Ein digitaler Gesundheitsparcours, und das auf dem St. Wendeler Marktplatz. Die kostenlose Mitmach-Ausstellung „Health XP“ lässt Jugendliche und Erwachsene per Avatar erleben, woran die Medizin von morgen gerade forscht.
Wer in den kommenden Wochen über die Mott läuft, findet den St. Wendeler Marktplatz in ungewohnter Gesellschaft. Statt Marktständen und Wochenendeinkauf dreht sich dort vom 11. bis zum 14. September alles um Gentests, Krebstherapien und die Frage, warum Medizin jahrzehntelang vor allem am männlichen Körper vermessen wurde. Die mobile Ausstellung „Health XP“ macht täglich zwischen 10 und 18 Uhr Station auf dem Platz, der sonst dem Wochenmarkt gehört, dem Brunnen mit seinem Pavillon und dem Spielplatz vor dem Mia-Münster-Haus, im Rücken die Basilika St. Wendelin. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung braucht es nicht.
Ein Avatar statt Infotafeln
Herzstück der Ausstellung sind vier Spielstationen: Sie verbinden die vier Schwerpunkte der Ausstellung – personalisierte Medizin, Prävention, Frauengesundheit und neue Ansätze in der Krebsforschung – mit vier eigens entwickelten Spielen, „Mind the Gap„, „Krebs-Reality-Check„, „Im Rhythmus der Gene“ und „Lebenslauf„. Wer sich hindurchspielen will, legt sich zu Beginn einen eigenen Avatar an, der Zugang läuft ganz unkompliziert über einen QR-Code am jeweiligen Stand, eine App braucht es dafür nicht. Unds wer kein eigenes Smartphone dabeihat, bekommt am Eingang kostenlos eines geliehen. Etwa eine Stunde sollte man für den Rundgang einplanen, der sich an Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene richtet; jüngere Kinder dürfen die Ausstellung nur in Begleitung Erwachsener besuchen. Barrierefrei ist das Format immerhin so weit, dass sich die Stationen mit dem Rollstuhl erreichen lassen, Videos mit Untertiteln laufen und sich Texte an den Spielstationen vorlesen lassen – einen vollständigen Audioguide für blinde und sehbehinderte Gäste gibt es dagegen nicht.
Warum Frauengesundheit ein eigenes Kapitel bekommt
Besonders viel Gewicht bekommt in der Ausstellung das Thema Frauengesundheit, und das aus gutem Grund. Für zahlreiche Krankheitsbilder, die überwiegend oder ausschließlich Frauen betreffen, etwa Endometriose oder die Wechseljahre, fehlt bis heute eine belastbare geschlechtsspezifische Datengrundlage, wie das Bundesforschungsministerium selbst einräumt. Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hat öffentlich davon gesprochen, Frauen seien in der Medizin noch immer oft ein blinder Fleck, weil bei zu vielen Erkrankungen geschlechtsspezifische Forschungsdaten fehlten. Wie schwer diese Lücke wiegt, hat das Weltwirtschaftsforum vorgerechnet: Schlösse man den globalen „Gender Health Gap“, ließen sich der Weltwirtschaft nach dessen Schätzung jährlich rund eine Billion US-Dollar zusätzlich zuführen.

Eine Roadshow im Wissenschaftsjahr 2026
„Health XP“ ist eines von mehreren hundert Formaten im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft. Im Zentrum steht dort die Frage, wie Forschende mit ihren Ideen schon heute die Medizin von morgen formen: wie sich Krankheiten künftig diagnostizieren lassen, ob Künstliche Intelligenz die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigt und wie Pflege von neuen Technologien profitieren kann, ohne dass der Mensch dabei aus dem Blick gerät. Die Wissenschaftsjahre selbst gibt es bereits seit dem Jahr 2000, ausgerufen vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gemeinsam mit der Initiative Wissenschaft im Dialog. Jährlich beteiligen sich zwischen 400 und 800 Forschungseinrichtungen, Universitäten, Vereine und Unternehmen mit bis zu 1.000 Veranstaltungen und Aktionen, von Schulkinowochen über MINTmachtage bis zur MS Wissenschaft, einem Ausstellungsschiff, das zwischen Mai und September traditionell bis zu 35 deutsche Städte anläuft, dazu Social-Media-Formate, monatliche Mitmach-Challenges und prominente Botschafterinnen und Botschafter, die das Jahr über begleiten. „Health XP“ tourt selbst durchs Land, anders als die meisten Formate des Wissenschaftsjahres, die an einen festen Ort gebunden sind: Zwischen Juni und November macht die Roadshow an zwölf Orten deutschlandweit Station, von Berlin und Lüdenscheid bis Tübingen – im September dann auch in St. Wendel.
Wer die Mott sonst nur vom Wochenmarkt oder vom Weihnachtsmarkt kennt, bekommt vom 11. bis 14. September einen ungewohnten aber immens guten Grund, trotzdem vorbeizuschauen: eine Stunde lang mit dem eigenen Avatar von Station zu Station, vom „Krebs-Reality-Check“ bis zu „Mind the Gap“.
Health XP in St. Wendel
11. bis 14. September 2026, täglich 10 bis 18 Uhr
In der Mott (Marktplatz), 66606 St. Wendel
Eintritt frei, keine Anmeldung nötig
Für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene, Kinder unter 14 nur in Begleitung
Eigenes Smartphone genügt, Leihgeräte vor Ort kostenlos
Infos: wissenschaftsjahr.de/2026/mitmachen/health-xp


