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Wie gut kennt man eigentlich den Menschen, mit dem man aufgewachsen ist? Der ZDF-Moderator hat darüber einen Roman geschrieben und stellt ihn am Freitag in der Stadtbibliothek Saarlouis vor.
Max schaut zu seinem großen Bruder Julius auf, und lange passt zwischen die beiden kein Blatt Papier. Ende der 1990er-Jahre gehen sie zum Studium nach Berlin. Julius wird Journalist, Max Arzt, und eine Weile sieht das nach zwei ordentlichen Biografien aus, die nebeneinander herlaufen. Kompliziert wird es erst mit Nina, in die sich beide verlieben. Julius heiratet sie, während Max über seine Gefühle für sie nie ganz hinwegkommt.
Der eigentliche Riss beginnt, als Julius‘ Karriere ins Stocken gerät. Mit dem beruflichen Frust verschieben sich seine politischen Ansichten, er driftet in Verschwörungserzählungen ab, und die Brüder erkennen einander kaum noch wieder. Dann verschwindet Julius. Max ahnt, was geschehen sein könnte, und steht vor Fragen, denen er lange ausgewichen ist: Wie gut kennt man die eigene Familie? Und was hält Geschwister noch zusammen, wenn politische Überzeugungen, Lebensentwürfe und alte Kränkungen zwischen ihnen stehen?
Wunn hält die Geschichte im engen Kreis einer Familie und verhandelt darin Entfremdung und Radikalisierung, also genau die Risse, die sich in den vergangenen Jahren durch Freundeskreise, Familien und die Gesellschaft gezogen haben. Erschienen ist der Roman am 28. September bei Pfaueninsel.
Viele kennen den 1975 geborenen Journalisten vor allem vom frühen Morgen, denn Wunn moderiert das ZDF-Morgenmagazin und leitet die Redaktion, die Morgen- und Mittagsmagazin verantwortet. Davor hat er sechs Jahre lang als Korrespondent aus Rio de Janeiro über Südamerika berichtet. Eine Familie stand schon im Mittelpunkt seines ersten Romans. „Saubere Zeiten“ erschien 2023 und spielt in Trier, gleich neben Konz, wo Wunn aufgewachsen ist. Das Buch erzählt von einer Familie, die in der Wirtschaftswunderzeit mit Waschmittel reich wurde, und vom Schweigen zwischen Vätern und Söhnen, und es stand auf der Spiegel-Bestsellerliste. Mit „Die Brüder, die wir waren“ ist er nun in der jüngsten Vergangenheit angekommen.
Nach Saarlouis holen ihn die Stadtbibliothek und die Buchhandlung Bock & Seip, gelesen wird am Freitagabend im Theater am Ring. Wer Wunn sonst frühmorgens neben dem ersten Kaffee auf dem Bildschirm hat, bekommt ihn hier abends und mit dem eigenen Roman in der Hand, inklusive eines ersten Einblicks in die Geschichte von Max und Julius.
Andreas Wunn: „Die Brüder, die wir waren“ – Lesung
Freitag, 9. Oktober 2026, 19 Uhr (Einlass 18.30 Uhr)
Stadtbibliothek Saarlouis im Theater am Ring, Kaiser-Friedrich-Ring 26, 66740 Saarlouis
Karten: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro, bei den Vorverkaufsstellen von Ticket Regional und online unter ticket-regional.de





