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Pinguine aus Peru leben in Saarbrücken – jetzt noch komfortabler

Sie kommen aus Peru und Chile, leben am Humboldtstrom – und wohnen seit Jahren mitten in Saarbrücken. Jetzt hat der Zoo der 17-köpfigen Pinguinkolonie ein neues Winterquartier eingeweiht – erster sichtbarer Schritt eines Plans, der den ganzen Zoo verändern soll.

Eigentlich müssten sie gerade Fische jagen. Irgendwo vor der Küste Perus, im kalten Auftrieb des Humboldtstroms, der von der Antarktis nordwärts entlang der Anden fließt und das Wasser dort so fischreich macht, dass eine ganze Vogelart nach ihm benannt wurde. Stattdessen: Saarbrücken, Eschberg, 110 Quadratmeter neues Winterquartier. Die 17 Humboldt-Pinguine des Zoos sind seit Jahren dort zuhause – und seit Mittwoch ein bisschen komfortabler.

Wer Humboldt-Pinguinen zum ersten Mal begegnet, staunt meistens über eines: Sie sehen nicht aus wie das, was man sich unter Pinguinen vorstellt. Kein Eis, keine Antarktis. Ihr Zuhause liegt an der felsigen Pazifikküste Südamerikas – Chile, Peru, vorgelagerte Inseln, Felshöhlen. Der Humboldtstrom, der ihr Jagdgebiet prägt, ist kalt genug, um das Wasser fischreich zu halten, aber kein arktisches Gewässer. Auf Spanisch heißen sie Pingüino de Humboldt – benannt nach dem deutschen Forscher Alexander von Humboldt, der das Tier auf seiner Südamerikareise Ende des 18. Jahrhunderts zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieb. Nicht nach Eis. Nach einem Mann, der neugierig war.

Bis zu 70 Zentimeter groß werden sie, etwa vier Kilogramm schwer. Gefieder oben schwärzlich-grau, unten weiß, über der Brust ein schwarzes Hufeisenband. Was die meisten nicht wissen: Die schwarzen Punkte auf Bauch und Brust sind bei jedem Tier anders angeordnet. Kein Humboldt-Pinguin gleicht dem anderen – ein biologischer Fingerabdruck, den Pflegerinnen und Pfleger nutzen, um einzelne Tiere zu erkennen.

An Land wirken sie unbeholfen, fast hastig in ihrer aufrechten Gangart. Im Wasser ist das eine andere Geschichte. Mit ihren Flügeln – längst keine Flugflügel mehr, sondern Ruder – bewegen sie sich durchs Wasser so, wie Vögel durch Luft fliegen: mit dem ganzen Körper, ohne Aufwand, sehr schnell. Sie tauchen tief, jagen weit, brauchen Platz. Und sie brauchen beides: das Wasser und das Land dahinter.

Foto: Landeshauptstadt Saarbrücken

Ein Haus für den Winter

Am Südhang des Eschbergs riecht es nach Tier und nassem Laub. Der Zoo liegt dort, wo Saarbrücken aufhört, Stadt zu sein – und die Pinguin-Außenanlage ist einer dieser Orte, an denen man länger stehenbleibt als geplant.

Das neue Winterquartier, am Mittwoch offiziell eingeweiht, umfasst rund 110 Quadratmeter. Gebaut wurde es von Frühjahr bis November 2025 – die Außenanlage blieb während der gesamten Bauzeit zugänglich, die Tiere waren jederzeit zu sehen. 565.000 Euro hat der Neubau gekostet, an dem sich die Sparkasse Saarbrücken beteiligt hat.

Warum brauchen Pinguine aus Südamerika ein Winterquartier in Saarbrücken? Die Antwort liegt im Unterschied zwischen zwei Klimata. Humboldt-Pinguine sind an kühles Küstenklima angepasst – aber keine Dauerfröste. Was im Saarland im Winter keine Seltenheit ist, vertragen sie schlecht. Das neue Haus schützt sie in dieser Zeit, gibt der Kolonie Rückzugsmöglichkeiten und mehr Raum.

Zoodirektor Jakob Kolleck sagt: „Wir freuen uns sehr, dass wir unseren Pinguinen künftig mehr Raum und Schutz bieten können. Das neue Winterquartier ist ein wichtiger Schritt, um die Tierhaltung noch weiter zu verbessern.“ Kein großes Versprechen. Nur: Es ist jetzt gebaut.

