Klara Bernardy ist Schülerin an einer Waldorfschule in Saarbrücken und hat ein Video gemacht, das die Frage stellt, was Parteien eigentlich auf dem Handy Jugendlicher wollen. Und sie ist nicht die Einzige, die 2026 etwas wirklich Tolles eingereicht hat, das sich lohnt zu lesen – oder zu hören.
In der Grundschule Lindenschule Riegelsberg saßen Großeltern und Grundschüler gemeinsam an einem Mikrofon. Nicht für eine Schulveranstaltung – sondern um einen Podcast aufzunehmen. Die Frage, die sie alle antrieb: Wie war Schule eigentlich früher? Wie ist sie heute? Aus dieser im Grunde schlichten Gegenüberstellung entstand eine Ko-Produktion, die generationenübergreifend funktionierte. Omas und Opas berichteten, Kinder fragten nach. Als Redaktionskonferenz diente das Schulparlament – die von ihren Klassen gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Jahrgangsstufen zwei bis vier sowie die Schulsprecher. Das Ergebnis machte überregional auf sich aufmerksam.
Podcast Quelle: Grundschule Lindenschule Riegelsberg
Axel Buchholz persönlich erklärte den Podcast zu seinem Lieblingsprojekt und vergab dafür den Förderpreis – 250 Euro, den Axel Buchholz persönlich vergibt. Das war einer von neun Preisen, die beim elften Axel Buchholz Preis für journalistischen Schülernachwuchs des Saarlandes vergeben wurden – Anfang Mai 2026 im Studio Eins des Saarländischen Rundfunks auf dem Halberg in Saarbrücken. Ausgeschrieben war der Wettbewerb in zehn Kategorien, mit einem Gesamtpreisgeld von 10.750 Euro. Der Sportpreis des Landessportverbandes (1.000 Euro) blieb unbesetzt: Es gab keine Einreichungen in dieser Kategorie. Ausgezahlt wurden damit 9.750 Euro an neun Schulen und eine Einzelperson.
Wer der Mann ist, nach dem der Preis heißt
Professor Axel Buchholz war Chefredakteur Hörfunk und stellvertretender Hörfunkdirektor des Saarländischen Rundfunks. Seit 1972 engagiert er sich in der Aus- und Weiterbildung von Journalistinnen und Journalisten, lehrte als Honorarprofessor an den Universitäten Mainz und Trier. Seine eigene journalistische Karriere begann als stellvertretender Chefredakteur einer Schülerzeitung – was dem Preis eine Art persönliche Logik verleiht.
Elf Partner tragen den Wettbewerb: darunter der Saarländische Rundfunk, die Saarländische Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH, die Staatskanzlei des Saarlandes, das Ministerium für Bildung und Kultur, der Sparkassenverband Saar, die Landesmedienanstalt Saarland und das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen. Das Ziel: das Interesse an journalistischer Arbeit wecken, aktuelle Themen aufarbeiten, Medienkompetenz stärken. Dass das keine leere Ankündigung ist, zeigen die eindrucksvollen Arbeiten des Jahrgangs 2026.
Fünftklässler machen Zeitung – und tun es gut
Den Printpreis – gestiftet von der Saarländischen Wochenblatt Verlagsgesellschaft mbH, dotiert mit 1.500 Euro – gewann die Schülerzeitung „OHGenial“ des Otto-Hahn-Gymnasiums in Saarbrücken. Was die Jury besonders hervorhob: Gemacht wurde sie von Schülerinnen und Schülern der fünften bis siebten Klasse. Nicht von Oberstufenschülern, die schon ein paar Jahre Übung haben – sondern von Kindern, die gerade erst die weiterführende Schule angefangen haben. Das Ergebnis überzeugte mit klarer Gliederung, einem praktischen DIN-A5-Format und einem KI-generierten Titelbild, das die Jury an Taschenbuchcomics erinnerte. Thematisch: Schulleben, kulturelle Vielfalt. Was dabei nebenbei passiert, beschreibt die Jury so: Die Kinder erlernen Kompetenzen wie Teamarbeit, Organisation, strategische Planung und Verantwortung – Dinge, die man in der Schule sonst nicht so einfach lernen kann. Journalismus als Schule fürs Leben. Genau das, wofür der Preis steht.
