Am Montagabend, als das letzte Feuerwerk über Webenheim verglühte, war für die meisten Besucher Feierabend. Für den Reiterverein Bliestal fing die Arbeit da erst richtig an.
Zwischen 80.000 und 90.000 Menschen sind in diesem Sommer nach Webenheim gekommen, hat der Reiterverein Bliestal am Ende geschätzt – und das trotz einer Hitze zum Auftakt, die vielen den Weg auf den Festplatz zunächst vermieste, und trotz eines Wetters, das an einzelnen Tagen nicht mitspielen wollte. Neun Festtage, zwei Ruhetage, elf Tage Trubel. „Von den Besucherzahlen her bin ich am Schluss sehr zufrieden“, sagt Andreas Oesch, der Vorsitzende des veranstaltenden Vereins.
Dass er das so sagen kann, war zu Beginn nicht ausgemacht. Das erste Wochenende litt unter der Hitze, der zweite Freitag ebenfalls unter der Wetterlage. Erst im Lauf der Festwoche drehte die Stimmung. Der Familientag zog, der zweite Festsonntag zog, und das große Abschlussfeuerwerk zog sowieso. Die Schausteller erzählten am Ende eine ganz ähnliche Geschichte – schwieriger Auftakt, dann ein spürbar besseres zweites Wochenende. Unterm Strich blieb das Ergebnis zwar leicht unter dem Vorjahr, aber mit dem Verlauf konnten sie leben.
Wie sehr so ein Fest von Wind und Wetter abhängt, zeigte sich auch mitten in der Festzeit. Für den zweiten Samstag war das Ballonglühen geplant, dieser stille Moment, wenn die Hüllen im Dunkeln von innen aufleuchten – und dann ließ das Wetter es nicht zu. Statt lange zu hoffen, stellte das Organisationsteam kurzerhand um: Es gab eine Feuershow. Kein Ballon, dafür echte Flammen, und die Gäste hatten trotzdem ihren besonderen Programmpunkt.

Man versteht die Gelassenheit dahinter besser, wenn man weiß, wie lange dieses Fest schon Wetterkapriolen übersteht. Die Wurzeln reichen bis 1921 zurück, als sich die Bauern der Region kurz nach dem Ersten Weltkrieg zwischen Heu- und Getreideernte zu Kundgebungen trafen und aus Stangen und Planen ein Zelt spannten. Weil das Pferd damals das wichtigste Fortbewegungsmittel war, veranstaltete man bald Rennen mit ihm – und aus den Webenheimer Pferderennen wurde nach und nach ein Volksfest unter dem Motto „Stadt und Land, Hand in Hand“. Der Reiterverein Bliestal trägt es bis heute. Kein Konzern, keine Agentur steht dahinter, sondern ein Verein. Dass daraus eines der größten Volksfeste des Saarlandes geworden ist, gehört zu den beharrlichsten Erfolgsgeschichten der Region.
Und diese Herkunft sieht man dem Fest bis heute an. Zwischen Autoscooter, Geisterbahn und den über fünfzig Fahrgeschäften, die den Festplatz in eine Kirmes verwandeln, laufen die Südwestdeutsche Rinderschau, der Handwerker- und Bauernmarkt und das traditionelle Schlachtfest. Landwirtschaft ist hier keine Deko, sondern ein eigener Programmteil, dazu das Festzelt für rund 2.000 Leute, Musik, Gastronomie, Vereinsleben. Wer beim Bauernfest nur an Kirmes denkt, kennt bloß die eine Hälfte. Und es funktioniert. Gerade das zweite Wochenende und der letzte Festtag zogen noch einmal an, Gäste kamen aus Blieskastel, dem Saarpfalz-Kreis und weit darüber hinaus hinauf nach Webenheim.
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, hat Sepp Herberger einmal über den Fußball gesagt, und aufs Bauernfest übertragen gilt der Satz mindestens genauso. Mit dem letzten Feuerwerk endet die Arbeit nämlich nicht, sie verlagert sich nur. In den Tagen danach kommen Werbebanner runter, Bauzäune, der vereinseigene Getränkestand, Teile der Infrastruktur; die Vereinsanlage und der Festplatz kehren Schritt für Schritt in ihren Alltagszustand zurück. Und die Verschnaufpause fällt kurz aus. Die ersten Bewerbungen von Schaustellern für die nächste Auflage liegen schon auf dem Tisch und werden nach und nach gesichtet.
Was in diesen elf Tagen zu stemmen ist, schafft der Verein nicht allein mit dem Festausschuss und seinen Mitgliedern. Rund 300 Mitglieder zählt der Reiterverein Bliestal; für das Bauernfest kann er auf einen festen Stamm von etwa 50 Helfern aus dem reiterlichen Bereich bauen, dazu 20 bis 30 weitere Freiwillige. Und selbst das reicht nicht. Einsteller, Anlagenutzer und Reitschüler packen mit an, die Freiwilligen Feuerwehren Webenheim und Mimbach, der DRK-Ortsverein Blieskastel und die Straußjugend sind im Einsatz. Ohne sie liefe hier gar nichts, vom Aufbau über den Ausschank bis zum Parkplatz. Den Parkdienst rund ums Gelände übernimmt die Mimbacher Wehr seit Jahrzehnten. Auch mit der Stadt Blieskastel, Bürgermeister Bernd Hertzler und dem Bauhof habe die Zusammenarbeit wieder gut funktioniert, heißt es vom Verein – und ohne die Sponsoren wäre ohnehin manches gar nicht erst möglich.

Am meisten aber freut den Verein etwas anderes: dass ein junges Organisationsteam inzwischen viele Aufgaben verantwortet und dabei eng mit den erfahrenen Kräften zusammenarbeitet. „Wir sind ein junges Team, das Bock darauf hat und das machen will“, sagt Oesch. In einer Zeit, in der viele Vereine kaum noch Helfer für ihre Feste finden, ist dieser eine Satz vielleicht die beste Nachricht des ganzen Festes. Das nächste Bauernfest kommt bestimmt. Die Leute, die es aufbauen, stehen schon bereit.
Webenheimer Bauernfest 2026 10. bis 20. Juli 2026 · Blieskastel-Webenheim Veranstalter: Reiterverein Bliestal e.V. (ehrenamtlich) Bilanz: rund 80.000 bis 90.000 Besucher · neun Festtage, zwei Ruhetage www.bauernfest.de



