Sie ist die Frau für die Momente, in denen das Herz klopft, die Tränen fließen oder die Welt kurz stillsteht. Corinne Huberty – im Saarland längst unter ihrem Markennamen „Frau Liebe“ bekannt – hat geschafft, wovon viele träumen: Sie hat ihre Gabe für Kommunikation in eine Mission verwandelt, die Menschen glücklich macht. Dabei war ihr Weg nicht immer mit Rosenblättern bestreut. Bevor sie zur Expertin für die ganz großen Gefühle wurde, bewegte sie sich in der strukturierten Welt von Marketing, PR und Unternehmenskommunikation. Doch erst die Planung ihrer eigenen Hochzeit zündete den Funken, der heute als helles Feuer brennt. Als freie Rednerin, Hochzeitsplanerin und Moderatorin begleitet sie Menschen an den wichtigsten Wendepunkten ihres Lebens – vom ersten Willkommensfest für Neugeborene über das Ja-Wort unter freiem Himmel bis hin zum letzten, schweren Abschied. Im Interview spricht Corinne Huberty darüber, warum eine gute Zeremonie sich wie „Netflix & Chill“ anfühlen muss, wie sie den Druck von perfekten Pinterest-Boards nimmt und warum es manchmal Mut braucht, das Leben erst richtig anzufassen, um davon berührt zu werden.
Frau Huberty, wenn man Ihnen heute begegnet, trifft man nicht einfach nur eine Dienstleisterin, sondern „Frau Liebe“. Wenn Sie Menschen erklären, was Sie eigentlich beruflich machen – wie beschreiben Sie selbst Ihre Mission?
Mein Job ist es schlichtweg, Menschen glücklich zu machen. Ich arbeite als freie Rednerin für die ganz großen emotionalen Momente: Hochzeiten, Willkommensfeiern und auch Trauerfeiern. Zusätzlich bin ich als Eventmoderatorin tätig. Aber es bleibt nicht nur beim Reden. Ich plane und organisiere auch Hochzeiten und Firmenfeiern mit viel Herzblut und einer großen Liebe zum Detail.
Dieser Fokus auf das „Glücklichmachen“ spiegelt sich auch in Ihrem Namen wider. „Frau Liebe“ klingt fast wie ein Ehrentitel. Was bedeutet Ihnen dieser Name ganz persönlich?
Er bedeutet mir sehr viel! „Frau Liebe“ ist inzwischen zu einer echten Marke geworden – etwas, womit mich die Leute da draußen sofort identifizieren. Es macht mich schon ein bisschen stolz, dass mich Freunde und Bekannte inzwischen oft „Frau Liebe“ statt „Corinne“ nennen. Bei der Wahl des Namens war mir wichtig, dass er kurz und prägnant ist, im Gedächtnis bleibt und das Thema genau trifft. Vor allem aber sollte er zu mir passen. Und – zack – war der Name geboren.
Bevor Sie diese Leidenschaft voll ausgelebt haben, war Ihr Weg eher von klassischer Kommunikation geprägt. Was hat Sie ursprünglich dazu gebracht, die Marketing-Welt hinter sich zu lassen und Zeremonien zu Ihrem Beruf zu machen?
Kommunikation war schon immer mein Steckenpferd. Nach dem Studium war ich viele Jahre im Bereich Marketing, PR und Unternehmenskommunikation tätig, wodurch ich früh mit Events und dem Schreiben von Texten in Berührung kam. Aber so richtig „hochzeitlich“ wurde es erst durch meine eigene Hochzeit. Das war der konkrete Auslöser, der mich zum Wedding Planning und zu den freien Trauungen geführt hat.
Das klingt nach einer echten Berufung. Was ist für Sie heute das Schönste an diesem facettenreichen Alltag?
Es ist tatsächlich die Passion, Erinnerungen für die Ewigkeit zu schaffen. Ich liebe es, den mitunter schönsten Tag im Leben meiner Kunden noch ein kleines bisschen schöner zu machen. Ich liebe einfach, was ich tue – und das spüren die Menschen auch. Ihre Dankbarkeit und das Feedback geben mir jeden Tag aufs Neue recht.
