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Zwischen Verfall und Erneuerung: Die Ausstellung „Body Emotion“ in Saarbrücken

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Handgeschöpftes Papier, das sich wie eine zweite Haut anfühlt. Täglich Performance. Und eine japanische Künstlerin, die in Kyotoer Tempeln arbeitet. Die neue Ausstellung an der HBKsaar verbindet Körper, Material und Erinnerung.

Gras und Papier können sich erinnern – davon ist Kazuki Taguchi überzeugt. Der japanische Künstler, der an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert hat und in Saarbrücken längst eine eigene Spur hinterlassen hat, stellt in der Galerie der HBKsaar eine Raumskulptur vor, die aus handgeschöpftem Papier und Licht besteht. Sie trägt den Titel „Ästhetik des Verfalls“.

Hinter der Arbeit stecken zwei starke Referenzen. Die eine ist die Arte Povera – jene radikale Strömung der späten 1960er-Jahre, die Erde, Holz und Stein in Ausstellungsräume brachte und damit die Frage stellte, was Kunst eigentlich braucht. Die andere ist der japanische Butoh-Tanz, ein Tanztheater, das nach dem Zweiten Weltkrieg entstand und den Körper als Widerstand gegen die rationale Moderne versteht: fragmentiert, fremd, widerspenstig. Taguchi verbindet beides zu einem begehbaren Wald aus Vergänglichkeit, in dem die Besucherinnen und Besucher nicht Zuschauer bleiben, sondern Teil der Inszenierung werden.

Foto: Kazuki Taguchi

Zwischen zwei Kulturen

Ergänzt wird die Installation durch Fotografien: Deutsche und japanische Fotografen haben die Performerin Tenno Megumi porträtiert, deren Arbeit in Kyotoer Tempeln und Schreinen verwurzelt ist – in Nō-Theater, Teezeremonie, Blumenstecken. Dass diese Bilder nun an einer Saarbrücker Kunsthochschule hängen, ist kein exotischer Gastauftritt, sondern ein Blick auf Körper und Präsenz aus zwei sehr unterschiedlichen kulturellen Perspektiven.

Täglich bespielt außerdem die OKNO OHNO Dance and Performance Group den Ausstellungsraum – aus dem Atelier von Prof. Georg Winter, der an der HBKsaar Bildhauerei und Public Art lehrt. Ihre Performances setzen aktuelle Formen digitaler Entfremdung gegen traditionelle japanische Körpertechniken. Den Abschluss bildet die Finissage am 27. Mai: Tenno Megumi kommt für eine eigene Gastperformance, unter dem Titel „道 DŌ – der Weg & Wasser: die Erinnerung“.

Ein Wald aus Verfall und Erneuerung – und man selbst mittendrin.


„BODY EMOTION“ | Galerie der HBKsaar, Keplerstraße 3-5, 66117 Saarbrücken | Vernissage: 19. Mai 2026, 19 Uhr | Laufzeit: 20.–27. Mai | Öffnungszeiten: Di 14–18 Uhr, Mi–Sa 17–20 Uhr; Pfingstsonntag und -montag (24./25. Mai) je 17–20 Uhr | Finissage: 27. Mai, 18 Uhr | Infos: galerie.hbksaar.de/veranstaltung/BODY-EMOTION

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