Er heißt eigentlich Yasin, kommt aus Gießen, ist Jahrgang 2000 – und hat in weniger als drei Jahren eine Karriere hingelegt, die andere Singer-Songwriter eine ganze Dekade kostet. Im Mai kommt MilleniumKid in die Garage.
Es gibt diesen Typ Künstler, der Liebeskummer wie ein Handwerk betreibt. Der Trennungsschmerz nicht wegschreibt, sondern ihn so präzise zerlegt, dass man beim Hören denkt: Okay, der weiß, wovon er redet. MilleniumKid ist so jemand. Nicht weil er sich im Selbstmitleid suhlt – das Gegenteil ist der Fall. Er übersetzt schwierige Zustände in Energie, und das mit einer Leichtigkeit, die man erst dann bemerkt, wenn man feststellt, dass man gerade zu einem Song tanzt, der eigentlich von Verlust handelt.
Yasin Sert, geboren am 1. Januar 2000 in Gießen, hat seinen Künstlernamen buchstäblich aus seinem Geburtsdatum destilliert. In einem Interview mit The Unseen Magazine erzählte er, dass ihn in seiner Jugend immer wieder jemand darauf ansprach, dass er ein „Millennial“ sei, geboren auf den Tag genau zum Jahrtausendwechsel – und irgendwann entschied er sich, den Namen zu übernehmen – als etwas, das zu seiner Kindheit und Jugend gehört. Punktlandung.

Musik macht er seit 2022, und was danach passierte, läuft in der Branche unter dem Begriff „Durchbruch“ – aber das trifft es nur halb. Ein Durchbruch klingt nach Zufall, nach dem richtigen Song zur richtigen Zeit. Bei MilleniumKid war es eher ein kontrollierter Aufstieg, der sich rückblickend fast zwangsläufig liest. 2023 erschien die Single „Unendlichkeit“ gemeinsam mit dem Singer-Songwriter JBS – und ihr Erfolg beruhte zu einem guten Teil auf einem TikTok-Trend, bei dem innerhalb kürzester Zeit mehr als 20.000 Kurzvideos von Nutzerinnen und Nutzern der Plattform entstanden. Goldstatus, Platz 34 der deutschen Charts. Kurz darauf folgte „Vielleicht Vielleicht“, ebenfalls mit JBS – und diesmal bis auf Platz 6.
Was auffällt: MilleniumKid schreibt, produziert und arranged alles selbst. Seine Musik bewegt sich in einer deutschsprachigen Mischung aus New Wave, Synthiepop und Indie-Rock mit Einflüssen aus Techno und Drum and Bass. Das klingt auf dem Papier wie ein ziemlich vollgepacktes Konzept, funktioniert aber in der Praxis deshalb, weil er nie das Gefühl erweckt, etwas beweisen zu müssen. Die Sounds sind modern, aber nicht auf Teufel komm raus. Die Lyrics sind direkt, aber nicht platt. Und vor allem: Sie klingen nicht nach jemandem, der sich an etwas orientiert, das es in Deutschland schon gibt.
Das hat er selbst so gesagt – und es ist eines der ehrlicheren Dinge, die man über sich als Künstler behaupten kann. Im Gespräch mit THE UNSEEN Magazine erklärte er, dass er sich eigentlich an nichts orientiert, was es gerade in Deutschland gibt. Sein Playlist-Konsum: ein Mix aus bekannten Namen und allem, was der Algorithmus gerade auswirft. Drei Sekunden reichen, damit ein Song in seiner „Liked Songs“-Liste landet. Diese Offenheit hört man der Musik an.
Dystopie und der Mut zum Sperrrigen
Im April 2025 erschien das Debütalbum „Dystopie“ – und wer dachte, nach zwei Charterfolgen käme jetzt die sichere, geschliffene Platte für den Mainstream, lag falsch. Das Album ist breiter, sperriger, genreoffener als erwartet. MilleniumKid hat sich dabei bewusst den Spielraum gelassen, Musik zu machen, die nicht jeden im Raum abholt. Die Festivalsaison 2025 – unter anderem ein Auftritt auf dem MS Dockville Festival – hat gezeigt, dass dieses Kalkül aufgeht. Über 226 Millionen Streams und Platinstatus sprechen eine eigene Sprache.