Bexbach auf Instagram: Schülerzeitung als Social-Media-Redaktion
Den Online- und Digitalpreis – mit 2.500 Euro der höchstdotierte Einzelpreis, vergeben gemeinsam vom Saarländischen Rundfunk und dem Verband der freien Berufe des Saarlandes – gewann „gemsbex„, die digitale Schülerzeitung der Galileo-Schule Bexbach. Ihre Plattformen sind Instagram und Facebook; die Reporter-AG bespielt beide Kanäle mit einer Mischung aus aktuellem Schulgeschehen, hintergründigen Themen und historisch orientierten Beiträgen. Die Jury sprach von einer „zeitgemäßen, journalistisch vielfältigen Schülerzeitung – mediengerecht online/digital“. Was banal klingt, ist es nicht: Social Media als ernsthaftes journalistisches Medium zu nutzen, statt nur Fotos vom Schulalltag zu posten, ist keine Selbstverständlichkeit.
Klara Bernardy und die Frage, was Parteien auf dem Handy wollen
Zur besten Jungjournalistin des Jahrgangs wurde Klara Bernardy von der Freien Waldorfschule Saarbrücken gewählt. Ihr Beitrag für das Format „SR Young Reporter“ ist ein Video, das sich damit beschäftigt, wie Jugendliche in sozialen Medien politischer Werbung von Parteien ausgesetzt sind. Die Jury lobte den reflektierten Zugang, die klare Sprache und die gesellschaftliche Relevanz: ein Beitrag, der Medienkompetenz und demokratische Bildung zusammendenkt – produziert von einer Schülerin, die das Thema nicht von außen betrachtet, sondern von innen kennt. Der Preis der Sparkassen-Finanzgruppe ist mit 1.000 Euro dotiert. Die Landesgewinnerin erhält außerdem die Möglichkeit zu Praktika beim Saarländischen Rundfunk und in der Pressestelle des Kultusministeriums und nimmt am Bundeswettbewerb der Jugendpresse teil.
Ein Schulblatt, das Anzeigen verkauft
Den Grundschulpreis – ebenfalls von der Sparkassen-Finanzgruppe gestiftet, 500 Euro – gewann der „Schülerknaller“ der Grundschule Saarbrücken am Ordensgut. Zweimal jährlich erscheint die Zeitung; Beiträge kommen von Schülerinnen und Schülern aller Jahrgänge – von der ersten bis zur vierten Klasse. Redaktionsleitung: Barbara Bernarding und Volker Geis.
Was die Jury eigens erwähnte: Für die Finanzierung wurden Anzeigen akquiriert. Das ist ein Detail, das man nicht überlesen sollte. Wer im Grundschulalter versteht, dass Journalismus auch wirtschaftlich funktionieren muss – und sich dann selbst darum kümmert –, der hat etwas begriffen, das nicht selbstverständlich ist. In späteren Jahren, so die Jury, werde der „Schülerknaller“ als zuverlässige Chronik der Schulzeit dienen und viele Erinnerungen lebendig halten.
