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Erstmals Tornados über Saarlouis – Ein Jubiläumsjahr für die Luftwaffe, ein Ehrentag für die deutsch-französische Freundschaft

Es ist ein historischer Moment am französischen Nationalfeiertag. Über der Stadt, die der Sonnenkönig baute, fliegen jetzt Tornados.

Am 14. Juli, dem Tag, an dem Saarlouis 1945 den Namen zurückbekam, den ihm einst ein französischer König gegeben hatte, hebt zum ersten Mal die Bundeswehr über der Stadt ab.

Ludwig XIV. ließ Saarlouis 1680 zur Sicherung seiner französischen Ostgrenze errichten, und noch bevor der erste Spatenstich erfolgte, verkündete die Gazette de France im Januar jenes Jahres, dass der neue Ort seinen Namen tragen werde: Sarre-Louis. Erst drei Jahre später, im Sommer 1683, besuchte der König die Baustelle persönlich, und der Überlieferung nach verlieh er der jungen Festungsstadt bei dieser Gelegenheit auch ihr Wappen mit den drei bourbonischen Lilien und der aufgehenden Sonne. Wie tief dieser Name mit der Identität der Stadt verwachsen ist, zeigte sich, als man ihn ihr wieder nahm: 1936 verschmolzen die Nationalsozialisten Saarlouis mit den umliegenden Gemeinden zur Stadt Saarlautern, deren Name jeden französischen Klang verloren hatte. Erst am 14. Juli 1945 machte das Regierungspräsidium diesen Schritt rückgängig, und die Stadt hieß wieder Saarlouis. Dass ausgerechnet an diesem Datum, 81 Jahre später, zum ersten Mal in der Geschichte des Saarlandes zwei Tornados der Bundeswehr über die Stadt fliegen sollen, reiht sich ein in eine Geschichte, die zwischen beiden Ländern schon oft hin- und hergewechselt hat.

Solche Bilder zwischen den beiden Luftwaffen kennt der 14. Juli bereits. 2020 überflog ein deutscher A400M, als Dank für die Nothilfe während der Corona-Pandemie, die Champs-Élysées, wo seit 1980 traditionell die große Militärparade zum französischen Nationalfeiertag stattfindet. Am Dienstag bekommt Saarlouis, dessen Name unmittelbar auf den Sonnenkönig zurückgeht, gewissermaßen die Umkehrung dieses Bildes zu sehen: keine deutsche Maschine über Paris, sondern zwei deutsche Maschinen über einer Stadt, die selbst von einem französischen König gegründet wurde.

Um 15:30 Uhr sollen die Tornados Saarlouis in einer Höhe passieren, die einen guten Blick auf sie erlaubt. Oberbürgermeister Marc Speicher verortet den Termin bewusst im Jubiläumsjahr der Luftwaffe, die 2026 siebzig Jahre alt wird, seit am 2. Januar 1956 die ersten Freiwilligen auf dem Fliegerhorst Nörvenich ihren Dienst antraten. Der Tornado selbst fliegt seit 1981 für die Bundeswehr, fast ein halbes Jahrhundert inzwischen. Nun läuft seine Zeit ab: 2027 werden die ersten Maschinen der neu beschafften F-35 nach Büchel überführt, bis 2030 soll der Tornado in Deutschland vollständig ausgemustert sein. Der Überflug über Saarlouis fällt damit in die letzten Jahre eines Flugzeugs, das selbst bald zur Erinnerung wird.

Auch die Geschichte der Garnison erzählt von diesem ständigen Wechsel zwischen den Nachbarländern. Bis September 1968 lagen hier französische Truppen, in der heutigen Graf-Werder-Kaserne, die zeitweise „Quartier Ney“ hieß, nach jenem Marschall Napoleons, der 1769 in Saarlouis geboren wurde. Seit 1972 ist die Stadt Garnisonsstandort der Bundeswehr, mit dem Stab jener Brigade, die im Saarland bis heute als „Saarlandbrigade“ bekannt ist, auch wenn sie seit ihrer Umgliederung 2015 offiziell nicht mehr Luftlandebrigade 26, sondern Luftlandebrigade 1 heißt. Wenn Speicher sagt, der Überflug solle „unsere enge Partnerschaft und unseren gemeinsamen europäischen Gedanken“ unterstreichen, dann steckt darin auch diese Geschichte: eine Stadt, einst als französische Grenzfestung gebaut, ist heute deutscher Militärstandort und nennt sich selbst Europastadt.

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Gefeiert wird das Ganze auf dem Ravelin V, jenem Rest der alten Vauban-Festung, der 2016 mit dem Otto-Borst-Preis für Stadterneuerung ausgezeichnet wurde und heute als Park zwischen Stadtgarten und Saaraltarm liegt – auf einem Stück Verteidigungsanlage also, das einst verhindern sollte, dass fremde Truppen die Stadt überhaupt erreichen, und von dem aus die Menschen am Dienstag nach oben schauen werden, um genau das zu feiern, wovor diese Mauern sie einst schützen sollten.

Deutsch-Französisches Freundschaftsfest
Dienstag, 14. Juli, ganztägig
Ravelin V, Saarlouis
Eintritt frei
Überflug der Bundeswehr-Tornados: ca. 15:30 Uhr

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