Die Inspiration zur Musik kam übrigens nicht aus dem Plattenregal, sondern von einem Konzertbesuch. Beim Stadt Ohne Meer Festival – 2019 oder 2020 – stand er irgendwann mitten im Publikum und beschloss, selbst auf die Bühne zu wollen. Dann kam Corona, und mit ihm die Zeit, diese Idee ernsthaft zu verfolgen. Drei Jahre später: Platinstatus, volle Clubs, Hauptbühnen. Die Rechnung ist aufgegangen.
Schwerelos: Neustart mit 80er-DNA
Anfang 2026 erschien die neue Single „Schwerelos“, die gleichzeitig den Titel der aktuellen Tour trägt. Der Track ist eine Neuinterpretation des 80er-Jahre-Hits „Maniac“ von Michael Sembello – bekannt aus Flashdance – und verlegt die ikonische Tanzszene des Films in die Gegenwart: 3 Uhr morgens vor dem Club, zwei Menschen zwischen flackernden Lichtern und pulsierender Musik, die Original-Gitarrenriffs weichen charakteristischen Synthwave-Wogen, der Refrain sitzt sofort. Kein nostalgisches Cover, eher ein atmosphärischer Neustart mit fremder DNA. Das Wort „Schwerelos“ ist dabei mehr als ein Albumtitel. Es beschreibt eine Haltung: Loslassen können, ohne dabei zu driften. Weitermachen, ohne die Schwere vorher zu verschweigen. Das ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Künstlers – er verweigert die falsche Leichtigkeit genauso wie das Versinken. Beides wäre einfacher. Er macht das Dritte. Nach dem Debütalbum und zwei ausverkauften Headline-Touren markiert „Schwerelos“ den Auftakt in eine neue künstlerische Phase. Die Schwerelos Tour führt ihn im Mai 2026 durch 15 deutsche Städte – darunter auch Saarbrücken.
Die Garage als richtiger Ort
Am 16. Mai macht die Tour Station in der Garage. Wer dort schon mal gestanden hat, weiß: Das ist kein Ort für Distanz, hier ist wirklich Clubfeeling angesagt. Die Wärme der Leute, der Sound, der einen direkter trifft als in jedem anonymen Hallenformat – das ist genau das, was MilleniumKids Konzepte brauchen, um zu funktionieren. „Fall für dich“ dauert auf Platte zweieinhalb Minuten. Live sind daraus schon mal acht geworden – nicht weil irgendjemand das so geplant hat, sondern weil das Publikum einfach nicht aufgehört hat. Das sagt eigentlich alles darüber, wie gute Konzerte funktionieren.
Was bleibt
MilleniumKid ist keiner, der die Kurve kriegt, weil er den Markt im Blick hat. Er ist einer, der die Kurve kriegt, weil er genau weiß, was er macht – und das in einem Tempo umsetzt, das anderen Künstlern zehn Jahre kosten würde. Ob er auf diesem Niveau bleibt, ob „Schwerelos“ den nächsten Schritt einleitet oder nur Zwischenstation ist – das werden die nächsten Monate zeigen. Der Abend in der Garage am 16. Mai ist jedenfalls ein guter Zeitpunkt, um sich selbst ein Bild zu machen. Bevor die Hallen zu groß werden.

MilleniumKid – Schwerelos Tour 2026
16. Mai 2026 | Garage Saarbrücken, Bleichstraße 11–15 Präsentiert von Deutschlandfunk Nova, The Pick, Rausgegangen Tickets: garage-sb.de
Verwendete Quellen: Wikipedia (DE), The Unseen Magazine (Interview, November 2025), bandup.de, frontstage-magazine.de, festivalsunited.com, Apple Music / Spotify (Diskografie), Eventim-Tourseite / Offizielle Presseinfo


