Ein Kino, das sein Programm nicht nach den Regeln der Gewinnmaximierung ausrichtet, ist eine Seltenheit geworden. Die Kinowerkstatt im saarländischen St. Ingbert, deren Wurzeln in einem Jugend-Filmfestival des Jahres 1976 liegen, versteht sich bewusst als nichtkommerzielle Spielstätte und Ort des gesellschaftlichen Diskurses. Seit der Gründung eines Trägervereins im Jahr 2007 hält die Institution an ihrem Anspruch fest, Kino als Raum der Begegnung zu begreifen, der tief in der lokalen Kulturlandschaft verwurzelt ist. Vom 17. bis zum 20. April 2026 rückt das Programmkino zwei Filme in den Fokus, die sich auf unterschiedliche Weise mit den Mechanismen politischer Macht auseinandersetzen.
Den Auftakt macht Ali Abbasis „The Apprentice – The Trump Story“. Der psychologisch grundierte Film widmet sich nicht dem etablierten Politiker, sondern blickt zurück auf die prägenden Jahre des Immobilien-Tycoons. Im Zentrum steht die Dynamik zwischen dem anfangs unsicheren Millionenerben Donald Trump, gespielt von Sebastian Stan, und seinem Mentor, dem New Yorker Anwalt und politischen Strippenzieher Roy Cohn (Jeremy Strong). Der Film zeigt detailliert, wie Cohn seinem Schützling eine rücksichtslose Lebensphilosophie einimpft, die auf drei zentralen Pfeilern ruht: stetiger Angriff, kompromissloses Leugnen und das permanente Beanspruchen des Sieges – selbst im Angesicht einer Niederlage. Es sind genau jene Prinzipien, die Trump später in seinem Buch „The Art of the Deal“ als seine eigenen deklarieren sollte und die sein öffentliches Handeln bis in die Gegenwart definieren.
Nahtlos an diese Studie amerikanischer Skrupellosigkeit schließt sich die Saarlandpremiere von „Der Magier im Kreml“ an. Der französische Regisseur Olivier Assayas widmet sich darin der Architektur der Macht im postsowjetischen Russland. Basierend auf dem Bestseller von Giuliano da Empoli und co-geschrieben von dem Schriftsteller Emmanuel Carrère, beleuchtet der Film die Mechanismen von Manipulation und Propaganda. Die Erzählung folgt dem Werdegang von Vadim Baranov (Paul Dano), einem ehemaligen Theater- und TV-Regisseur, der als Wladimir Putins Spin-Doctor maßgeblich das Narrativ des unbezwingbaren Anführers formt und den Weg in eine moderne Autokratie ebnet. Obwohl die Handlung formal fiktiv ist, bleibt der Wiedererkennungswert beträchtlich, da Assayas und Carrère nur wenige Namen änderten. Putin selbst wird mit einer glaubhaften, fast statischen Eiseskälte von dem Briten Jude Law verkörpert.
Mit diesem Doppelprogramm erfüllt die kommunal geförderte Kinowerkstatt ihren eigenen Anspruch, gesellschaftlich relevante und ungemütlich aktuelle Diskurse in die Stadt zu tragen. Es ist ein Kino, das den Blick nicht von der Gegenwart abwendet, sondern sie durch die Leinwand hindurch analysierbar macht.
Serviceinformationen
Adresse: Kinowerkstatt St. Ingbert, Pfarrgasse 49, 66386 St. Ingbert
Website: kinowerkstatt.de
Programmzeiten:
- The Apprentice – The Trump Story: Freitag, 17. April, 19:00 Uhr & Samstag, 18. April, 19:00 Uhr | Filminformationen
- Der Magier im Kreml: Sonntag, 19. April, 19:00 Uhr & Montag, 20. April, 19:00 Uhr | Filminformationen


