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Saarbrücken, Kaiserslautern und Mannheim wollen zum Kernstück des europäischen Bahnnetzes werden

Saarbrücken, Kaiserslautern und Mannheim drängen den erst wenige Wochen im Amt befindlichen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, endlich mit der Planung für einen echten Hochgeschwindigkeitskorridor zu beginnen. Bis 2040 soll die Bahnstrecke nach Paris dafür ausgebaut sein. Ausgebremst wird sie bislang vor allem auf deutscher Seite.

Zwischen Saarbrücken und Paris liegen keine 400 Kilometer Luftlinie. Mit dem Zug dauert die schnellste Verbindung aber trotzdem fast zwei Stunden. Auf französischer Seite fahren die Züge dafür mit bis zu 320 Kilometern in der Stunde. Kaum haben sie die Grenze passiert, bremst die deutsche Infrastruktur sie jedoch spürbar aus. Genau dieses Tempogefälle wollen die Stadtoberhäupter von Saarbrücken, Kaiserslautern und Mannheim jetzt politisch bearbeiten. Sie fordern Bundesverkehrsminister Bilger auf, sich für den Ausbau der Bahntrasse zwischen den drei Städten und der französischen Hauptstadt einzusetzen.

Christian Specht aus Mannheim, Beate Kimmel aus Kaiserslautern und Uwe Conradt aus Saarbrücken stellten ihre gemeinsame Forderung bei einer Pressekonferenz vor – knapp fünf Wochen, nachdem Bilger seinen zurückgetretenen Vorgänger Patrick Schnieder im Verkehrsministerium abgelöst hat. Deutschland müsse jetzt liefern und die Engpässe auf der deutschen Seite der transnationalen Schienenachse beseitigen, hieß es von den dreien unisono. Ihr gemeinsames Papier fordert die entschlossene Umsetzung des „HGV-Korridors 2040″ der Europäischen Kommission. HGV, das steht für Hochgeschwindigkeitsverkehr. „Deutschland und Frankreich sind das wirtschaftliche und politische Herz Europas“, sagt Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt. „Dazu gehören leistungsfähige Verbindungen. Frankreich hat sein Hochgeschwindigkeitsnetz weit nach Osten ausgebaut. Während die Züge dort mit bis zu 320 km/h unterwegs sind, wird die Leistungsfähigkeit auf der deutschen Seite durch historische Trassenführung, Mischverkehr und die Topographie des Pfälzerwalds erheblich eingeschränkt.“

Der Engpass zwischen Kaiserslautern und Mannheim

Den größten Hebel sehen Specht, Kimmel und Conradt im Abschnitt durch den Pfälzerwald. Die Trasse durch diese Mittelgebirgslandschaft geht in ihren Grundzügen auf die Pfälzische Ludwigsbahn des 19. Jahrhunderts zurück, die den Abschnitt in den 1840er- und 1850er-Jahren erschloss, lange bevor an Geschwindigkeiten über 300 Kilometern pro Stunde zu denken war. „Zwischen Kaiserslautern und Mannheim liegt einer der entscheidenden Engpässe dieser europäischen Verbindung“, sagt Kimmel. „Wir fordern, dass endlich untersucht wird, wie dieser Engpass dauerhaft überwunden werden kann.“ Konkret verlangen die drei Stadtoberhäupter die Prüfung mehrerer Optionen für eine schnellere Querung des Pfälzerwalds, darunter eine alternative Streckenführung mit einem Basistunnel.

Mannheim als Drehscheibe, Forbach als Baustelle

Der Blick der drei Städte richtet sich auch auf die Bahnknoten entlang der Strecke. Mannheim gilt als einer der zentralen Verkehrsknotenpunkte des deutschen und europäischen Schienennetzes. Hier kreuzen sich wichtige Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen. „Ein leistungsfähiger westlicher Zulauf aus Richtung Paris, Saarbrücken und Kaiserslautern stärkt deshalb nicht nur unsere drei Städte, sondern das gesamte Netz“, sagt Specht. „Mehr Kapazität und zuverlässigere Verbindungen schaffen zusätzliche Spielräume für Fern-, Regional- und Güterverkehr.“ Mit Blick auf die ohnehin anstehende Sanierung der Strecke zwischen Forbach und Ludwigshafen fordern die drei Städte zudem eine frühzeitige Abstimmung mit den betroffenen Kommunen. Die Deutsche Bahn solle bei nötigen Teilstreckensperrungen dafür sorgen, dass die Städte erreichbar bleiben, nur so lasse sich aus Sicht der drei Städte eine wirtschaftlich tragfähige Lösung finden.

Die Jahreszahl 2040 ist dabei kein zufällig gewähltes Datum. Sie folgt der EU-Verordnung zum transeuropäischen Verkehrsnetz TEN-V, die Bahnstrecken europaweit in drei Fristen einteilt: Das sogenannte Kernnetz soll bis 2030 fertig ausgebaut sein, ein erweitertes Kernnetz bis 2040, das Gesamtnetz erst 2050. Wer wie Saarbrücken, Kaiserslautern und Mannheim auf der Zeitschiene des erweiterten Kernnetzes liegt, muss die Planungen also schon jetzt anstoßen, wenn 2040 tatsächlich etwas fertig sein soll. Die EU-Kommission selbst hatte im vergangenen November einen eigenen Aktionsplan vorgelegt, mit dem sie Reisezeiten zwischen europäischen Hauptstädten drastisch verkürzen will, zwischen Kopenhagen und Berlin etwa von sieben auf vier Stunden. Für die Verbindung von Paris über Saarbrücken nach Mannheim nennt die Kommission bislang keine vergleichbare Zielzeit – genau das soll sich mit dem Vorstoß der drei Städte ändern.

Specht, Kimmel und Conradt kündigten an, weitere Städte, Regionen, Wirtschaftsakteure und wissenschaftliche Einrichtungen entlang der Achse für ihre Initiative gewinnen zu wollen, damit es nicht bei den drei Städten bleibt. „Die Schnellzugtrasse ist schon heute eine wichtige Lebensader“, erklärten Specht, Kimmel und Conradt abschließend gemeinsam. „Wenn man das Potential heben und 2040 deutlich schneller unterwegs sein will, muss heute mit der Planung begonnen werden. Verkehrsminister Bilger und die Deutsche Bahn müssen hierzu ihren Beitrag leisten.“

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