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Herzdruckmassage, Notruf, Schwarzlicht – der 1. Saarländische Notfalltag übt den Ernstfall

Erste Hilfe lernen, bevor es darauf ankommt: Der 1. Saarländische Notfalltag am UKS Homburg öffnet zehn Mitmachstationen für alle – Kinder, Eltern, Jugendliche, Erwachsene.

Jemand bricht zusammen. Mitten auf der Straße, im Supermarkt, auf dem Spielplatz. Kein Sanitäter in Sichtweite, kein Arzt, kein Jemand-der-das-kann – nur Umstehende, die sich ansehen. Was jetzt? Die meisten Menschen scheitern in diesem Moment nicht am fehlenden Mut, sondern am fehlenden Wissen. Erste Hilfe gehört hierzulande zwar zur Führerscheinprüfung – aber danach, meistens: nie wieder.

Genau da setzt der 1. Saarländische Notfalltag an. Zehn Mitmachstationen, Vorträge, kostenloser Eintritt – und ein Konzept, das nicht auf Merkblätter setzt, sondern auf Anfassen, Ausprobieren, Begreifen. Veranstaltet wird der Tag von der Kinderinsel Homburg e.V. gemeinsam mit der Björn-Steiger-Stiftung und der IKK Südwest, stattfinden wird er am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg – anlässlich des International Medical Emergency Day.

Zehn Stationen

Jede Station dauert zwischen 15 und 25 Minuten – lang genug, um etwas wirklich zu üben, kurz genug, um im Lauf des Tages mehrere zu besuchen. Und die Stationen lassen sich nicht einfach passiv konsumieren: Man legt Hand an. An der Station der Notaufnahme Kinderklinik geht es um das, was viele Eltern am meisten fürchten. Was tun, wenn ein Baby sich verschluckt? Wenn ein Kleinkind plötzlich nicht mehr reagiert oder eine Vergiftung vermutet wird? Die Antworten gibt es hier nicht als Infoblatt zum Mitnehmen, sondern zum Ausprobieren.

Für Jugendliche und Erwachsene gibt es die Station „Ready to Rescue“: Herzdruckmassage, stabile Seitenlage, Schockbehandlung. Grundlagen, die theoretisch jeder kennt – von denen aber erstaunlich viele Menschen sagen, dass sie im Ernstfall unsicher wären, ob sie das wirklich hinbekämen. Diese Station gibt eine ehrliche Antwort darauf. Für die Jüngsten ist Ritter Björn dabei, das Maskottchen der Björn-Steiger-Stiftung. Mit ihm lernen Kinder aus Kita und Grundschule spielerisch, was zu tun ist, wenn jemand Hilfe braucht – kein erhobener Zeigefinger, kein Angstmachen. Eher so, wie man einem Kind erklärt, wie man Fahrrad fährt. Dann gibt es die Station, die sich wohl die wenigsten so vorgestellt hätten: die live erlebbare Einsatzleitstelle. Wie läuft ein Notruf ab, wenn man die 112 wählt? Was fragt der Disponent zuerst? Was sollte man auf keinen Fall vergessen zu sagen? Die Leitstelle Saarland macht das erfahrbar – und das ist, bei aller Ernsthaftigkeit, eine der faszinierendsten Stationen des Tages.

Das Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie am UKS zeigt die PECH-Regel bei Verstauchungen und Prellungen: Pause, Eis, Compression, Hochlagern. Die Kinderchirurgie erklärt, was bei Verbrühungen und Verbrennungen sofort zu tun ist – und was auf keinen Fall. Die Teddy Klinik ist gleich an zwei Stationen dabei: Wundversorgung und Zahnpflege für Kinder. Die Notaufnahme zeigt, wie Eltern und Kinder gemeinsam einschätzen können, ob gerade ein Notfall vorliegt – oder ob morgen der Kinderarzt reicht. Und dann ist da noch das Schwarzlicht-Labor der Medizinischen Mikrobiologie. Es braucht nur zwei Minuten – und hinterlässt trotzdem Eindruck. Unter UV-Licht wird sichtbar, was das bloße Auge nicht sieht. Was danach anders ist: Man wäscht sich die Hände anders.

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Maya 4 Jahre – Foto (Jenny Nguyen)

Wer dahintersteckt – und warum

Die Kinderinsel Homburg e.V. ist der Förderverein für kranke und chronisch kranke Kinder und Jugendliche im Saarland, angesiedelt direkt am UKS. Ihr geht es nicht nur darum, die Kinderklinik zu unterstützen – sondern auch darum, Wissen in die Gesellschaft zu tragen, bevor der Ernstfall eintritt. Denn der trifft Familien im Saarland häufiger, als man denkt: Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist mehr als jedes zehnte Kind in Deutschland von einer chronischen Erkrankung betroffen. Viele dieser Fälle werden im Zentrum für Seltene Erkrankungen und den Spezialambulanzen am UKS behandelt. Die Björn-Steiger-Stiftung setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Erste Hilfe nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder selbstverständlich wird. Die IKK Südwest bringt Expertise rund um Pflege mit – ein Thema, das im Kontext von Kindern und Jugendlichen oft zu kurz kommt.

Vorträge ab Mittag

Wer sich neben den Mitmachstationen noch tiefer einlesen möchte, findet ab Mittag ein Vortragsprogramm. Um 13 Uhr und um 15 Uhr spricht die IKK-Südwest-Pflegeberatung – Kathrin Rauschkolb und Tina Lauer – über Pflegebedürftigkeit bei Kindern und Jugendlichen und darüber, welche Unterstützung betroffene Familien in Anspruch nehmen können. Ab 14 Uhr hält Prof. Dr. Sören Becker einen Vortrag über den gesunden Darm; PD Dr. Clemens Meier, Kinderchirurg am UKS, referiert über Verbrennungen und Verbrühungen – passend zu seiner Mitmachstation draußen, an der man dieselben Inhalte kurz davor vielleicht schon selbst geübt hat.

Am Ende des Tages wird man vielleicht nicht zum Sanitäter geworden sein. Aber man weiß, wie ein Notruf richtig läuft. Man hat einmal Herzdruckmassage geübt. Man hat gesehen, was unter UV-Licht auf Händen zurückbleibt, die man für sauber hielt. Und man hat – vielleicht zum ersten Mal überhaupt – selbst ausprobiert, wie sich ein Druckverband anfühlt. Das ist mehr, als die meisten von uns je gelernt haben.


Service

1. Saarländischer Notfalltag Mittwoch, 27. Mai 2026 · 11–17 Uhr UKS Homburg, Hörsaalgebäude (Geb. 35) Eintritt frei · Gruppenanmeldung erforderlich Alle Infos und Anmeldung: saarlaendischer-notfalltag.de

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