neuen Fall

Die Frühlingssonne taucht das markante IHK-Gebäude in Saarbrücken in ein helles, fast schon unwirklich friedliches Licht. Doch die Szenerie trügt. Im Inneren des Baus, wo das Team des saarländischen „Tatorts“ aktuell die kühlen Gänge in ein fiktives Polizeipräsidium verwandelt hat, regieren die menschlichen Abgründe. Für den mittlerweile achten Fall der Ermittler, der den Arbeitstitel „Die Narben der Zeit“ trägt, taucht das Team tief in ein düsteres Noir-Puzzle ein. Es ist ein Spiel mit den Kontrasten, das sich nicht nur in der hochkomplexen Handlung, sondern auch in den kapriziösen Bedingungen am Set widerspiegelt.

Denn das strahlende Wetter rund um die IHK ist nur die halbe Wahrheit. „Wir haben einen sehr warmen Start erlebt“, erinnert sich Daniel Sträßer, der den Ermittler Adam Schürk spielt. Doch für die atmosphärische Dichte der Geschichte brauchte es eigentlich das genaue Gegenteil: „Wir drehen ja zum ersten Mal ganz früh im Jahr und einen eher düsteren, winterlichen Film“, erklärt der Schauspieler. Und so entpuppten sich die unbeständigen, nasskalten Tage, die folgten, als ästhetischer Glücksfall für die Produktion. Melanie Waelde, die nach einer Vorlage von Hendrik Hölzemann nicht nur Regie führt, sondern auch das Drehbuch verfasste, nimmt die Wetterumschwünge pragmatisch hin. „Das Wetter macht, was es will und das können wir nicht beeinflussen“, sagt sie am Rande der Aufnahmen und man merkt ihr an, sie findet darin sogar eine gewisse Ruhe.

Tatort: Die Narben der Zeit – Drehstart (v.l.n.r.): Noah Saavedra (als „Adrian Voss“), Vladimir Burlakov (als „Leo Hölzer“, Daniel Sträßer (als „Adam Schürk“), Jan Mayntz (Kameramann), Lia von Blarer (als „Elisa Richter“), Jan Kruse (Produzent Bavaria Fiction), Melanie Waelde (Regisseurin) Alexandra Fritsch (Redakteurin SR) – Foto: © SR/Manuela Meyer

Ein blutiges Puzzle im winterlichen Saarland

Die Kälte der Nächte passt perfekt zu der komplexen Geschichte, in der zwei scheinbar völlig isolierte Verbrechen erzählerisch verzahnt werden müssen. Da ist zum einen ein nächtlicher Überfall auf einen Saarbrücker Kiosk. Der Besitzer wird in den frühen Morgenstunden tot in einer Blutlache aufgefunden. Zwar greifen die Kommissare schnell den polizeibekannten Drogenabhängigen Malte Rubin – gespielt von Luis Pintsch – auf, doch dieser wirkt weniger wie ein skrupelloser Täter, sondern vielmehr wie jemand, der selbst vor etwas auf der Flucht ist. Fast zeitgleich werden die Kommissare zu einem zweiten Tatort gerufen. Nach einem brutalen Messerangriff ringt Adrian Voss (Noah Saavedra) im Krankenhaus mit dem Tod. Sein Bruder Patrick (Nikolai Gemel) steht unter Schock, nachdem er Adrian schwer verletzt vor der Haustür gefunden hat. Die Ermittlungen zeigen, dass es nicht der erste Angriff auf Adrian war. Und so beginnen Spuren ineinanderzugreifen und Zufälle entpuppen sich als Knotenpunkte einer Tragödie, in der Rechtsmedizinerin Henny Wenzel, verkörpert von Anna Böttcher, entscheidende Puzzleteile liefert.

