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Marilyn Monroes letzte Fotosession hängt ab Mitte August in Püttlingen in der Galerie Schwan

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Von Stephan Bonaventura

Im Jubiläumsjahr zeigen Los Angeles und London große Marilyn-Schauen. Ab dem 16. August hängt in der saarländischen Galerie Schwan, was ein LIFE-Fotograf 1962 in ihrem Haus sah – und was danach sechs Jahrzehnte im Archiv lag.

Am 1. Juni wäre Marilyn Monroe hundert Jahre alt geworden, und die Museumswelt hat sich darauf ungefähr so vorbereitet wie auf einen Staatsbesuch. Das Academy Museum in Los Angeles zeigt sie noch bis Februar 2027, die National Portrait Gallery in London bis Anfang September, Zaragoza bis Ende September, Singen und Schwäbisch Gmünd bis in den Herbst. Ab dem 16. August hängt ein Teil dieser Geschichte im kleinen saarländischen Püttlingen mit etwa 18.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Die Galerie Schwan zeigt unter dem Titel „Marilyn 100“ Fotografien und Tonaufnahmen aus der amerikanischen Sammlung „Marilyn: The Lost Last Photos & Interview„, Material, das mehr als sechs Jahrzehnte unveröffentlicht blieb. Die Vernissage beginnt am Sonntag um 14.30 Uhr, die Einführung um 14.45 Uhr. Bis zum 12. September bleibt die Schau zu sehen.

Marilyn Monroe – Foto: © Allan Grant

Ein Nachmittag in Brentwood – das letzte Interview

Die Vorgeschichte beginnt Anfang 1962 mit einer Idee, die nichts mit Marilyn Monroe zu tun hatte. Richard Meryman, Redakteur beim LIFE-Magazin, wollte über Ruhm schreiben. Cary Grant sagte ab. Also fragte er die Frau, die für viele die Verkörperung des Ruhms war, und sie sagte zu. Nach Darstellung der Sammlung führte Meryman das Gespräch am 1. Mai 1962 in Monroes neuem Haus im Stadtteil Brentwood, über vier Stunden lang; im Juni trafen sie sich noch einmal. Inzwischen hatte Twentieth Century Fox sie vom Set von „Something’s Got to Give“ geworfen und verklagt. Aus dem Essay über Prominenz wurde für sie die Gelegenheit, ihre Version zu erzählen.

Am 7. Juli kam dann der Fotograf hinzu. Allan Grant machte in Brentwood Bilder, die man sich vielleicht nicht als Starporträts im üblichen Sinn vorstellt. Kein Studio, keine Bühne. Es war ihre letzte formelle Fotosession und die einzige in diesem Haus. Die LIFE-Ausgabe mit Merymans Text erschien am 3. August, zwei Tage später war Marilyn Monroe tot, sechsunddreißig Jahre alt. Aus dem Ruhm-Essay wurde über Nacht „The Last Interview“, und der größte Teil von Grants Aufnahmen verschwand im Archiv.

Zu sehen sind die Bilder, zu hören ist ihre Stimme. Meryman hatte das Gespräch schon vor dem Fototermin aufgezeichnet, und auf den Bändern spricht eine Frau über Ruhm, als wäre er die Angelegenheit einer anderen. Sie denke gar nicht über sich als berühmt nach, sagt sie; es zähle doch, was man tue.

Der Mann hinter der Kamera

Allan Grant kommt in der Marilyn-Erzählung meist nur als Fußnote vor. Zu Unrecht. Geboren 1919 in New York, tauschte er als Jugendlicher ein selbstgebautes Modellflugzeug gegen eine kleine Kodak. Einer seiner frühen Jobs war ein Fotolabor, in dem er Abzüge von Alfred Eisenstaedt und Robert Capa herstellte. Bei LIFE blieb er von den 1940er-Jahren bis in die späten Sechziger.

Allan Grant – Foto: © Allan Grant

Was er fotografierte, ist ein gewichtiges Register der amerikanischen Nachkriegsjahrzehnte. Er lichtete Audrey Hepburn und Grace Kelly ab, während die beiden 1956 hinter der Bühne der Oscarverleihung warteten, James Dean bei den Dreharbeiten zu „Giganten“, Elizabeth Taylor nach ihrem Oscar, dazu Kirk Douglas, Paul Newman, Dean Martin und Ella Fitzgerald. Er dokumentierte auch Atomtests in Nevada, fotografierte Richard Nixon mit dem Gartenschlauch auf dem Dach seines Hauses während der Brände von Bel Air und machte nach Dallas die ersten Bilder von Marina Oswald. Anfang der Neunziger fragte ihn sein langjähriger LIFE-Kollege John Loengard, für was für einen Fotografen er sich denn halte. Erst einmal für einen guten, antwortete Grant; er sei sehr vielseitig gewesen und habe alles gemacht. 2008 starb er in Brentwood, dem Stadtteil, in dem die Marilyn-Bilder entstanden waren.