Foto: Zoo Saarbrücken

Der Zoo im Wandel

Seit Oktober 2024 hat der Saarbrücker Zoo einen Masterplan. Kein kleines Konzept – ein Grundsatzentwurf, der den Zoo am Eschberg in einen sogenannten Dreiklimazonenzoo verwandeln soll. Das Gelände wird in drei Bereiche unterteilt: „Tropen warm und trocken“, „Tropen warm und nass“ und eine „Gemäßigte Zone“. Jede davon nach den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere ausgerichtet. Große, zusammenhängende Gehege sollen entstehen, in denen Tierarten aus demselben Lebensraum zusammenleben.

Das Pinguin-Winterquartier ist in diesem Zusammenhang kein Solitär. Dr. Sabine Dengel, Dezernentin für Bildung, Kultur und Jugend, sagte bei der Einweihung: „Das Winterquartier der Pinguine ist ein erster wichtiger Schritt in der Umsetzung unseres Masterplans zur Entwicklung eines Klimazonenzoos, in dem Bildung und Wissenschaft mit Artenschutz und Naherholung im Einklang stehen.“ Ein erster Schritt. Mit dem Gewicht, den erste Schritte haben: Sie zeigen, dass es wirklich losgeht.

Gefährdet, aber nicht vergessen

Für die Pinguine hat der Neubau eine Dimension, die über Komfort hinausgeht. Humboldt-Pinguine stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN – als gefährdet. Die Ursachen sind älter als der Klimawandel. Angefangen hat das Problem mit Guano. Im 19. Jahrhundert war der Vogelkot auf den Brutinseln der Humboldt-Pinguine ein begehrter Exportartikel – als Naturdünger auf europäischen Märkten heiß begehrt, in Massen abgebaut, bis nichts mehr da war. Die Tiere graben ihre Bruthöhlen in Guanoschichten. Als diese Schichten verschwanden, verschwanden die Brutplätze. Was danach kam, hat sich nicht verbessert: Überfischung ihrer Jagdgründe, El-Niño-Ereignisse, die das Meeresklima an der Westküste Südamerikas regelmäßig durcheinanderwerfen und ihre Nahrungsquellen verschieben. Der Humboldtstrom, der ihr Leben trägt, steht unter Druck.

Der Zoo Saarbrücken ist Teil des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms, kurz EEP – einem Netzwerk, das Zoos in ganz Europa verbindet, um gesunde Reservepopulationen zu erhalten und genetische Vielfalt zu sichern. Was beim Spaziergang an der Anlage nicht sofort auffällt: Der Saarbrücker Zoo trägt Mitverantwortung für den Fortbestand dieser Art. Das neue Winterquartier ist auch dafür gebaut.

Neue Gesichter am Eschberg

Wer den Zoo besucht, trifft nicht nur auf ein neues Gebäude. Seit Ende Februar lebt im Südamerikahaus ein Südliches Kugelgürteltier (Tolypeutes matacus) – als Mitbewohner der Lisztaffen. In Südamerika ist die Art potenziell gefährdet. Seine Verteidigungsstrategie ist radikal einfach: Bei Gefahr rollt es sich zu einer nahezu geschlossenen Kugel zusammen. Der Vorbehalt für Besucherinnen und Besucher: Das Tier ist überwiegend nachtaktiv. Wer Glück hat, sieht es. Wer keins hat, sieht eine leere Stelle – und weiß: Irgendwo da drin schläft gerade ein gepanzertes Tier seinen Mittagsschlaf.

Seit dem 28. März hat auch das Tropikarium neue Bewohner – eine Gruppe Baumhöhlen-Krötenlaubfrösche (Trachycephalus resinifictrix) aus dem NaturZoo Rheine. Ein Männchen, zwei Weibchen, ein speziell umgebautes Terrarium mit Moos, automatischer Beneblungsanlage und Verstecken, geteilt mit Riesenblattschrecken. Unauffällige Tiere. Aber das sagt auch etwas: Ein Zoo, der Baumhöhlen-Krötenlaubfrösche zeigt, denkt nicht nur an die, die jeder kennt.

Drei neue Tiere, ein neues Gebäude, ein Masterplan, der erst begonnen hat. Die Pinguine am Eschberg haben jetzt einen Platz, der ihnen etwas besser gerecht wird. Ob sie das merken? Wahrscheinlich nicht. Aber sie watscheln jetzt in ein Haus, das für sie gebaut wurde – und das reicht.

Der Zoo Saarbrücken ist täglich geöffnet. Weitere Informationen unter zoo.saarbruecken.de.

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