Einmal im Jahr weicht der strenge Rhythmus des Klinikalltags einer neugierigen Leichtigkeit. Wenn das UKS seine Türen öffnet, darf jeder ans Mikroskop, an den OP-Roboter oder einfach nur zum Staunen kommen.
Ein Schnitt in die dicke, gelbe Haut der Banane, dann gleitet die Nadel durch das Gewebe. Wenige Meter weiter erfordert eine Paprika noch mehr Feingefühl, wenn sie in der Neurochirurgie unter dem Mikroskop operiert wird. Wer hier abrutscht, erntet höchstens etwas Fruchtfleisch auf dem Kittel. An diesem Tag öffnet das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg ab 16 Uhr die Türen für die Lange Nacht der Wissenschaften. Mit über 80 Programmpunkten und freiem Eintritt wird auf dem weitläufigen Gelände Medizin greifbar.
Im Foyer des zentralen Hörsaalgebäudes, dem Haus 35, parkt ein begehbares Herz im Großformat. Dieses bildet den optischen und thematischen Mittelpunkt der Veranstaltung, flankiert von Experten des UKS, die den Weg des Blutes erklären und anatomische Fragen beantworten. Prof. Dr. Matthias Hannig, Dekan der Medizinischen Fakultät, sieht darin den Anspruch des Abends: Krankenversorgung, Forschung und Lehre sollen für alle Interessierten sichtbar werden. Dass ein derartiges Angebot ohne Eintrittspreise auskommt, sei allein dem freiwilligen Einsatz der zahlreichen Mitarbeiter und Studierenden zu verdanken, erklärt Prof. Hannig.
Ein Truck für die Pflege und Medizin an Konsolen
Geht man hinaus auf den Vorplatz, fällt der Blick auf einen großen Truck: die Mobile Geriatrie-Unit (MGU). Dieses Fahrzeug des DIKOM-Forschungsprojektes ist mit CT, Röntgen, EKG, Ultraschall und einem eigenen Labor ausgestattet. Die pragmatische Idee dahinter ist es, Bewohner von Pflegeheimen künftig direkt vor Ort zu untersuchen, damit ihnen der oft anstrengende Transfer in die Klinik erspart bleibt. Gleich am Nachbarstand informiert das UKS über die eigene bauliche Zukunft und sammelt bei einer Wunschbaustein-Aktion Ideen für den geplanten Neubau des Zentralklinikums.
Wer tiefer in die klinische Praxis eintauchen möchte, hat an diesem Abend erstaunlich realistische Möglichkeiten. In der Urologie (Haus 6) und der Chirurgie (Haus 57) stehen die daVinci-OP-Roboter bereit. Besucher greifen selbst zu den Joysticks der Apparatur, mit der am Klinikum in Homburg bereits weit über 10.000 Eingriffe absolviert wurden. Noch handfester wird es in der Augenklinik: Dort demonstrieren Mediziner eine Keratoplastik, also eine Hornhauttransplantation, live an Schweineaugen. Die Urologie lockt derweil furchtlose Besucher mit dem Kurs „Blasenspiegelung für Einsteiger!“. Für Einblicke in kleinste Gewebestrukturen sorgt das Institut für Physiologie (CIPMM), das eines seiner hochauflösenden Lichtmikroskope vorführt. Darüber hinaus öffnen die Abteilungen sensible Bereiche für Führungen, etwa den Kreißsaal oder das Childhood-Haus, eine Anlaufstelle für traumatisierte Kinder.
Gipsarme, Gummibärchen und Teddy-Notfälle
Für junge Besucher ist die Lange Nacht traditionell ein großes Spielfeld. Die Klinikfeuerwehr positioniert ihre Einsatzfahrzeuge im Eingangsbereich des Campus und schult am Feuerlöschtrainer. In den Gebäuden fischen Kinder bei der sogenannten Gummibärchen-Thrombektomie Süßigkeiten aus medizinischen Gefäßen, gehen auf Monsterjagd oder lassen sich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vom Erzähltheater Kamishibai unterhalten. Wer ein verletztes Stofftier zu Hause hat, bringt es zur Erstversorgung direkt in die Teddyklinik. Und weil kein Klinikbesuch ohne Andenken bleiben darf, werden künstliche Wunden geschminkt und die beliebten bunten Unterarmgipse angelegt.
In den Hörsälen stehen die Erkenntnisse der Forschung im Mittelpunkt. Die Bandbreite der Vorträge reicht von der Frage, ob Handys und Künstliche Intelligenz zum Intelligenzverlust führen, bis hin zu Ansätzen der Demenzprävention. Mediziner der Neurochirurgie erklären, wie man buchstäblich mit einem Navi durch das menschliche Gehirn steuert, während man in der Kardiologie über das Leben mit einem Kunstherzen diskutiert. Besondere mediale Aufmerksamkeit bekam in der jüngeren Vergangenheit die „Stroke-Helper App“. Deren Entwicklung und das damit verbundene bundesweite Presseecho für das Saarland werden in einem eigenen Vortrag nachgezeichnet. Wer wissen möchte, wie hochpräzise Strahlentherapie bei Krebs funktioniert oder warum der Schluckvorgang eigentlich schon im Becken beginnt, findet in den Runden ebenfalls Antworten.
Bei all der Wissenschaft darf das Durchatmen nicht zu kurz kommen. Auf der Bühne vor dem Hörsaalgebäude spielen die Uni-Bigband und die Partyband Sweettones stimmungsvolle Klassiker. Zwischen den Informationsständen duftet es nach Waffeln. Um 18 Uhr zeigt die Molekularküche schließlich, dass reine Physik auch hervorragend schmecken kann, wenn dort aus flüssigem Stickstoff Speiseeis gerührt wird. Wenn sich die Dämmerung über Homburg senkt und ab 21:30 Uhr die Bässe über das Gelände wummern, hat die Wissenschaft für ein paar Stunden Pause – dann feiert die Fachschaft Medizin ihre traditionelle Aftershowparty dort, wo früher Hubschrauber aufsetzten.
Die Lange Nacht auf einen Blick
- Was: Lange Nacht der Wissenschaften 2026 mit über 80 Programmpunkten
- Wann: Freitag, 19. Juni 2026, ab 16:00 Uhr
- Wo: Gelände des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg
- Eintritt: Kostenlos
- Orientierung: Ein Infopoint im zentralen Gebäude 35 hilft bei Fragen. Eine interaktive Karte gibt es in der UdS-App.
- Programm:
- Aftershow: Ab 21:30 Uhr auf dem alten Hubschrauberlandeplatz