Wenn es Ihre Mission ist, Menschen glücklich zu machen, bedeutet das im Umkehrschluss ja auch, dass Ihnen die Menschen sehr viel anvertrauen. Welche Momente fordern Sie in dieser emotionalen Nähe besonders heraus?
Wenn Menschen mir ihre Geschichte erzählen, dann gibt es da eben nicht nur die schönen Momente. Es geht nicht immer nur um die Sonnenseiten, sondern auch um die Schattenseiten des Lebens. Das Leben verläuft nicht immer geradeaus, und diese Tiefe anzunehmen, ist eine Herausforderung, der ich mich in jedem Gespräch stelle.

Sie begegnen dabei den unterschiedlichsten Charakteren. Was haben Sie durch Ihre Arbeit über uns Menschen gelernt?
Sehr viel. Mir ist dadurch noch bewusster geworden, wie individuell wir alle sind und wie unterschiedlich wir unsere Emotionen ausdrücken. Oft stecken wir andere voreilig in Schubladen. Ich probiere deshalb, neutral an jedes Gespräch heranzugehen und mich von der Geschichte überraschen zu lassen. Dabei ist Feingefühl enorm wichtig. Ich versuche die Menschen immer genau an dem Punkt abzuholen, an dem sie gerade emotional stehen.
Diese Emotionalität trifft heute oft auf eine sehr visuelle Welt. Instagram und Pinterest setzen hohe Standards für die „perfekte“ Hochzeit. Wie hat das den Wunsch der Paare in den letzten Jahren verändert?
Instagram und Pinterest lassen grüßen – das Motto lautet oft: immer höher, schneller, weiter. Für mich ist das Fluch und Segen zugleich. Natürlich liebe ich die Umsetzung üppiger Konzepte, aber am Ende muss das Ganze bezahlbar und realistisch bleiben. Was ich aber sehr begrüße: Die Paare werden eigenwilliger. Individualität ist heute extrem wichtig. Die Hochzeit soll von Anfang bis Ende wirklich zu ihnen passen.
Aber wie finden Sie heraus, was ein Paar wirklich möchte, wenn die Moodboards vielleicht nur einen Trend kopieren? Wie blicken Sie hinter diese „perfekten“ Bilder?
Das geschieht in einem sehr intensiven, persönlichen Vorgespräch. Dort erzählen sie mir von ihren Wünschen zu Stil, Farbschema oder Motto, und ich lasse mir natürlich auch Inspirationsbilder zeigen. Daraus erstelle ich dann ein eigenes Moodboard. Wir gehen den Weg gemeinsam: Wir besuchen den Floristen, gestalten den Probetisch und stimmen uns mit der Location ab. Wenn sich am großen Tag dann alle Puzzleteile zu einem Ganzen zusammenfügen und das Paar glücklich ist, ist das für mich jedes Mal eine ganz besondere Freude.
Wenn das visuelle Konzept steht, folgt der Kern Ihrer Arbeit: die Zeremonie selbst. Sie haben einen Hintergrund in Marketing und PR – welche Rolle spielt diese Erfahrung mit Sprache heute, wenn Sie eine Traurede verfassen?
Kommunikation ist hier tatsächlich der entscheidende Schlüssel. Meine langjährige Erfahrung als Texterin und Rednerin bietet mir dabei große Vorteile. Ich habe über die Jahre meinen ganz eigenen Schreibstil entwickelt, den ich für jedes Brautpaar so anpasse, dass er wirklich zu ihm passt. Meistens sehe ich das Paar bei unserem intensiven Planungsgespräch vor mir und weiß durch meine Erfahrung sehr schnell, wie ich den richtigen Ton treffe.
Geht es dabei nur darum, die schönen Gemeinsamkeiten hervorzuheben, oder gibt es auch inhaltliche Grenzen?