Im emotionalen Epizentrum dieser Verdichtung steht diesmal Pia Heinrich. Bei der Rekonstruktion des Kiosk-Mordes entdeckt die Kommissarin eine Verbindung, die sie völlig aus dem Gleichgewicht bringt, da Maltes Vergangenheit tief mit ihrer eigenen verwoben ist. Für Schauspielerin Ines Marie Westernströer ist diese Entwicklung ein echtes Geschenk. Sie habe insgeheim auf diesen Moment hingefiebert, erzählt sie, schließlich sei die Geschichte um Pia in den vergangenen Filmen sukzessive aufgebaut worden. Dass ihre Figur nun im Mittelpunkt stehe und das Publikum ein Geheimnis über sie erfahre, sei eine großartige Bestätigung. Während sich die routinierte Ermittlungsarbeit nach all den Jahren fast wie von selbst spiele, fordere der neue Fall sie noch einmal ganz anders heraus: „Für mich ist es sehr reizvoll, dass in diesem Fall doppelte Böden dazukommen und ich noch mal anders in die Tiefe gehen kann. Die Zusammenarbeit mit Melanie Waelde schätze ich sehr.“

Schauspielerin Ines Marie Westernströer bei den Dreharbeiten zum Tatort „Die Narben der Zeit“ in Saarbrücken – Foto: Stephan Bonaventura

Ohne zu viel zu verraten, gibt sie einen Ausblick auf die neue Dynamik: „Es kommt eine Figur hinzu, die wir vorher nicht kannten und die Pia extrem beschäftigt und auch in den letzten Jahren beschäftigt hat.“ Das gehe nicht spurlos an der Kommissarin vorüber: „Ich würde sagen, Pia ist so ein bisschen das Sorgenkind in der Folge.“ Dennoch behält die Figur ihre geliebte Ambivalenz bei, was für Westernströer den großen erzählerischen Reiz ausmacht: „Ich mag eigentlich den Spagat. Pia ist wahnsinnig akribisch, schon fast ein Workaholic und dann ist sie aber auch wieder verpeilt.“ Während im Privaten oftmals das Chaos regiere und man schon mal alte Schokoriegel im Auto finde, sei sie im Dienst unerbittlich genau.

Diese immense berufliche Taktung kennt die Schauspielerin derzeit auch privat nur zu gut. „Gerade ist extrem viel los. Ich bin seit eineinhalb Jahren am Wiener Burgtheater engagiert und hatte Ende Februar dort noch Premiere mit ‚Lysistrata‘. Dann musste ich ansatzlos in die Tatort-Vorbereitung einsteigen“, berichtet sie. Umso wichtiger sei es da, am Set extrem fokussiert zu bleiben: „Die Drehtage (Anm. Redaktion) sind schon anstrengend. Man muss sehr konzentriert sein, muss sich wahnsinnig gut vorbereiten, weil es nicht viel Zeit gibt. In dem Moment muss man einfach abliefern, das können wir aber.“

Bei den Dreharbeiten zum Tatort „Die Narben der Zeit“ in Saarbrücken – Foto: Stephan Bonaventura

Mitternächtliche Sprints und das Gewicht der Fakten

Während sich das emotionale Drama entfaltet, fordert die Umsetzung dem Ensemble auch physisch einiges ab. „In der vergangenen Woche durften Vladimir und ich sehr viele Vollsprints vorwiegend gegen Mitternacht hinlegen“, erzählt Daniel Sträßer schmunzelnd. Solche Nachteinsätze im Regen von Neunkirchen hinterlassen Spuren. Er gibt unumwunden zu, dass man Einsätze dieser Art körperlich spürt: „Wenn man dann doch auf die vierzig zugeht, merkt man, die gehen einem nicht mehr ganz so leicht aus den Füßen raus“. Für ihn und seinen Kollegen endete das Wochenende dementsprechend mit leichten Gelenkschmerzen und Muskelkater.

