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St. Ingbert läuft zum 21. Mal für Frauen, die Schutz und Perspektive brauchen

Hunderte Läuferinnen und Läufer drehen in St. Ingbert wieder ihre Runden für den guten Zweck – 24 Stunden lang, Runde für Runde. Nach Projekten in Kolumbien und zuletzt im Senegal geht der Erlös des 21. Solilaufs in diesem Jahr an eine saarländische Beratungsstelle für Frauen, die Gewalt erfahren haben.

2004 ärgerte sich Pfarrer Andreas Keller darüber, dass die klassischen Hungermärsche seiner Gemeinde kaum noch jüngere Teilnehmer fanden. Seine Antwort war ein Lauf, bei dem jede einzelne Runde zählte, im Voraus von Sponsoren mit einem Betrag versehen und am Ende zusammengezählt – lebendiger als das gemeinsame Schweigen, für das die Hungermärsche standen. 2006 liefen beim ersten Solilauf 220 Läuferinnen und Läufer im Mühlwaldstadion insgesamt 2.720 Kilometer und sammelten 8.000 Euro, mit denen eine arme Pfarrei in Bogotá ihr Pfarrheim renovieren konnte. Aus der Idee ist ein fester Termin im St. Ingberter Kalender geworden, bei dem die Pfarrei Heiliger Ingobertus und die DJK SG St. Ingbert inzwischen auf rund 696.000 Euro kommen, die in zwei Jahrzehnten zusammengelaufen sind.

Nach 18 Jahren im Mühlwaldstadion zieht der Solilauf seit 2024 durch die Gustav-Clauss-Anlage, mit einer auf rund 800 Meter verdoppelten Runde. Die Teilnehmerzahl hat sich seither erholt: Beim zwanzigsten Solilauf im vergangenen Jahr kamen erstmals seit der Pandemie wieder mehr als 1.000 Menschen zusammen – 1.173 Läuferinnen, Läufer, Walkerinnen und Walker legten gemeinsam 22.051 Kilometer zurück, vom Kindergartenkind bis zum Ultramarathoni, dazu Rollstuhlfahrer und Hunde mit eigener Startnummer, gesammelt für eine Gesundheitsstation im senegalesischen N’Diaganiao.

Beratung Interkulturell: Wofür in diesem Jahr gelaufen wird

Unter dem Motto „Frauen eine Perspektive geben – wir laufen für Schutz und Würde“ sammelt der 21. Solilauf am 5. und 6. September für Beratung Interkulturell, eine Fachberatungsstelle in Saarbrücken, die Frauen mit Gewalterfahrung unabhängig von Herkunft, Aufenthaltsstatus oder Sprache berät – bei Bedarf auch in einer von mehr als 40 vermittelten Sprachen. Getragen wird die Stelle vom Verein Therapie Interkulturell, der seit 1997 zunächst bosnische Frauen unterstützte und heute unter anderem vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit mitfinanziert wird. Ausgerechnet dessen Minister, Dr. Magnus Jung, gibt am Samstag um 15 Uhr den Startschuss – als weltlicher Schirmherr des Solilaufs feuert er damit auch ein Projekt an, das sein eigenes Haus fördert.

Zwei Pfarrer, ein Innenminister und die Grillzange

Auch geistlich bleibt der Solilauf zweigleisig abgesichert: Pfarrer Daniel Zamilski und Pfarrer Johannes Rossell übernehmen erneut die kirchliche Schirmherrschaft, ergänzt um einen Open-Air-Gottesdienst am Sonntag. Prominent wird es auch am Grill: Innenminister Reinhold Jost und Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer teilen sich die Zange, mit dem für den Anlass geprägten Spruch „Jost am Rost – Meyer am Feuer“. Durch das Programm führen Sonja Marx und Olli Reiter, musikalischer Höhepunkt am Samstagabend ist die Sonny Hill Group.

Wer mitmachen möchte

Wer nicht selbst laufen will, kann trotzdem dazugehören: Zwischen Samstag- und Sonntagnachmittag ist jede Runde erlaubt, allein oder im Team, für ein paar Minuten oder die ganze Nacht – Kinder und Rollstuhlfahrer eingeschlossen. Wer beim Auf- und Abbau, an der Strecke oder an den Ständen mithelfen möchte, meldet sich beim Orgateam; auch Kuchen- und Salatspenden sowie ein Zelt im Park sind willkommen, wenn sie vorher kurz angekündigt werden.

Was: „Fit For Fair“ – 24-Stunden-Solilauf, Motto „Frauen eine Perspektive geben – wir laufen für Schutz und Würde“ Wann: Samstag, 5. September, 15 Uhr, bis Sonntag, 6. September, 15 Uhr Wo: Gustav-Clauss-Anlage, St. Ingbert Spendenzweck 2026: Beratung Interkulturell, Saarbrücken Programm: Startschuss durch Minister Dr. Magnus Jung, Grillzangenübergabe Reinhold Jost/Dr. Ulli Meyer, Top-Act Sonny Hill Group (Samstagabend), Open-Air-Gottesdienst (Sonntag), Moderation Sonja Marx und Olli Reiter Mitmachen: Helfende Hände, Kuchen- und Salatspenden sowie Zeltübernachtung nach kurzer Anmeldung unter info@solilauf.org Weitere Infos und vollständiges Programm: www.solilauf.org

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