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Rienzi im Filmhaus – Bayreuths verschollene Oper kommt zeitversetzt ins Saarland

Der Grüne Hügel zieht für einen Abend ins Saarland

Wer in diesem Sommer keine Karte für die Bayreuther Festspiele bekommen hat, muss trotzdem nicht verzichten. Die erste „Rienzi“-Aufführung in der Geschichte des Festspielhauses läuft zeitversetzt im Saarbrücker Filmhaus.

Schon mit seiner dritten Oper hatte Richard Wagner seinen bis dahin größten Erfolg. Im Bayreuther Festspielhaus war „Rienzi“ trotzdem nie zu hören. Der bis heute gültige Kanon der zehn Opern, die dort traditionell gespielt werden, geht auf Briefe zurück, die Wagner 1882 an König Ludwig II. schrieb. Die drei Frühwerke vor dem „Fliegenden Holländer“ – „Die Feen“, „Das Liebesverbot“ und eben „Rienzi“ – hat er darin zwar nie ausdrücklich verboten. Gewollt hat er sie dort aber auch nie. Von der Originalpartitur fehlt seit Langem jede Spur. Für die Bayreuther Neuinszenierung hat sich das Produktionsteam dennoch eingehend mit den historischen Überlieferungsschichten und der Rienzi-Philologie der vergangenen Jahrzehnte auseinandergesetzt. Im Jubiläumsjahr der Festspiele, 150 Jahre nach ihrer Gründung, wird das nachgeholt. Einen Tag nach dem feierlichen Eröffnungsfestakt feiert „Rienzi“ im Festspielhaus Premiere, zum allerersten Mal.

Am Pult steht Nathalie Stutzmann. Sie war 2023 erst die zweite Frau, die überhaupt am Bayreuther Dirigentenpult stand. Ihr „Tannhäuser“-Debüt brachte ihr Standing Ovations und kurz darauf den Oper!-Award als beste Dirigentin des Jahres 2024 ein. Für die Regie sorgt ein Team, das im Saarland bestens bekannt ist. Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka haben am Saarländischen Staatstheater gerade ihren „Ring des Nibelungen“ abgeschlossen. Ihre Deutung verlegt den Göttermythos in Forschungslabore der nahen Zukunft, in denen eine künstliche Intelligenz zunehmend die Kontrolle übernimmt und ihren Schöpfern entgleitet – eine Idee, die sich streckenweise eher nach einer Folge „Black Mirror“ anfühlt als nach Wagner. Die Titelpartie singt Andreas Schager, der in diesem Sommer in Bayreuth auch den Parsifal übernimmt.

Konzertfilme kennt man inzwischen auch außerhalb der Opernwelt, seit Taylor Swifts „Eras Tour“ die Kinos weltweit füllte. Wer keine Karte fürs Original ergattert, sitzt jetzt eben im Kino. Im Filmhaus hat man sich zwei bis drei Jahre lang auf genau diesen Abend vorbereitet, bis die nötige Übertragungstechnik einsatzbereit war. Die Vorstellung läuft mit rund zwei Stunden Versatz zur Bühne in Bayreuth, mit zwei halbstündigen Pausen, in denen teils Interviews mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern zu sehen sind.

Wagner selbst schrieb 1871 über sein frühes Werk, man solle ihm doch „das Feuer ansehen“. Anderthalb Jahrhunderte später bekommt dieses Feuer die Bühne, die ihm der Komponist zu Lebzeiten nie zugedacht hat.

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Info: „Rienzi“ – Übertragung aus Bayreuth, Sonntag, 26. Juli 2026, 18 Uhr (Ende gegen 23.15 Uhr), Filmhaus Saarbrücken, Mainzer Straße 8. Eintritt 10 Euro (regulärer Filmhaus-Premierenpreis ca. 30 Euro). Vorverkauf mit Platzauswahl unter filmhaus-sb.de/programm/film/rienzi-live-oper-aus-bayreuth, weitere Infos unter wagner-im-kino.de, Telefon 0681 905 4800. In Kooperation mit dem Richard-Wagner-Verband Saarland e. V.

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