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JazzZeit in der Breite63: Saarbrücker Konzertreihe setzt bis Dezember auf starke Frontfrauen

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Für den Auftakt mit Nicole Johänntgen gibt es schon keine Karten mehr. Im November und Dezember holt die Reihe Jazz aus Luxemburg, schwedische Volkslieder und karnatischen Gesang nach Malstatt.

Zehn Tage vor dem Start ist der erste Abend schon ausverkauft. Bei 99 Plätzen im Saal des soziokulturellen Zentrums in Malstatt geht das allerdings auch schneller als anderswo. Von Oktober bis April veranstaltet die Landeshauptstadt Saarbrücken dort zusammen mit der Breite63 ihre Jazzreihe. Sie will regionale Musikerinnen und Musiker mit Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland zusammenbringen und junge Talente mit der etablierten Szene. In dieser Spielzeit haben die Abende eine Gemeinsamkeit, denn im Mittelpunkt steht jedes Mal eine Frontfrau.

Ein Weckruf auf der Posaune

Nicole Johänntgen stammt aus dem Saarland, lebt heute in Zürich und bringt ihren Jazz seit 27 Jahren auf internationale Bühnen. Ihr erstes Album „Fujo“ erschien 1999. Am 16. Oktober stellt sie in der Breite63 ihr neues Album „Henry IV“ vor, und hinter dem Namen steckt eine Familiengeschichte. Henry wurde ihr Vater Heinrich genannt, der laut Breite63 die Posaune als Weckruf blies, wenn es Zeit zum Aufstehen war. Weil der Vater Posaune spielte, holte sie das Instrument auch in ihre Band, wie Johänntgen dem Portal All About Jazz erzählte. Die Stücke für das erste „Henry“-Album schrieb sie 2016 während eines mehrmonatigen Aufenthalts in New York, aufgenommen hat sie sie danach in New Orleans. Auch das aktuelle Projekt haben, wie die Stadt schreibt, ein Aufenthalt in New York und eine Reise nach New Orleans inspiriert.

Mit Jon Ramm an der Posaune, Steven Glenn am Sousaphon und Paul Thibodeaux am Schlagzeug stehen dieselben drei Musiker aus New Orleans auf der Bühne, mit denen sie 2016 das erste Album eingespielt hat. Einen Kontrabass braucht die Band nicht. Den Bass übernimmt das Sousaphon, jenes Blechungetüm, das bei den Brass-Band-Umzügen in New Orleans über der Schulter durch die Straßen getragen wird. Wer noch keine Karte hat, kann auf die Abendkasse hoffen, denn dort werden eventuell nicht abgeholte Tickets verkauft.

Luxemburger Schulfreunde und die Kraft des Unausgesprochenen

Am 20. November teilen sich zwei Bands den Abend. Michel Reis am Klavier, Marc Demuth am Bass und Paul Wiltgen am Schlagzeug gründeten ihr Trio 1998, als sie noch zur Schule gingen. Nach einigen Jahren Pause fanden die drei Luxemburger 2011 wieder zusammen und spielen seitdem international. Wie weit ihr offener, melodischer Jazz trägt, zeigt das Album „Freedom Trail“, das im Juni bei CAM Jazz erschienen ist und ihre Stücke mit dem Luxembourg Philharmonic Orchestra zusammenbringt. Arrangiert haben sie Michel Reis und Vince Mendoza, der sieben Grammys gewonnen hat. In Malstatt spielen die drei wieder ohne Orchester. Bei 99 Plätzen stellt sich die Frage, wo ein Sinfonieorchester Platz finden sollte, damit gar nicht erst.

Danach steht Josefine Laub mit ihrer Jomila Band auf der Bühne. Die junge saarländische Sängerin und Komponistin ist Mitglied im Bundesjazzorchester und wurde bereits mit Preisen ausgezeichnet. In ihrem Projekt geht es um die Wirkung von Sprache und um die Kraft dessen, was unausgesprochen bleibt. Bei einer Sängerin, deren Handwerkszeug nun einmal die Worte sind, darf man darin durchaus eine kleine Pointe sehen.

Vom Trollwald nach Chennai

Beim Jahresabschluss am 4. Dezember entführen Trallskogen um die Sängerin Nika Jonsson das Publikum in einen skandinavischen Zauberwald, dessen Wurzeln allerdings in Saarbrücken liegen. Die Band entstand 2017 aus einem Projekt an der Hochschule für Musik Saar, an der Jonsson zuvor Jazzgesang studiert hatte. Für das Album „Trollskogen“ suchte sie in Stockholm nach alten Aufnahmen schwedischer Volksmusik. Die Melodien singt sie auf Schwedisch und verbindet sie mit Jazz und Pop.

Von Schweden geht es an diesem Abend noch bis nach Südindien. Das Quartett Mandala Tribe verbindet klassische indische Musik mit Jazz und Elektronik. Im Mittelpunkt steht Shashwathi Jagadish aus Chennai, die heute in Den Haag lebt und mehr als zwei Jahrzehnte lang in karnatischem Gesang ausgebildet wurde. Sie hat auch schon Gesangspartien für Filmkomponisten wie A. R. Rahman eingesungen, der für „Slumdog Millionär“ zwei Oscars bekam. Bansuri-Flöten, Tabla, Keyboards und elektronische Effekte ergeben bei Mandala Tribe einen elektroakustischen Klang, über dem ihre Stimme zwischen Tradition und Gegenwart vermittelt.

Welche Bands ab Januar folgen, hat die Stadt bislang nicht bekanntgegeben.

JazzZeit 2026/2027
Breite63, Breite Straße 63, 66115 Saarbrücken-Malstatt
Fr 16.10.: Nicole Johänntgen & Henry IV (Release-Konzert, ausverkauft, eventuell Restkarten an der Abendkasse, 14 €, ermäßigt 12 €)
Fr 20.11.: Reis Demuth Wiltgen und Jomila Band
Fr 4.12.: Trallskogen und Mandala Tribe
Jeweils 20 Uhr, 99 Plätze. Reservierung unter 0681 94757290, per E-Mail an breite63@zbb-saar.de oder über breite63.de. Reservierte Karten bis 15 Minuten vor Beginn abholen. Infos: www.saarbruecken.de/jazzzeit

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