Es liegt dieser unverwechselbare Duft in der Luft, eine Melange aus frischem Popcorn und greifbarer Vorfreude. An diesem Montagabend, dem 16. März 2026, ist das Eden Cinehouse in Homburg nicht einfach nur ein Lichtspielhaus, wie man es sonst kennt. Die Stadt und das Kino stehen für einige Stunden im nationalen Rampenlicht. Unter der Ägide von Theaterleiter Sebastian Bernd weht echte Premierenluft durch das Foyer, das an diesem Abend Stars, Macher und das heimische Publikum auf charmante Weise zusammenbringt. Neben den bekannten Größen des Saarländischen Rundfunks (SR), der Crew und geladenen Gästen sind es vor allem die Gewinnerinnen und Gewinner zahlreicher SR-Aktionen, die, bestückt mit Kaltgetränken und Popcorn, dem Beginn entgegenfiebern. Die Laune ist super, die Erwartungen natürlich hoch.
Punkt 20:00 Uhr wird es im Saal dunkler und es geht los. SR-Moderator Michael Friemel eröffnet den Abend souverän und überbrückt die Zeit bis zum klassischen 20:15-Uhr-Moment mit einer Eleganz und Informationsdichte, die fast ein wenig an die Tagesschau erinnert. Er macht sofort klar, wem dieser Abend gewidmet ist: „Es ist ja eigentlich auch euer Abend“, ruft er den Gewinnern im Publikum zu. Gleichzeitig warnt er das Kinopublikum augenzwinkernd, es sei durchaus möglich, heute Abend neben einem Straftäter zu sitzen – schließlich sei die gesamte Crew des Films im Saal. Für Friemel, der auch den Cast herzlich willkommen heißt, ist es eine wunderbare Gelegenheit, das Team zu feiern und stolz auf das Erreichte zu sein. Ein Fernsehfilm auf der großen Leinwand entfalte einfach das gewisse Etwas – ein Phänomen, das man beim SR schon vom Tatort kenne und das alle Beteiligten überaus glücklich mache.

Mehr als nur ein weiterer Fall
Dass an diesem Abend viel auf dem Spiel steht, verhehlt Martin Grasmück, Intendant des Saarländischen Rundfunks, in seiner Ansprache nicht. Der von der ARD etablierte Donnerstagskrimi sei ein enorm quotenstarkes Format, was den Start des Saarland-Krimis zu einer echten Herausforderung mache. Um sich in der deutschen Krimilandschaft zu behaupten, hat man sich beim SR bewusst für eine neue Farbe entschieden, die sich deutlich von den Standards des bekannten Tatorts abhebt. Das Besondere: Hier ermitteln eben nicht nur klassische Kommissarinnen und Kommissare. Kultur, Landschaft und die Menschen der Region sollen authentisch verkörpert werden.

Im Zentrum der Handlung steht Tayfun Can, famos verkörpert von Aram Arami, den Friemel an diesem Abend stellvertretend für den Cast auf der Bühne begrüßt. Tayfun ist ein ehemaliger Kriminalhauptkommissar, der nach einem traumatischen, tödlichen Einsatz den Dienst quittiert hat. Nun arbeitet er als Sozialarbeiter im gastronomischen Projekt „Kleine Freiheit“, wo er straffällige Jugendliche betreut. Als sein jüngerer Bruder Momo (Doguhan Kabadayi) des Mordes an einem jungen Italiener verdächtigt wird, beginnt Tayfun heimlich auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei kreuzen sich seine Wege unweigerlich mit seiner ehemaligen Kollegin Elisa Santori (Olga von Luckwald), was alte Wunden aufreißt.
Und genau diese Verbindung von Kriminalfall und Gastronomie ist kein Zufall. SR-Redakteurin Alexandra Fritsch erklärt die Genese der Reihe: Da das Saarland kulinarisch mit seinen ein bis drei Sternen ohnehin glänze, lag die Idee nahe, die Küche direkt mit der Ermittlungsarbeit zu verknüpfen.

Die Kunst der Location-Suche
Was „Bruder, Liebe, Tod“ – inszeniert von Regisseurin Janis Rebecca Rattenni nach einem hervorragenden Skript des gebürtigen Saarbrückers Mathias Schnelting – visuell so stark macht, ist die unaufgeregte, aber pointierte Bildsprache. Kameramann Victor Voß fängt das Geschehen hochdynamisch und präzise ein, ohne jemals nervig zu wirken. Besonders die längeren Drohnenaufnahmen ziehen den Zuschauer atmosphärisch tief in die Schauplätze hinein.
Szenenbildner Andreas C. Schmid ist es meisterhaft gelungen, den Raum Saarbrücken in Szene zu setzen. Seine Methode klingt so simpel wie effektiv: „Ich bin dann in der Stadt unterwegs und mache Bilder, ohne viel Druck. Ich versuche vorab natürlich schöne Ecken zu finden und das Ganze dann auch so aussehen zu lassen, wie es halt aussieht. Ich nehme das, was da ist.“. Doch die Realität eines Drehs verlangt oft Kompromisse. Redakteurin Fritsch gibt zu bedenken, dass immer zuerst die Geschichte komme. Erst danach suche man die passenden Orte, wobei die Logistik – vom Strom über Parkplätze für die Crew bis hin zum Catering – oft den Ausschlag gebe, da man den laufenden Betrieb vor Ort nicht stören dürfe.
Aus genau diesem Grund wurde bei den Dreharbeiten im August und September 2025 auch ein wenig getrickst: Die Außen- und Küchenszenen rund um den Wohnwagen entstanden wenige Kilometer hinter der Grenze im französischen Petite-Rosselle. Am Bergbaumuseum „Musée Les Mineurs Wendel“ und dem Schaubergwerk im „Parc Explor Wendel“ fand das Team nicht nur ideale Bedingungen, sondern wurde auch überaus warmherzig empfangen, erzählt Redakteurin Alexandra Fritsch.

Ein überzeugender Auftakt
Das Resultat dieser Detailarbeit ist ein dramaturgisch exzellenter Film, der sich trotz aller Verstrickungen bestens verfolgen lässt. Selbst Moderator Friemel konstatiert im Nachgang erleichtert: „Euch ist eine Sache so richtig gelungen, ich habe den Film verstanden. Und das ist nicht immer so, wenn ich einen Krimi schaue.“.
Auch das Urteil im Saal, in dem neben SR-Programmdirektorin Sonja von Struve auch der Vorsitzende des Rundfunkrates Dr. Thomas Jakobs saß, fällt eindeutig aus: Der Film verdient eine Bestnote. Die Riege der Schauspieler agiert bemerkenswert fresh. Produzentin Anna Oeller (Bavaria Fiction) dürfte mit diesem Auftakt eine herausragende neue Visitenkarte in den Händen halten. Das Konzept geht derart auf, dass SR-Redakteur Christian Bauer das Publikum fragte, wie oft man während des Films dachte, man würde dort gerne Urlaub machen. Er selbst sei neben der Regisseurin auf sieben oder acht solcher Momente gekommen.

„Der Saarland-Krimi: Bruder, Liebe, Tod“ feiert seine offizielle TV-Premiere am Donnerstag, dem 30. April 2026, um 20.15 Uhr im Ersten und ist zudem in der ARD Mediathek abrufbar. Es ist definitiv ein Auftakt, der von der ersten bis zur letzten Minute beweist: Der neue Saarland-Krimi muss sich hinter dem Tatort in keinster Weise verstecken. Unbedingt einschalten!