Sein Partner Vladimir Burlakov (Leo Hölzer) ordnet solche Strapazen bewusst pragmatisch ein. Angesprochen auf die besonderen Herausforderungen dieses Films und die Frage, ob er in jeder Episode völlig neue Reize suche, reflektiert er in einem weiten Bogen über die Realität einer langjährigen Reihe, die Qualität der Skripte und die neue Tektonik des Ermittler-Duos: „Wir sind ja seit acht Jahren schon ‚im Dienst‘. Ich glaube, ich würde mir jetzt etwas aus den Fingern saugen, wenn ich sagen würde, ich habe in jedem Tatort neue Szenen, die mich besonders herausfordern. Ich finde, wir haben immer sehr starke Bücher. Melanie Waelde hat mit ‚Die Narben der Zeit‘ ja nicht den ersten Tatort für uns geschrieben. Und ‚Die Narben der Zeit‘ ist ebenfalls wieder ein sehr starkes Buch. Ich glaube, dass die Beziehung zwischen Adam und Leo, die ja am Anfang etabliert wurde – wo es eben ganz besonders noch einmal um uns beide ging oder um die gemeinsame Vergangenheit oder eben innere Konflikte, mit denen man zu tun hatte – die ist mittlerweile tatsächlich nicht mehr so intensiv. Jetzt rücken andere Figuren in den Vordergrund, die Episodenhauptrollen. Wir versuchen einfach gute Ermittlungsarbeit zu machen und ich bin nach wie vor sehr glücklich über unser Team und über die Bücher, die wir haben und das, was wir da spielen dürfen. Aber an besonderen Szenen kann ich das jetzt im Moment nicht ausmachen.“

Bereits seit ihrem ersten Fall „Das fleißige Lieschen“, sind die Hauptkommissare (v. l.) „Adam Schürk“ (Daniel Sträßer) und „Leo Hölzer“ (Vladimir Burlakov) ein erfolgreiches Team. – Foto: © SR/Manuela Meyer

Einen gänzlich anderen erzählerischen Rhythmus verlangen derweil die Aufnahmen im Präsidium. Brigitte Urhausen, die als Hauptkommissarin Esther Baumann brilliert, empfindet die Arbeit in den kühlen Büroräumen oft als besonders knifflige handwerkliche Herausforderung. „Man muss super konzentriert sein, denn man will die Szene nicht einfach nur runterleiern, es muss in der Figur sein, es sind ja vor allem Fakten, die man präsentiert“, schildert sie die Kunst, trockene Ermittlungsarbeit vor der Kamera lebendig werden zu lassen. Zwar falle das aktuelle Pensum für sie etwas entspannter aus als noch beim intensiv vorbereiteten Vorgängerfilm „Das Böse in Dir“, dennoch bereitet sie sich akribisch auf solche 21 Drehtage umfassenden Blöcke vor – meist bei gemeinsamen Leseproben in Berlin.

Vom oft unterschätzten Außenseiter zum gefeierten Quotenhit

Dass am Ende jeder Dialogsatz und jede Ermittlungsnuance sitzt, ist auch der engen Zusammenarbeit am Set geschuldet. Dass Melanie Waelde den Stoff seit der ersten Idee begleitet hat, bringt einen gewaltigen Wissensvorsprung mit sich. Gleichzeitig führt diese Doppelfunktion als Autorin und Regisseurin zu einer herrlichen Dynamik. Waelde erklärt lachend, dass sie das Werk fremder Autoren weitaus respektvoller behandle als ihr eigenes. Möchte sie spontan etwas an ihren eigenen Sätzen verändern, trifft sie nicht selten auf den leidenschaftlichen Widerstand ihres Casts: „Hier in diesem Fall ist es dann manchmal so, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler das Drehbuch vor mir verteidigen und sagen: ‚Nein, Melanie, du hast es aus einem Grund so geschrieben und wir behalten diesen Dialogsatz jetzt‘“.

Regisseurin und Drehbuchautorin Melanie Waelde (Mitte) zusammen mit den Hauptdarstellern des Tatorts Saarbrücken: Daniel Sträßer, Rolle: Adam Schürk (1.v.l.) – Brigitte Urhausen, Rolle: Esther Baumann (2.v.l.) – Ines Marie Westernströer, Rolle: Pia Heinrich (2.v.r.) und Vladimir Burlakov, Rolle: Leo Hölzer (1.v.r.) – Foto: Stephan Bonaventura

Für Daniel Sträßer ist der geschriebene Text ohnehin „erst einmal ein Vorschlag“. Erst durch die Interpretation der Schauspieler gewinne ein Drehbuch an Schwingung und Leben. Um diese Dimensionen vollends auszuschöpfen, feilt das Team auch nach Feierabend weiter. Sträßer erinnert sich an abendliche Hotelsitzungen mit Burlakov und Waelde, bei denen sie stundenlang an Szenen herumbastelten, bis die Vision für den nächsten Tag klar war.

