Der Applaus kommt in dem Moment, als Anna Zeppke die Schlusslinie einhändig reitet. Starker Galopp, eine Halle mit 800 Tribünenplätzen – und laut Pferdesportverband Saar tosender Applaus im Viereck. Es ist Sonntag, der letzte der vier Turniertage des 16. Internationalen Dressurfestivals in Saarlouis. Wer hier gewinnt, hat sich das gegen Konkurrenz aus neun Nationen verdient.
Zeppke, Reiterin des gastgebenden Vereins Reiterbund 64 Saarlouis e.V., gewinnt den Großen Preis des Saarlandes. Mit ihrem zehnjährigen Hannoveraner Wallach Diogenes GG reitet sie eine eindrucksvolle Kür. Gegenüber dem Pferdesportverband Saar sagt sie danach: „Ich habe den Sieg gar nicht avisiert, sondern wollte das Beste aus meinem noch jungen Pferd herausholen und schauen, wie sicher er sich fühlt.“ Was Diogenes GG trotz der Flaggen aus aller Welt, die von der Hallendecke wehen, trotz Kulisse und Publikumslärm zeigt: Arbeitswille und Konzentration.
Neun Nationen, 500 Starts, vier Tage
Bereits zum 16. Mal findet das Dressurfestival auf dem Wiesenhof statt – und es hat sich zu einer wichtigen Adresse im Dressursport entwickelt. Bei rund 500 Starts traten sowohl regionale als auch internationale Teams aus Pferd und Reiter an – eine organisatorische Mammutaufgabe, wie der Pferdesportverband Saar festhält. Über 130 Reiterinnen und Reiter aus Deutschland, Belgien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Dänemark, den USA, Australien und Kanada waren vom 23. bis 26. April am Start.
Den zweiten Platz belegt Mathilde Koefoed-Nielsen aus Dänemark mit Seziano Forte. Sie ist die Vorjahressiegerin – und macht gegenüber dem Pferdesportverband Saar keinen Hehl daraus, dass sie ihren Titel gerne verteidigt hätte, in Anna Zeppke aber früh eine starke Konkurrenz gesehen habe. Mit ihrem eigenen Ritt zeigt sie sich zufrieden, auch wenn es kleine Spannungssituationen gegeben habe. Das Ambiente in Saarlouis, so Koefoed-Nielsen gegenüber dem Pferdesportverband Saar, sei jedes Jahr etwas Besonderes. Tina Collbus vom TRV Heiligenwald e.V. belegt mit Fürst von der Ohe Platz vier – eine weitere saarländische Starterin unter den Platzierten.
Das Prinzip Wiesenhof
Hinter einem Turnier dieser Größenordnung steckt ein erheblicher Aufwand. An drei Helferwochenenden wurde die Anlage erst turniertauglich gemacht. Veranstalter Patrick Diny beschreibt das Prinzip, das das Festival trägt, gegenüber dem Pferdesportverband Saar so: „Meine Familie und auch die meisten Vorstandsmitglieder sind selbst sportlich aktiv. Wir kennen die Perspektive der Reiterinnen und Reiter von innen heraus.“ Mit dieser Sichtweise habe man das Turnier über Jahre konsequent weiterentwickelt – besonders in den vergangenen drei Jahren sei es, auch durch die Unterstützung erfolgreicher teilnehmender Reiterinnen und Reiter, sowohl quantitativ als auch qualitativ deutlich gewachsen.
Dass Diny nicht nur organisiert, sondern auch selbst reitet, unterstrich er am ersten Turniertag: In einer Reitpferdeprüfung ging er selbst an den Start und sicherte sich den dritten Platz. Gemeinsam mit seiner Schwester Michèle Diny betont er gegenüber dem Pferdesportverband Saar die Bedeutung des Teams: „Ohne absolute Profis an unserer Seite wäre ein Turnier auf diesem Niveau nicht möglich.“
Dass das funktioniert, bestätigt das internationale Feedback: Teilnehmerinnen und Teilnehmer hoben laut Pferdesportverband Saar neben der sportlichen Qualität vor allem das familiäre Umfeld und die besondere Kulisse in Saarlouis hervor.
Saarlouis gratuliert
Bürgermeister Carsten Quirin verfolgte den Wettbewerb persönlich und gratulierte bei der Siegerehrung. In der offiziellen Mitteilung der Stadt heißt es von ihm: „Wir sind glücklich und stolz, Austragungsort des internationalen Dressurfestivals zu sein. Die vertrauensvolle Verbindung zwischen Mensch und Tier ist ebenso wie die Fairness im Wettkampf ein Wert, der weit über den Sport hinausgeht. Gerade in einer Zeit der Schnelllebigkeit und Konkurrenz zeigt uns der Reitsport, wie wichtig Geduld, Respekt und gegenseitiges Vertrauen sind.“ Dem Verein und den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sprach er ausdrücklichen Dank aus.

Ministerpräsidentin Anke Rehlinger unterstützt den Pferdesport im Saarland – das Finale des Festivals war eine internationale Kür zur Qualifikation für den Preis der Ministerpräsidentin des Saarlandes. Der Veranstalter dankte ihr laut Pferdesportverband Saar abschließend ausdrücklich für diese Unterstützung.
Und 2027?
Für die Zukunft plant der Veranstalter, neben Prüfungen der mittelschweren und schweren Klasse auch Youngster-Prüfungen weiter auszubauen. Aufgrund des enorm positiven Feedbacks nach diesem Jahr rechnet man bereits 2027 mit noch mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Anna Zeppke dürfte dann wieder dabei sein. Ob sie diesmal aufs Siegen zielt – oder wieder einfach schaut, wie weit ihr Pferd sie trägt.



