Klangkunst, Körper, Bass und ein Lauf für die Forschung: Der Osthafen hat im Mai mehr vor, als ein Ort dieser Größe eigentlich sollte.
An der Römerbrücke 5 riecht es je nach Wetterlage nach Saar und altem Beton. Das Kulturgut Ost ist kein glatt renoviertes Kulturzentrum, sondern ein Industriegelände, das sich seinen Charakter behalten hat — Silodom, Silogarten, Außenflächen, die noch nicht fertig sind und vielleicht nie ganz fertig sein werden. Genau das macht es zur richtigen Bühne für das, was im Mai dort passiert.
Klingt wie Mikado, fühlt sich anders an
Man muss nicht sofort wissen, ob etwas Musik ist, Geräusch oder schon Kunst. Das Experimance Festival arbeitet genau an dieser Grenze. Vom 8. bis 10. Mai verwandelt sich das Kulturgut Ost in einen Rahmen für experimentelle Musik, Klangkunst und Performance — mit Konzerten, Installationen und partizipativen Formaten, bei denen Zuhören und Mitmachen nicht immer klar getrennt sind. Zentrales Objekt des diesjährigen Festivals ist M/I/K/A\D/O/S: eine Lichtinstallation, deren Elemente an die Stäbe eines Mikado-Spiels erinnern — präzise angeordnet, einen Lichttunnel bildend, den man durchschreiten und von innen erkunden kann. Form, Licht und Raum, aus wechselnden Perspektiven. Das klingt nach Kunstbeschreibung, ist aber schlicht so: Man geht rein, und es sieht jedes Mal anders aus.
Tickets und Programm: www.experimance.de
Kinder bauen Geräusche
Am selben Festivaltag — Samstag, 9. Mai — gibt es am Osthafen Dinge, die sich Kinder zwischen 10 und 14 Jahren merken werden. Um 10:30 Uhr startet der Knattermax-Workshop: Kinder bauen ihr eigenes Instrument aus einfachen Materialien, experimentieren mit Klang, Resonanz, überraschenden Geräuschen. Kein Vorwissen nötig, kein Ergebnis, das vorher feststeht. Um 17 Uhr folgt eine Führung über das Experimance Festival mit Kathrin Lambert, der Gründerin — ein Blick hinter die Kulissen des Klangkunstprogramms, ohne Schulstunde. Beide Angebote sind Teil des Projekts [INTER]GENERATION, beide kostenlos, beide nur nach Anmeldung: ichbindabei@kulturgut-ost.de
Um 13 Uhr fällt der Startschuss
Am Tag nach dem Experimance-Wochenende, Sonntag, 10. Mai, geht es draußen weiter. Der Wings for Life World Run macht in seiner Saarland-Edition zum zweiten Mal am Osthafen Station — initiiert von den Rigatoni Runners, in Zusammenarbeit mit Red Bull. Das Prinzip: weltweit gleichzeitig laufen, für die Rückenmarksforschung, jede Strecke zählt. Startschuss ist um 13 Uhr. Danach: Musik, Drinks und Snacks im Silogärtchjen. Wer zum Lauf ein Funktionsshirt tragen will, das auch noch etwas Sinnvolles tut — der Gewinn aus dem eigens produzierten Shirt geht an eine lokale Institution für Menschen mit Querschnittslähmung.
Anmeldung und Infos zum Lauf auf der Veranstaltungswebsite.
Eine Frau rennt. Für ihr Leben.
Mitte Mai, 15. und 16. Mai, feiert im Silodom eine Soloperformance Premiere, der man nicht ausweichen können wird: Chimära 2.1 von Thorsten Köhler und Nina Schopka. Eine Frau rennt — ein Parcours zwischen düsterer Science-Fiction und, wie es im Material heißt, radikaler Hoffnung. Die Welt wankt zwischen Krieg, Not und Klimakollaps. Panik ist legitim, aber sie ändert nichts — so lautet die Ausgangslage. Der Silodom ist kein normaler Theaterraum. Was dort gespielt wird, muss sich das verdienen. „Hier wird nicht höflich angeklopft, hier wird die Türe eingetreten“ — das ist nicht die Kritikerstimme, das ist die Ankündigung.
Tickets: über die Veranstaltungswebsite.
Vom Objekt zum Subjekt
Am gleichen Samstag, 16. Mai, aber mit anderen Koordinaten: Ab 20 Uhr findet SLUTFAMIA statt — eine Abendveranstaltung, die ihren Titel ernst nimmt. Stripperinnen, Pole Dancerinnen, ein Girl Crush Act und Überraschungsacts, begleitet von einer Live-Band aus Saxofon, Bass, Gitarre, Gesang und Percussion — ganz in der Tradition früher US-Stripclubs, aber mit einem anderen Vorzeichen. SLUTFAMIA handelt von Sinnlichkeit und Selbstbestimmung, von Sisterhood, von der Frage, wem ein Körper gehört. Gespräche über Scham und Lust, eingeladen ins Publikum. Das ist kein Burlesque-Abend, der sich als progressiv vermarktet — das ist ein Abend, der seinen eigenen Begriff dafür gefunden hat.
Tickets: über die Veranstaltungswebsite.
Bass. Tiefe. Kontinuität.
Das Festival Perspectives schickt im Mai seinen Festivalclub zweimal in den Sektor Heimat — einmal Dub, einmal Funk, an zwei verschiedenen Samstagen. Am 23. Mai kommt SUPERDUB: S/STA NAFA aus Paris und Kamerun, EMPRESS BLACK OMOLO aus Rotterdam und Kenia, das DEEP VIBRATION SOUNDSYSTEM aus Saarbrücken — verbunden durch DJ-Sets und Live-Acts zu einem Abend, der auf Tiefe setzt, nicht auf schnelle Höhepunkte. Roots, Dub, Soundsystem-Kultur, warmes Low-End. Kooperation mit dem DEEP ROOTS SOUNDSYSTEM. Am 30. Mai folgt SUPERFUNK: SIDNEY aus Paris, SHRIZZN MAZE aus Paris und Basel, MOFAK aus Marseille, FUNKFREAKS & FRIENDS — Funk, Boogie, Electro, Dance. Ein Abend, der Ästhetiken vergangener Jahrzehnte aufruft, ohne dabei stecken zu bleiben.
Noch kurz:
Wer den Mai am Osthafen ruhiger angehen will: Am 3. Mai findet das Tierschutz Sommerfest statt (11 bis 17 Uhr), mit dem Zentrum Hunde Verstehen und weiteren Organisationen — Tombola, Essen, Getränke, der gesamte Gewinn geht an den Tierschutz.
Am 5. Mai startet um 12 Uhr der Ticketvorverkauf für das [ tra’vers ] festival, das erst im Oktober im Saarländischen Staatstheater und der Alten Feuerwache stattfindet — aber wer früh plant: www.travers-festival.de, Tickets über den Ticketshop des Saarländischen Staatstheaters.
Am 24. Mai gibt es im Silogarten Yoga und Brunch — zwei Slots, 10 bis 11 Uhr und 13 bis 14 Uhr, 38 Euro, nur mit Anmeldung: sofra@thonets.com. Wer nach der Clubnacht davor noch etwas in den Beinen hat, weiß selbst, was ihm das wert ist.