Es ist genau dieses leidenschaftliche Ringen um Qualität, das sich spürbar auszahlt. Längst hat sich der Saarbrücker „Tatort“ zu einem der gefeiertsten Ermittlerteams der Republik gemausert. Die herausragenden Einschaltquoten der jüngsten Vergangenheit und die breite, durchweg positive Resonanz beim Publikum belegen eindrucksvoll den erzählerischen und ästhetischen Reifeprozess der Reihe. Diese gewachsene Sicherheit ist am Set allgegenwärtig. Die Dynamik ist geprägt von blindem Vertrauen. „Seit acht Jahren klappt das immer gleich gut und wir freuen uns aufeinander“, erzählt Burlakov. „Jetzt haben wir nicht so eine Riesenpause gehabt zwischen den letzten Dreharbeiten und diesen. Aber wir hatten trotzdem Zeit, uns zu vermissen.“

Auch Ines Marie Westernströer schwärmt von diesem Zusammenhalt. Zwar merke man den Unterschied, ob man auf neue Kolleginnen und Kollegen treffe oder die bewährten Präsidiumszenen drehe, „aber gerade im Zusammenspiel mit Vladimir, Daniel, Brigitte und mir, ist es im besten Sinne eingespielt.“ Wenn das Quartett im Saarland zusammenkommt, stellt sich bei ihr ein sofortiges Heimatgefühl ein. „Ich liebe das hierher zukommen und habe immer die selbe Orte, wo ich essen gehe, die selben Cafés und das ist einfach ansatzlos schön“, erzählt sie. „Ich wohne meistens in einer Wohnung, nicht im Hotel und komme dadurch direkt an.“ Daniel Sträßer, der in Völklingen geboren ist, genießt es wiederum, jenseits seiner Tatort-Verpflichtungen in Ruhe auf alten saarländischen Pfaden zu wandeln.

Bei den Dreharbeiten zum Tatort „Die Narben der Zeit“ in Saarbrücken – Foto: Stephan Bonaventura

Wer noch tiefer in diese Erfolgsgeschichte, die Entstehung der Reihe und die strategischen Entscheidungen hinter den Kulissen eintauchen möchte: Wir vom jetzt Magazin haben exklusiv mit dem zuständigen SR-Redakteur Christian Bauer gesprochen. Das ausführliche Interview, das spannende Einblicke in die gesamte Produktion des Saar-Tatorts liefert, finden Sie ebenfalls hier bei uns online.

Wenn in wenigen Tagen Jan Mayntz‘ Bildgestaltung die Düsternis des Saarlands endgültig eingefangen hat, erwartet uns bei Ausstrahlung im Jahr 2027 ein komplexer Tatort Noir-Krimi. Ein Film, der ganz sicher beweisen wird, dass manch flüchtige Begegnung Jahre überdauert – und Narben hinterlässt, die für immer bleiben. Wir freuen uns schon.


„Tatort: Die Narben der Zeit“

Produktion: Bavaria Fiction GmbH (Produzent Jan Kruse) im Auftrag der ARD Degeto Film und des Saarländischen Rundfunks. Redaktion: Christian Bauer, Alexandra Fritsch (SR) und Birgit Titze (ARD Degeto).

Regie & Drehbuch: Melanie Waelde (Vorlage: Hendrik Hölzemann). Bildgestaltung: Jan Mayntz.

Cast: Vladimir Burlakov, Daniel Sträßer, Brigitte Urhausen, Ines Marie Westernströer, Noah Saavedra, Nikolai Gemel, Luis Pintsch, Anna Böttcher, Lia von Blarer, Bella Bading u.v.m.. Casting: Siegfried Wagner.

Drehorte: Saarbrücken (u.a. IHK-Gebäude als Polizeipräsidium, Malstatter Markt, Winterberg) und Neunkirchen.

Drehzeitraum: 25. Februar bis 25. März 2026

Ausstrahlung: Die Erstausstrahlung im Ersten ist für kommendes Jahr vorgesehen. Ein genaues Datum steht noch nicht fest.

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