Hinter den Kulissen des Eden Cinehouse mit Sebastian Bernd
Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen gehen ins Kino, um einen Film zu sehen. Die anderen gehen ins Kino, um einen Film zu erleben. Für sie ist Kino nicht nur Popcorn und bequeme Sitze – es ist ein Paralleluniversum, in dem Alltagssorgen für zwei Stunden Pause haben. Einer, der genau das verstanden hat, ist Sebastian Bernd. Er verantwortet die Spielplangestaltung im Eden Cinehouse, achtet auf eine abwechslungsreiche Filmauswahl und sorgt dafür, dass Kino mehr bleibt als nur ein nostalgischer Flicker in einer Streaming-Welt. Wir haben ihn getroffen – für einen Blick hinter die Kulissen, in die Projektion, in die Köpfe der Filmfans und natürlich in seine ganz eigene Geschichte.

Die Anfänge einer Leidenschaft
Jeder hat diesen einen Film, der das erste Mal Kino zu etwas Besonderem gemacht hat. Für Sebastian Bernd war das 1994 Der König der Löwen – ein Erlebnis, das sich ihm ins Gedächtnis gebrannt hat. „Ich war sechs, es war in Kino 4, und dieser Moment, wenn der Saal dunkel wird, der Vorhang aufgeht, hat mich direkt reingezogen. Das war pure Magie.“
Schon als Kind hatte er eine Begeisterung für Filme und Serien, doch dass er mal im Kino arbeiten würde, war nie der Plan. Während seines Informatikstudiums suchte er einen Nebenjob, stolperte über eine Stellenanzeige – und der Rest ist Geschichte. Seit 2011 ist er im Eden Cinehouse, hat sich hochgearbeitet und leitet mittlerweile das gesamte Haus. Ein klassisches „Ich wollte nur ein bisschen Geld verdienen und bin dann geblieben“-Szenario, aber mit Happy End.

Was macht ein Theaterleiter? Spoiler: Alles.
Den perfekten Film für den perfekten Moment – das ist die Kunst des Kino-Business. „Ich bin hier für alles verantwortlich“, sagt Bernd mit einem Grinsen. „Von Technik über Warenbestände bis hin zu Personal und natürlich der Spielplangestaltung.“ Wer glaubt, dass Filme einfach von selbst auf den Bildschirm kommen, irrt gewaltig. Jedes Jahr erscheinen rund 9.000 Filme, von denen das Eden Cinehouse die besten rauspickt. „Ich will eine bunte Mischung – für die Kids, für Romantik-Fans, für Action- und Horror-Liebhaber. Und seit dem 27. Februar haben wir eine Art House-Reihe für Filme abseits des Mainstreams.“
Art House – ein Genre für sich. Keine Popcorn-Blockbuster, sondern Filme, die zum Nachdenken anregen. „Wir hatten zum Beispiel einen Film über Sterbebegleitung. Das ist harter Stoff, aber eben auch wichtig“, erklärt Bernd. „Kino ist nicht nur Unterhaltung, sondern auch Kunst.“
Warum Kino mehr kann als Netflix
Das Kino hat es nicht leicht. Streamingdienste ballern ihre Filme gefühlt im Wochentakt raus, und der Geldbeutel vieler Menschen ist dünner als noch vor ein paar Jahren. „Früher sind die Leute einfach reingegangen, wenn ein neuer Film lief. Heute überlegen sie viel genauer, ob es sich lohnt. Aber wenn ein Avatar kommt – ein Film, der fürs Kino gemacht ist – dann sitzen sie hier.“ Das bedeutet aber auch, dass Kino mehr bieten muss als nur das, was sowieso bald auf Disney+ oder Prime landet. Triple-Features, Nostalgie-Nächte mit Der Herr der Ringe oder Harry Potter, exklusive Vorführungen – das Eden Cinehouse ist mehr als nur ein Abspielort für die neuesten Blockbuster. „Beetlejuice im Double-Feature war ein voller Erfolg, genauso wie unser Terrifier-Triple für Hardcore-Slasher-Fans.“
Technisch immer up to date – aber mit Charakter
Kino ist nicht gleich Kino. Während die großen Multiplexe auf Masse gehen, setzt das Eden Cinehouse auf Atmosphäre. „Hier riecht es noch nach frischem Popcorn, nicht nach Industrieproduktion“, lacht Bernd. „Ich will kein liebloses Kino mit 17 Sälen, sondern einen Ort, an dem sich jeder wohlfühlt.“ Aber was ist mit der Technik? „Wir haben 2K und 4K Projektion, je nach Saal. 4K sieht natürlich schärfer aus, aber für den normalen Kinogast ist der Unterschied nicht riesig. Dafür haben wir moderne Soundtechnik mit 7.1 Surround. Wichtig ist, dass das Gesamterlebnis stimmt.“ Auch 3D gibt es noch – mit einer speziellen Silberleinwand, die das Bild heller macht. „Das ist kein billiger Effekt, sondern sollte richtig gemacht sein. Früher musste man Filme noch auf Filmrollen kleben – heute läuft alles digital über einen Server.“

Kino zum Mieten
Ein Kino nur für sich? Geht. Und es wird genutzt. „Ich hab hier Leute, die spielen FIFA auf der riesigen Leinwand, Filmclubs, die ihre eigenen Filme schauen, und sogar Junggesellenabschiede, die mit Mario Kart-Turnieren starten. Es geht nicht nur ums Filme schauen, sondern um das Erlebnis drumherum.“
Und wenn das Leben ein Film wäre?
Wenn Sebastian Bernd sich selbst in einem Film sehen würde, dann wäre es ein Drama. „Und gespielt von Adam Sandler“, sagt er mit einem breiten Grinsen. „Ich liebe Adam Sandler. Gerade in ernsteren Rollen ist der Typ einfach genial.“
Ob Drama, Action oder Feel-Good-Movie – das Eden Cinehouse bleibt ein Lieblingsplatz für Filmfans. Und solange es Leute wie Sebastian Bernd gibt, die Kino mit Leidenschaft betreiben, wird sich daran auch nichts ändern.


