Wer am Wochenende um den Sommeranfang die Ohren offenhält, hört längst nicht nur in der Landeshauptstadt Musik auf der Straße – das ganze Saarland stimmt mit ein.
In einem Café in der Saarbrücker Innenstadt sitzt am frühen Nachmittag eine junge Harfenistin vor ihrem Instrument, mitten zwischen Gästen, die eigentlich nur einen Kaffee bestellen wollten. Keine vierzig Kilometer weiter, auf dem Rathausvorplatz von Rehlingen-Siersburg, packt eine vierköpfige Band Banjo und Steelguitar aus. Beides gehört zum selben Wochenende: Am 20. und 21. Juni verwandelt sich das Saarland für ein paar Stunden in eine weit verzweigte Bühne, von der Landeshauptstadt bis ins Dorf, und niemand zahlt dafür Eintritt.
Die Idee dazu ist über vierzig Jahre alt und stammt aus Paris, wo der damalige Kulturminister Jack Lang 1982 Amateure und Profis gemeinsam auf die Straße holte. Inzwischen ist daraus ein Fest in mehr als 1000 Städten weltweit geworden; in Deutschland zählte das koordinierende Musikzentrum Hannover zuletzt über 140 teilnehmende Kommunen. Vier davon liegen im Saarland.
Saarbrücken macht den Anfang
Den größten Teil des Programms übernimmt traditionell die Landeshauptstadt. Mehr als 40 Musikgruppen verteilen sich am Sonntag, 21. Juni, auf Plätze, Grünflächen und die Bereiche vor Cafés und Bars – offiziell eröffnet Oberbürgermeister Uwe Conradt das Fest um 15 Uhr im Kleinen Theater im Bürgerpark Hafeninsel.
Schon ab 14 Uhr singt der Hochschulchor „half ton waves“ Popmusik im Kulturcafé am St. Johanner Markt. Zur gleichen Zeit spielt im Café Moccachili in der Evangelisch-Kirch-Straße die Band „Black Coffee“ Jazz, bevor dort ab 16 Uhr „Die Himbis“ mit Folk übernehmen. Um 14.30 Uhr mischt die „Pälzer Cantry Bänd“ im Wirtshaus Zur Wilden Ente Country mit Reggae, Rock und Blues, und um 15 Uhr dreht sich an der Tabaksmühle ein Drehorgelduo durch sein Repertoire.
Am Abend übernehmen weitere Bühnen: Ab 16.30 Uhr spielt „The New Wild Roses“ Hard Rock und Classic Rock an der Beachbar OneBeach an der Bismarckbrücke. Ab 18 Uhr folgen dort „Prison Bound“ mit Rock, Country und Punkrock, im Hinterhof der Mainzer Straße 8 „The Vintage Men“ mit Blues, vor dem Irish Pub Old Murphy’s am St. Johanner Markt Maurice William mit Rock, Pop, Jazz und Folk, und vor dem Lokal Tomate 2 in der Schloßstraße „Friends Connection“ mit Oldies, Blues und Chansons.
Eine zweite, leisere Spur durch die Stadt bieten in diesem Jahr zum dritten Mal die „Klingenden Cafés“ der Musikfestspiele Saar: Von 12 bis 18 Uhr wandert das Publikum stündlich von Lokal zu Lokal, vom Jazz-Tango-Trio Jangosh im Café Kunstherz bis zu den Masters of Blasmusik am Ulanen-Pavillon. Die Band Connell’s Crown, ursprünglich aus Saarlouis, hat für ihren Auftritt im Café Hauck sogar französische Chansons ins Programm genommen – ein kleiner Gruß an den Ursprung des Festes.
Homburg legt einen Tag früher los
Wer nicht bis Sonntag warten will, fährt in die Saarpfalz: Homburg ist Mitglied der internationalen Fête Company und beteiligt sich nach Angaben des bundesweiten Netzwerks bereits seit 2013 an der Fête de la Musique – in diesem Jahr schon am Samstag, 20. Juni. Organisiert von der Homburger Kulturgesellschaft treten Musikerinnen und Musiker, Bands und Tanzgruppen honorarfrei in der Innenstadt auf – in den vergangenen Jahren ergänzt durch einen Hiphop- und Rap-Contest, den die Kulturgesellschaft gemeinsam mit dem Jugendbeirat der Stadt veranstaltet, zuletzt auf dem Christian-Weber-Platz.
Am Saargau und an der Saarschleife
Auch im Landkreis Saarlouis klingt es an diesem Wochenende anders. In Rehlingen-Siersburg verwandelt sich der Rathausvorplatz am Sonntag in eine Art musikalisches Wimmelbild: Das Duo Moon Addicts spielt gefühlvollen Akustik-Pop-Rock, die vierköpfigen DE NIED BEATS holen mit Banjo und Steelguitar Beat- und Countryklassiker zurück, und die Jug Stompers lassen den Sound der Blues- und Ragtime-Tradition der 1920er- und 1930er-Jahre wieder aufleben. Außerdem tanzen die Kinder- und Hip-Hop-Gruppen des Turnverein Überherrn, „Samba om Gau“ bringt eine generationsübergreifende Truppe zwischen zehn und 65 Jahren auf die Bühne – und mit dem Trio GADJANGO steht sogar Gipsy-Jazz nach Django Reinhardt auf dem Programm, als wäre der Saargau schon immer ein Vorort von Paris gewesen.
Im benachbarten Landkreis Merzig-Wadern ist außerdem Mettlach seit 2015 Teil des bundesweiten Netzwerks – organisiert vom Live-Musikclub De Keller.
Wo und wann im Saarland
Saarbrücken – Sonntag, 21. Juni, ab 12 Uhr (Klingende Cafés) bzw. ab 14 Uhr (Hauptprogramm), Eröffnung 15 Uhr im Kleinen Theater im Bürgerpark Hafeninsel, Programm unter saarbruecken.de/fete.
Homburg – Samstag, 20. Juni, Innenstadt, organisiert von der Homburger Kulturgesellschaft.
Rehlingen-Siersburg – Sonntag, 21. Juni, Rathausvorplatz, mit GADJANGO, „Samba om Gau“ und weiteren Acts.
Mettlach – seit 2015 Teil des Netzwerks, organisiert vom Live-Musikclub De Keller.
Tickets braucht niemand von alledem. Die einzige Eintrittskarte heißt Zuhören – und die gilt für Zehnjährige genauso wie für Fünfundsechzigjährige.