Johanna Hollinger, Berlin und die Frage, was Freiheit eigentlich kostet
Den Courage-Preis der Kultusministerin (1.000 Euro) erhielt Johanna Hollinger vom Cusanus-Gymnasium St. Wendel. Ihr Beitrag für „SR Young Reporter“ stellt eine scheinbar einfache Frage: Was bedeutet Freiheit im Alltag? Als Ausgangspunkt nimmt die Autorin Dinge, die ihr selbstverständlich erscheinen – Sport treiben, reisen, die eigene Meinung sagen. Dann arbeitet sie heraus, dass diese Selbstverständlichkeiten Ergebnisse sind: erkämpft von früheren Generationen, besonders von Frauen. Auf einer Reise nach Berlin, mit Blick auf die Geschichte der Berliner Mauer, wird ihr bewusst, dass auch Demokratie und Reisefreiheit keine Konstanten sind. Der Text endet mit einem persönlichen Appell: aufmerksam bleiben, sich informieren, Missstände nicht einfach hinnehmen. Kein schlechter Abschluss für einen Schülerartikel. Kein schlechter Abschluss für irgendeinen Artikel.

Saarlouis und seine italienischen Wurzeln
Den Europa-Preis der Staatskanzlei (1.000 Euro) gewannen die „MLK News“ der Martin-Luther-King-Schule in Saarlouis mit einer Zeitung über die italienischen Einflüsse in ihrer Stadt. Mit dem Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Italien in den 1950er-Jahren kamen tausende Menschen ins Saarland, um in Bergbau und Stahlindustrie zu arbeiten. Was daraus wurde, wie die Stadt davon geprägt wurde, welche Geschichten daran hängen – das haben die Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule aus mehreren Perspektiven beleuchtet: Interviews, gut recherchierte Grafiken, Fotos, kreative Elemente. Europa, so die stille Botschaft des Hefts, fängt nicht in Brüssel an.
Bildung, kritisch betrachtet – von denen, die drin stecken
Den Sozialpreis des Sozialverbands VdK Saarland (1.000 Euro) gewann ein Schwerpunktheft der Schülerzeitung „Cuss“ des Cusanus-Gymnasiums St. Wendel. Das Thema: Bildung. Konkret: Lehrpläne, die nur bedingt aufs Leben vorbereiten. Noten, die nicht immer fair sind. Aufstiegschancen, die vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Digitale Lernunterstützung als Fluch und Segen zugleich. Die Jury hob ausdrücklich hervor, dass die Beiträge aus der Perspektive jener geschrieben sind, die im System stecken: Schülerinnen und Schüler, die lernen und sich weiterentwickeln wollen. Berichte, Interviews, Kommentare, Analysen, eine Homestory – die Vielfalt der Textsorten machte das Heft nach Einschätzung der Jury abwechslungsreich und kurzweilig. Was ein dickes Lob ist, wenn man bedenkt, dass es um Bildungspolitik geht.
Machen und nachdenken – gleichzeitig
Den Medienprojekt-Preis der Landesmedienanstalt Saarland (1.000 Euro) erhielt die Medien-AG des Gymnasiums am Schloss in Saarbrücken. Die Jury hob hervor, was an dem Projekt besonders ist: Praktische Medienproduktion und inhaltliche Reflexion finden gleichzeitig statt. Die Schülerinnen und Schüler produzieren eigene Beiträge, führen Interviews, dokumentieren Schulgeschehen – und setzen sich dabei auch inhaltlich mit Social Media, digitaler Kommunikation und Medienkonsum auseinander. Die AG mache sichtbar, wie Medienkompetenz im schulischen Alltag fruchtbar gemacht werden kann, so die Jury.
Ab sofort in Wadgassen zu sehen
Alle ausgezeichneten Arbeiten sind noch bis Sonntag, 9. August 2026, in der Ausstellung „Medienkompetenz stärken – journalistischen Schülernachwuchs fördern“ im Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen zu sehen. Die Lindenschule Riegelsberg macht dabei schon länger von sich reden: Den Grundschulpreis hatte sie bereits 2020 für ihre Schülerzeitung „Linus & Co“ gewonnen – inzwischen ist die sechste Ausgabe in Arbeit. Nun kommt der Podcast dazu, der überregional Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Der nächste ist schon geplant. Thema: Kinderrechte.



