Eine 19-Jährige aus Nantes verbringt ein Jahr an der Saar, eine frischgebackene Abiturientin aus Saarbrücken zieht im Gegenzug an die Loire. Dass eines ihrer ersten Projekte ins Kino führt, passt zu zwei Städten, die schon über den Film verbunden waren, bevor es eine Partnerschaftsurkunde gab.
Als Jacques Demy 1960 in Nantes seinen ersten Spielfilm drehte, schickte er Anouk Aimée als Cabaret-Tänzerin Lola durch die Straßen der Stadt und setzte dem Ganzen eine Widmung an Max Ophüls voran, den wohl berühmtesten Sohn Saarbrückens. Offiziell besiegelt wurde die Freundschaft der beiden Städte erst 1965, und inzwischen trägt in Nantes sogar ein Boulevard den Namen der Partnerstadt. Zu dieser Freundschaft gehört heute auch ein Programm, bei dem zwei junge Menschen für ein Jahr die Städte tauschen, und im Jahrgang 2026/2027 sind es zwei junge Frauen.
Tea Leumaleu Fankam kommt als neue Junge Botschafterin aus Nantes nach Saarbrücken, während Marianne Limbach als Junge Botschafterin aus Saarbrücken den umgekehrten Weg nimmt. Ein Jahr lang leben und arbeiten beide in der Partnerstadt und vertreten dort ihre Heimat. Im Mittelpunkt stehen junge Leute, die über deutsch-französische Veranstaltungen und gemeinsame Projekte zueinanderfinden sollen. Die 19-jährige Tea möchte Saarbrücken mit seinen Eigenheiten und seiner Art zu leben kennenlernen und das, was sie hier entdeckt, an junge Menschen in Nantes weitergeben. Sie sieht darin eine einzigartige Gelegenheit, berufliche wie private Kontakte zu knüpfen, die Kulturen beider Länder zusammenzubringen und die Freundschaft zwischen den Städten lebendig zu halten.

Marianne Limbach ist 18, in Saarbrücken aufgewachsen und hat in diesem Jahr ihr Abitur am Deutsch-Französischen Gymnasium gemacht. In Nantes will sie ihr Französisch weiter vertiefen und den Alltag in der Partnerstadt kennenlernen. Besonders freut sie sich auf zwei Filmfestivals, die schon seit einigen Jahren zusammenarbeiten, das „Univerciné Allemand“ in Nantes und den Max Ophüls Preis in Saarbrücken.
Genau diese beiden Festivals stehen auch im Zentrum eines der ersten Projekte, das die Botschafterinnen nach einer Eingewöhnungsphase angehen. Geplant ist ein Jugendaustausch, der junge Leute aus beiden Städten zu beiden Festivals bringen soll. Den Auftakt macht vom 5. bis 11. November das Univerciné Allemand, bei dem Univerciné und das Deutsch-Französische Kulturzentrum Nantes gemeinsam mit dem Kino Katorza deutsches Kino zeigen. Vom 25. bis 31. Januar 2027 steht dann in Saarbrücken die 48. Ausgabe des Max Ophüls Preises an.
Neben den Festivals führt Tea Leumaleu Fankam ab Oktober in Kooperation mit dem Frankreichzentrum der Universität des Saarlandes den deutsch-französischen Stammtisch weiter. Für die Vorweihnachtszeit und für Ostern ist in beiden Städten außerdem jeweils ein kulinarisches Projekt geplant. Beim gemeinsamen Backen und Dekorieren sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Nachbarsprache spielerisch kennenlernen, und spätestens wenn jemand wissen will, was „Ausstechform“ auf Französisch heißt, ist die erste Vokabelstunde ohnehin eröffnet.
Möglich macht das alles der Deutsch-Französische Freiwilligendienst, über den junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren ein Jahr in der Partnerstadt leben und eigene Projekte entwickeln können. Unterstützt wird das Programm von der nationalen französischen Agentur für den Freiwilligendienst und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, und in seiner heutigen Form besteht es seit zehn Jahren. Zu den Aufgaben der Botschafterinnen gehört laut Stadt auch, Akteure vor Ort bei gemeinsamen Projekten zu unterstützen und bei der Suche nach Praktikumsplätzen in der Partnerstadt zu helfen. Wie Teas Jahr in Saarbrücken verläuft, lässt sich auf Instagram unter @jeuneamb_nantes_sarrebruck verfolgen.
Wenn im Januar wie geplant Jugendliche aus Nantes in den Saarbrücker Festivalkinos sitzen, sehen sie Filme bei einem Festival, das den Namen jenes Regisseurs trägt, dem Jacques Demy vor mehr als sechzig Jahren seinen ersten Film gewidmet hat.