Wir eruieren im Gespräch sehr genau die Wünsche und Vorstellungen. Dazu gehören aber auch ganz klar die inhaltlichen „No-Go’s“ – also Dinge, die zum Beispiel die Schwiegermutter während der Zeremonie besser nicht hören sollte. Das kommt in diesen Gesprächen ganz offen zur Sprache.
Wie schaffen Sie es trotz dieser professionellen Vorbereitung, dass die Zeremonie am Ende nicht „inszeniert“, sondern vollkommen authentisch wirkt?
Indem ich so viel „Brautpaar“ wie nur möglich in die Zeremonie hineinpacke. Ich gebe lediglich den groben Rahmen vor, gefüllt wird dieser dann ganz individuell nach den Wünschen des Paares. Auch die eingebundenen Personen und Symbole werden eng mit ihnen abgestimmt. Mein Ziel ist es, dass sich das Paar absolut wohlfühlt. Ich sage immer: Es soll sich anfühlen wie daheim auf der Couch, nur in einem feierlicheren Rahmen – vom Wohlfühl-Charakter her also durchaus vergleichbar mit „Netflix & Chill“. Meine Devise dabei lautet: Alles kann, nichts muss.

Dieses Bedürfnis nach Individualität endet ja nicht bei der Hochzeit. Sie gestalten auch Willkommensfeiern für Kinder. Was unterscheidet eine solche freie Taufe emotional von der traditionellen kirchlichen Variante?
Es ist ähnlich wie beim Vergleich zwischen kirchlicher und freier Trauung: Die Individualität macht den entscheidenden Unterschied aus. Bei einer Willkommensfeier wird alles im Sinne des Kindes mit den Eltern abgestimmt. Die Zeremonie wird ganz persönlich gestaltet – mit der eigenen Geschichte des Kindes, speziellen Symboliken, Ritualen und der Einbindung der engsten Wegbegleiter, seien es Eltern, Geschwister, Großeltern oder Paten.
Mit welchen Erwartungen kommen Eltern denn auf Sie zu, wenn sie sich gegen die klassische Institution entscheiden?
Die Wünsche sind sehr vielfältig. Die Eltern wünschen sich vor allem eine persönliche Rede für ihr Kind und eine Zeremonie, die exakt nach ihren Vorstellungen abläuft. Genau das setzen wir dann um – Sonderwünsche inklusive.
Gibt es ein bestimmtes Ritual bei diesen Feiern, das Ihnen über die Jahre besonders ans Herz gewachsen ist?
Oh ja, den „Koffer des Lebens“ finde ich wundervoll! Dabei wird eine individualisierte Box mit liebevollen Symbolen für das Kind gefüllt. Das kann eine Sonne sein, damit das Kind immer auf der Sonnenseite des Lebens steht, ein Patenbrief oder auch Wünsche der Gäste. Das Schöne ist: Dieser Koffer kann im Laufe des Lebens immer weiter mit Dingen befüllt werden, die für wichtige Meilensteine des Kindes stehen. Es ist eine wunderschöne, bleibende Erinnerung fürs ganze Leben.
Wir haben jetzt viel über den freudigen Beginn des Lebens gesprochen. Doch zu Ihrer Arbeit gehören auch Abschiedsfeiern. Wie kam es dazu, dass Sie sich diesem – sicherlich schwierigen – Thema geöffnet haben?
Als ich mich 2018 selbstständig gemacht habe, war mein Grundgedanke zunächst, Menschen glücklich zu machen. Doch im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass das Thema Abschied genauso untrennbar zum Leben dazugehört. Wo Licht ist, da ist eben auch Schatten. Mir wurde klar, wie wichtig es ist, Menschen auch auf diesem schweren Weg zu begleiten. Es geht darum, Worte zu finden, die tröstlich und warm sind und eine bleibende Erinnerung schaffen. In meinen Zeremonien geht es nicht um das Ende, den Tod oder die reine Trauer. Es geht um das Leben und im Kern natürlich immer um die Liebe.