Die Zeitschrift auf dem Ateliertisch

Als James Francis Gill im Sommer 1962 in Los Angeles ankam, hatte er einen Stapel Bilder im Gepäck und noch keinen Namen. Geboren 1934 im texanischen Tahoka, aufgewachsen in San Angelo, war er über die Architekturzeichnung zur Malerei gekommen. Dann starb Marilyn Monroe, und die Stadt stand unter Schock. Auf dem Tisch seines Ateliers lag die LIFE-Ausgabe vom 3. August, jene mit Grants Fotografien. Er habe sie zur Vorlage genommen und das Triptychon in etwa drei Tagen gemalt, erzählt er später.

James Francis Gill – Foto: © James Francis Gill

Das Werk, bekannt als „Marilyn Triptych“ und im Bestand des Museum of Modern Art schlicht „Marilyn“, wurde sein Durchbruch. Die drei Tafeln in Öl auf Holz messen je rund 122 mal 91 Zentimeter; ins Museum kamen sie als Schenkung des Sammlerpaares de Menil. Gill wurde zu einem Protagonisten der Pop-Art und arbeitete sich in den Sechzigern an Vietnam, Bürgerrechten und Medienmacht ab. Dann stieg er 1972 auf dem Höhepunkt aus, verkaufte Haus und einen Großteil seiner Bilder und zog in die Wildnis Nordkaliforniens. Gemalt hat er weiter, ausgestellt zwei Jahrzehnte lang nicht. Erst in den Neunzigern entdeckten Galerien und Museen ihn wieder.

Mehr als sechzig Jahre später wurde er eingeladen, noch einmal an denselben Nachmittag heranzugehen, anhand der unveröffentlichten Motive. So entstand „Marilyn Triptych 3″, datiert 2025, Acryl auf Leinwand. Gill liest die beiden Arbeiten gegeneinander. Das Rot des ersten habe für Drama, Leidenschaft und Schmerz gestanden, das Blau des neuen stehe für Ruhe und Nachdenklichkeit. Nicht mehr die gestürzte Ikone, sagt er, sondern die Frau, die im eigenen Haus für einen Moment sie selbst war.

In Püttlingen ist davon nun eine streng limitierte Edition zu sehen und dazu weitere Unikate und Editionen Gills. Ergänzt wird die Schau um Marilyn-Arbeiten von Andy Warhol, von SAXA, hinter dem Namen steht Sascha Lehmann, der seine Bilder Buchstabe für Buchstabe schreibt, und von Dan Pyle, dessen hyperrealistische Kohlezeichnungen Fotografie und Zeichnung ineinanderschieben.

Marilyn Monroe – Foto: © Allan Grant | Grafik Galerie Schwan

Eine Galerie, die sich nicht klein macht

Dass Püttlingen in dieser Reihe großer Ausstellungsorte auftaucht, zwischen Los Angeles, London und Zaragoza, hat mit einem Mann zu tun, der die andere Seite der Kamera kennt. Michael Schwan, Jahrgang 1988, wuchs in Saarbrücken auf, und mit achtzehn merkte er, dass die kleine Kamera, mit der er angefangen hatte, an ihre Grenzen kam. Studiert hat er dann etwas anderes, Werkstofftechnik in Freiberg, aber die Fotografie ließ ihn nicht mehr los.

Sein Thema wurde das Verlassene. Für seine Lost-Places-Serien fährt er quer durch Europa, nur mit der Kamera, und bringt aus Räumen, die niemand mehr betritt, Bilder von Schönheit, Verfall und Nostalgie zurück. Gedruckt haben sie Saarbrücker Zeitung, Stern und Yahoo, ZDF und Saarländischer Rundfunk sind auf ihn aufmerksam geworden. 2020 und 2021 zählte er beim britischen Aesthetica Art Prize zu den Top 100 der Gegenwartskunst, seine Arbeiten hingen in York, Venedig, Stockholm und Miami, 2022 kam die erste große Einzelausstellung in Seoul.

Im selben Jahr eröffnete er mitten in Püttlingen die eigene Galerie, über hundert Quadratmeter, lichtdurchflutet, mit einer Rahmenmanufaktur im Haus. Es hat eine eigene Logik, dass jemand, der leere Räume fotografiert, sich einen Raum baut, in dem geschaut wird. Was seither an den Wänden hing, ist für ein Haus dieser Größe erstaunlich – Armin Mueller-Stahl zum Auftakt, dann Rizzi und Janosch, Picasso zum fünfzigsten Todesjahr, Chagall, Christo und Jeanne-Claude, 2025 Warhol und Gill gemeinsam, zuletzt die Zeichnungen von Bob Dylan. Von dort führt eine Linie zu „Marilyn 100“. Als Nächstes kommen Yijie Gong im September, Lüpertz und Immendorff im November.

Man kann das als Angebot lesen, für solche Bilder nicht erst nach Köln oder Paris fahren zu müssen. Ab dem 16. August hängt Marilyn Monroe dort, wo bis in den Juni Bob Dylans Zeichnungen hingen. Die Reise nach Püttlingen wird sich lohnen.

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