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Encore!-Festival: Barbara Bruhn & Frank Lion über Kunst, Begegnung und urbane Magie


Es sind diese kleinen Momente, in denen man stehen bleibt. Wenn plötzlich mitten in der Stadt jemand jongliert. Wenn Musik erklingt, wo man sie nicht erwartet. Das Encore!-Festival schafft genau solche Augenblicke – zehn Tage lang wird Saarbrücken zur offenen Bühne. Nicht im klassischen Sinn, sondern als Spielfeld für Tanz, Akrobatik, Objekttheater und Musik – oft ohne Worte, aber mit Wirkung. Hinter dem Festival stehen Barbara Bruhn und Frank Lion. Seit 2021 machen sie Kunst erlebbar, wo das Leben spielt.

Frau Bruhn, Herr Lion – Sie schreiben im Vorwort vom Zauber, der im Zusammenspiel aus Poesie, Humor und Lebensnähe entsteht. Was ist Ihnen beim Konzept besonders wichtig?

Im Grunde genommen war und ist uns eigentlich immer dasselbe wichtig: Wir möchten, dass die Menschen zusammenkommen, gemeinsam Kultur erleben können und schöne, ergreifende, fröhliche Momente teilen. Und dies ohne irgendwelche Barrieren jedweder Art. Das gemeinsame kulturelle Erleben in offener und urbaner Atmosphäre fördert das gesellschaftliche Miteinander.

Das Zentrum des Festivals ist in diesem Jahr nicht mehr das Theaterschiff, sondern der Tbilisser Platz – ergänzt durch neue Orte wie den Ludwigsplatz oder das Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Was hat Sie zu dieser Neuverortung bewogen?

Der Ludwigsplatz ist ideal für unsere große Auftaktveranstaltung und den Tbilisser Platz haben wir jetzt als festen Festivalort für die ganze Festivaldauer dazugenommen um noch sichtbarer in der Stadt zu sein. Wir möchten, dass die Menschen das Festival in der Stadt wahrnehmen, unsere Festivalatmosphäre soll für jeden fühlbar sein. Auch außerhalb der Veranstaltungen wird es dort die Möglichkeit des Verweilens geben. Zudem ist die Baustellensituation am Finanzministerium und dem Finanzamt nicht ganz einfach. Der Besucherbereich ist durch die Bauzäune sehr eingeschränkt, der Zugang ist insgesamt schwieriger, es war nicht abzusehen, wie es insgesamt dort unten weitergeht…Aber es ist uns nicht leichtgefallen, auf diese ganz besondere Atmosphäre am Schiff und der schwimmenden Bühne Encore zu verzichten.

Auf der Bühne stehen Ensembles aus ganz Europa – darunter Frankreich, Belgien, Spanien, Polen, Ukraine, Deutschland – mit unterschiedlichsten künstlerischen Handschriften. Wie entsteht aus dieser Vielfalt ein kuratorisches Ganzes?

Wir wollen möglichst alle Produktionen, die wir einladen, vorher gesehen haben. Das gelingt uns auch weitgehend. Wir sind viel unterwegs und sehen im Jahr ca. 150 Darbietungen. Die Auswahl, die wir bei Encore! zeigen, ist sehr persönlich. Sie präsentiert das, was unseren Qualitätsansprüchen entspricht und was wir für sehenswert halten. Natürlich mit einem konzeptionellen Rahmen. Im besten Fall wirkt das Festival wie eine große Inszenierung, hat wie ein Theaterabend seine innere Dramaturgie – mit Steigerungen, Pausen, Überraschungen. 

Wenn Kunst im öffentlichen Raum stattfindet, wird jede Passantin, jeder Passant zum potenziellen Publikum. Wie bewusst begegnen Sie diesem Spannungsfeld zwischen Offenheit und möglicher Überforderung? 

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