Das ist ein starker Ansatz. Wie gehen Sie konkret vor, um den Angehörigen in dieser Ausnahmesituation gerecht zu werden?
Das kommt immer darauf an, in welcher Lebensphase der Mensch gehen musste. Allen Angehörigen ist jedoch gemeinsam, dass sie sich eine sehr persönliche Rede wünschen. Es soll um das gelebte Leben gehen, nicht um die letzten Stunden. Dabei gehe ich sehr behutsam vor und treffe die Angehörigen in der Regel in ihrem Zuhause, ihrem „Safe Space“. Ich bin in diesen Gesprächen sehr einfühlsam. Es kann schon mal vorkommen, dass ich im Vorgespräch auch selbst ein paar Tränchen verdrückte. Das empfinde ich absolut nicht als unprofessionell, sondern als menschlich und nahbar.
Wenn die Emotionen so tief gehen, wie bewahren Sie sich selbst die Kraft für die eigentliche Rede?
Eine gute Rede muss von Anfang bis Ende fesseln. Im Vorbereitungsgespräch achte ich darauf, dass die Hinterbliebenen in ihrem vertrauten Umfeld sind, damit sie sich sicher fühlen. Sie haben bei mir alle Zeit der Welt; sie dürfen weinen und sie dürfen ausdrücklich auch lachen. Ich erkläre ihnen genau, wie so ein Abschied abläuft, um ihnen die Angst vor diesem Tag ein Stück weit zu nehmen. Ich fühle intensiv mit, bewahre aber bei der eigentlichen Beisetzung etwas Abstand, damit ich nicht mitweinen muss.
Man merkt, dass der Mensch bei Ihnen immer im Zentrum steht. Warum entscheiden sich Ihrer Meinung nach heutzutage immer mehr Menschen für solche individuellen Zeremonien, abseits der Traditionen?
Weil es schlicht um uns als Individuen geht. Wer möchte schon eine Zeremonie haben, die eins zu eins die Kopie seines Vorgängers ist? Das würde der Einzigartigkeit eines Menschenlebens doch gar nicht gerecht werden.

Inwiefern beeinflussen Themen wie Diversität, Patchwork-Familien oder neue Rollenbilder Ihre tägliche Arbeit?
All diese Entwicklungen setzen vor allem eines voraus: Toleranz. Und eine freie Trauung ist von Natur aus tolerant. Hier darf jeder so sein, wie er ist. Mein Credo ist da ganz einfach: Liebe ist Liebe.
Gibt es eigentlich noch eine Art von Zeremonie, die Sie bisher noch nicht gestalten konnten, die aber ganz oben auf Ihrer Wunschliste steht?
Puh, das ist eine schwierige Frage! In den vergangenen sieben Jahren durfte ich tatsächlich schon unglaublich viele und sehr individuelle Zeremonien gestalten. Ich habe da gar kein spezielles Ziel vor Augen, sondern bin einfach offen für alles, was kommt. Ich freue mich auf jede einzelne Geschichte, die noch auf mich wartet.
Zum Abschluss noch ein Blick auf unsere Leser: Viele befinden sich vielleicht gerade selbst an einem Wendepunkt. Was möchten Sie Menschen mitgeben, die gerade eine Neuorientierung wagen?
Ich würde ihnen gerne sagen, dass es absolut okay ist, genau dort zu stehen. Haben Sie keine Angst, sondern seien Sie mutig. Sie sind nicht allein. Jeder Wendepunkt ist auch immer die Chance für einen echten Neuanfang. Natürlich sind Veränderung und Weiterentwicklung meistens mit Schmerz, Risiko oder Ungewissheit verbunden. Aber am Ende lohnt es sich, und man kann verdammt stolz sein, es geschafft zu haben. Es gibt einen Spruch von Angela Doe, der hierzu perfekt passt: „Du musst das Leben schon anfassen, um davon berührt zu werden.“


